„Schlüssel zur Integration“

Das frauenpolitische Frühstück zum Internationalen Frauentag beschäftigte sich gestern mit dem Thema „Flucht und Migration“. Im Fokus standen Migrantinnen und deren Integration im Saarland.

Rund 100 Besucher sind gestern zum frauenpolitischen Frühstück anlässlich des Internationalen Frauentages nach Saarbrücken gekommen, unter ihnen: Hedayut, Hanaa und Mayas. Die drei syrischen Frauen aus Aleppo sind erst seit wenigen Monaten in Deutschland und trotzdem nach Eva Jung von der Pädagogisch-sozialen Aktionsgemeinschaft (Pädsak) bereits Vorzeigebeispiele, wie Integration funktionieren kann. "Ich staune darüber, wie schnell die Frauen Deutsch lernen, vor allem die 15-jährige Mayas", sagte Jung. Sie besucht seit drei Monaten die Gesamtschule Bellevue.

Im Fokus standen beim frauenpolitischen Frühstück die Migrantinnen. Zwar seien im vergangenen Jahr vor allem junge Männer ins Saarland gekommen, doch allmählich ziehen auch Frauen mit Kindern nach. "Aktuell sind zehn bis 20 Prozent der Erwachsenen im Erstaufnahmelager Lebach Frauen", sagte Sozialstaatssekretär Stephan Kolling (CDU ). "Lebach wechselt jeden Tag sein Gesicht." Das Saarland habe eine Vorreiterrolle. Denn nicht in allen Erstaufnahmelagern in Deutschland gebe es wie in Lebach Hebammenvertretungen oder eine gynäkologische Praxis. Wichtig sei es weiterhin, Frauen Zufluchtsorte zu bieten. "Einige von ihnen sind Opfer von Gewalt geworden, diese benötigen Rückzugsmöglichkeiten", erläuterte Kolling. Die Integration in Arbeitsmarkt und Bildung sei eine "große Herausforderung".

Eine Aussage, die nicht selten an diesem Morgen fällt. "Wir dürfen nicht denselben Fehler machen, wie in den 1990er- oder 1970er-Jahren", warnt die Saarbrücker SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Ferner . Der Bund und die Länder müssten für ausreichend Angebote zur Kinderbetreuung sorgen. Denn Ferner betonte: "Frauen sind der Schlüssel zur Integration, Frauen sind der Schlüssel zur Bildung."

Gertrud Schmidt vom Frauenreferat der Arbeitskammer vermutet, dass es keine schnelle Lösung für die Integration geben wird: "Wir müssen kommunizieren, zusammenarbeiten und auch Kompromisse eingehen."

In der Landeshauptstadt wohnen nach Angaben von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) derzeit 1900 Flüchtlinge , zehn Prozent davon sind Frauen. Viele Alleinerziehende seien da nicht dabei. "Das liegt oft am kulturellen Hintergrund. Frauen kommen selten alleine nach Deutschland, sondern in Begleitung von Familienangehörigen", sagte sie. Die vielen ehrenamtlichen Helfer würden viel zur Integration beitragen.

Generell sei die Landeshauptstadt mit Wohnungen gut aufgestellt. "Wir profitieren von den vielen Leerständen", sagte Britz. Nur Anfang des Jahres sei der Zulauf sehr groß gewesen. 80 bis 100 Flüchtlinge kamen laut Britz pro Woche in Saarbrücken an. Daher habe auch ein ehemaliger Baumarkt in Burbach als Unterkunft dienen müssen. Jetzt würden aber wieder Wohnungen an Flüchtlinge vermittelt.

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