Schlangenmann und Bienenfänger

Saarbrücken. Die Sache mit dem Hamster war eine Meisterleistung. Ein Beweis dafür, dass die Berufsfeuerwehr nicht nur Menschenleben rettet. Und Beweis dafür, wie Feuerwehrleute blitzschnell improvisieren: Das nötige Werkzeug haben sie im Tierrettungswagen dabei. Damit rücken sie aus, wenn mal wieder ein Hund entlaufen, eine Katze auf dem Baum - oder ein Hamster in Not ist

Saarbrücken. Die Sache mit dem Hamster war eine Meisterleistung. Ein Beweis dafür, dass die Berufsfeuerwehr nicht nur Menschenleben rettet. Und Beweis dafür, wie Feuerwehrleute blitzschnell improvisieren: Das nötige Werkzeug haben sie im Tierrettungswagen dabei. Damit rücken sie aus, wenn mal wieder ein Hund entlaufen, eine Katze auf dem Baum - oder ein Hamster in Not ist. Wie jenes Kerlchen, das die Männer der bei einem Brand reglos im Käfig sahen. Sie bastelten flugs aus einer Plastikflasche ein "Sauerstoffzelt". Der Hamster überlebte. Merke: Kein Tier ist zu klein für einen Rettungsversuch. Manchmal gibt's tierischen Dank. Ein Jack-Russel-Terrier gab Pfötchen, nachdem Feuerwehrleute ihn aus einer brennenden Wohnung gerettet und wiederbelebt hatten. Doch die Rettung niedlicher Haustiere ist nur ein Teil der Tierretter-Aufgaben. Ausgebüxte Schlangen einfangen, angefahrene Tiere in die Klinik bringen, Insekten umsiedeln, Kadaver einsammeln: Belastendes liegt genug an. Die Arbeit kann richtig gefährlich sein. In vielen Wohnungen hausen nicht etwa Hamster, sondern lebende Risiken: Schlangen, Krokodile, Giftspinnen, Amphibien, Ameisen."Es gibt scheinbar nichts, was sich die Leute nicht als Haustiere halten", sagt Stefan Müller, Spezialist für Reptilien. Ob es an der Nachlässigkeit einiger Amphibienhalter liegt oder an der Geschicklichkeit der Tiere - immer öfter wird die Feuerwehr gerufen, weil diese Tiere "durch einen offenen Spalt in die große weite Welt ziehen", sagt er. "Viele plaudern lieber mit ihrem Leguan als mit einem Wellensittich. Und hinter Plexiglas lassen sich problemlos Vogelspinnen und Giftschlangen präsentieren - sei es aus Zuneigung, oder um die Schwiegermutter fern zu halten", sagt Stefan Müller, der selbst zwei Schlangen hält. "Im Notfall müssen wir jedoch damit rechnen, dass diese Tiere in einem brennenden Haus unterwegs sind. Dann ist Eigenschutz das A und O. Das heißt: immer reichlich Abstand halten."

Neben dem Retten von Wild- und Haustieren und dem Einfangen gefährlicher Reptilien ist die Beseitigung von Insekten eine Herausforderung. Sie kann so gefährlich sein, dass schweißtreibende Gegenmaßnahmen Pflicht sind. Kein Wunder, dass Eric Werndorff im Sommer noch mehr ins Schwitzen gerät als alle anderen Saarbrücker. Bis zu fünfmal pro Tag heißt es: Schutzanzug an, Netzhaube auf, ab zum Bienen- und Wespenfang. Im Hochsommer halten Werndorff meist die Wespen auf Trab, im Frühjahr sind's die Bienen. Aber er hat einige Tricks drauf, täuscht schon mal dem Bienenschwarm mit einer Sprühflasche einen Regenschauer vor und lockt ihn so in den schützenden Fangkasten. Ruhe ist beim Bienenfang das Wichtigste: "Wer einen Schwarm findet, sollte ihn nicht reizen." Schon Deo- oder Schweißgeruch kann die Insekten aggressiv machen.

Bienenschwärme, die sich in der freien Natur festsetzen, entstehen, wenn sich ein Schwarm mit zwei Königinnen teilt. Oft sehen Werndorff und seine Kollegen bereits am Verhalten der Tiere, wenn eine Teilung bevorsteht. Dann müssen die ausgebildeten Imker und Hornissenberater eine Königin fangen und in einen freien Bienenstock setzen. Haben die Spezialisten einen Schwarm in ihrem Kasten, dann setzen sie ihn an entlegener Stelle in einem Saarbrücker Waldstück aus. ole

"Im Notfall müssen wir damit rechnen, dass diese Tiere

in einem brennenden Haus unterwegs sind."

Schlangenexperte Stefan Müller

Stichwort

Stefan Müller, Oberbrandmeister und Reptilienexperte bei der Berufsfeuerwehr, zeigt eine Boa Constrictor aus seinem Besitz.

Tierrettung: Die Berufsfeuerwehr hat einen speziellen Rettungswagen für tierische Einsätze. Er wurde in den eigenen Werkstätten konstruiert und umgebaut: Im Fahrzeug gibt es Fangstäbe mit Schlingen, bissfeste Schutzkleidung, Maulkörbe, Hebegeschirre, Transportboxen, eine Transporttrage und noch einiges mehr, was auf die Bedürfnisse der tierischen Patienten abgestimmt wurde. Rund um die Uhr stehen für diesen Spezial-Einsatzwagen zwei Feuerwehrleute bereit, die sich mit Tieren auskennen. red