Schneller zum Psychotherapeuten

Oft muss ein Patient mehrere Monate auf einen Termin beim Therapeuten waren. Die Kassenärztliche Vereinigung erhofft sich von der Wiederbesetzung eingezogener Stellen Besserung. Psychotherapeutenkammer und Kassen begrüßen den Schritt.

Immer mehr Menschen im Saarland suchen Rat bei einem Psychotherapeuten . Hatten 2010 im vierten Quartal 9428 Patienten einen Psychotherapeuten benötigt, sind es laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) in diesem Jahr im ersten Quartal 11 277 Personen. Das entspricht einem Anstieg um 19,6 Prozent. Die Wartezeiten auf einen Ersttermin sind lang. Wie lang genau, sei je nach Region und Psychotherapeut unterschiedlich und könne nicht genau beziffert werden. Doch die Wartezeit auf ein Beratungsgespräch soll kürzer werden. Die KV hat angekündigt, im Saarland 30 halbe Sitze von zugelassenen Therapeuten zurückzufordern. Begründung: Diese erbrächten trotz voller Stelle weniger als 50 Prozent ihres Versorgungsauftrags. Die so frei werdenden Sitze sollen neu an andere Psychotherapeuten vergeben werden. "Die ersten Sitze wurden bereits übergeben. Es wird hier sicherlich zu einer Entspannung der Versorgungslage kommen", teilt die KV auf SZ-Anfrage mit. Derzeit gebe es im Saarland 194 Psychologische Psychotherapeuten sowie 47 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.

"Es wird auf jeden Fall besser", sagt auch der Präsident der saarländischen Psychotherapeutenkammer (PTK), Bernhard Morsch. "Aber ob das ausreicht, bleibt abzuwarten." Er bezeichnete den Schritt der KV als "aus der Not geboren". Morsch verweist auf eine Untersuchung der Bundeskammer der Psychotherapeuten , wonach es in der Regel drei Monate dauere, bis ein Patient einen Platz erhalte. Die PTK hatte bereits früher darauf hingewiesen, dass es unrealistisch sei, das ein Psychotherapeut acht Stunden am Tag Gespräche führen kann. Der von der KV nicht vergütete Aufwand etwa für Gutachten schreiben, Telefonsprechstunden und Büroarbeiten beanspruche zwei bis drei Stunden pro Tag. Würden alle Therapeuten tatsächlich 100 Prozent abrechnen, ergäben sich Arbeitszeiten von bis zu zwölf Stunden.

Derweil unterstützen Krankenkassen den Kurs der KV. "Wir begrüßen es, dass die KV das Thema angeht", sagte der Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse , Jörn Simon. "Wir stellen fest, dass sehr viele Therapien schon nach wenigen Sitzungen beendet werden können." Er plädiert dafür, neue Therapieformen einzuführen, wie etwa Gruppentherapien. Und darüber hinaus eine Clearingstelle einzurichten. Neben den frei werdenden Stellen weitere Stellen zuzulassen, sieht Simon skeptisch: "Zunächst sollte man abwarten, wie sich die Lage entwickelt, bevor neue Stellen zugelassen werden." Die TK wolle die Wiederbesetzung der frei werdenden Stellen grundsätzlich nicht blockieren. "Aber das hängt davon ab, wie die konkreten Vorstellungen der KV auch hinsichtlich der Vergütung aussehen werden", sagt Simon. Auch die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland befürwortet grundsätzlich Schritte, die dazu führen, dass Psychotherapeuten ihren vollen Versorgungsauftrag erfüllen. "Dies ist im Sinne unserer Versicherten, um Wartezeiten zu verkürzen und zu vermeiden", sagt AOK-Sprecher Jan Rößler. Die Kasse geht davon aus, dass darüber hinaus keine weiteren Neuzulassungen erforderlich sein werden. Einer Wiederbesetzung der freien Stellen stehe man nicht ablehnend gegenüber.