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Schlammschlacht bei Tierfreunden

Nach sieben Jahren als Vorsitzender hat Stefan Eck die Tierschutzpartei verlassen. Foto: waz fotopool
Nach sieben Jahren als Vorsitzender hat Stefan Eck die Tierschutzpartei verlassen. Foto: waz fotopool FOTO: waz fotopool
Saarbrücken. Am 25. Mai 2014 zog der Saarbrücker Tierrechtler Stefan Eck überraschend ins EU-Parlament ein. Doch von seiner Partei, die er sieben Jahre lang anführte, will er nun nichts mehr wissen. Wird die Tierschutzpartei von rechten Kräften unterwandert? Daniel Kirch

Schon einmal den Namen Stefan Bernhard Eck gehört? Der 58-jährige Saarbrücker kämpft seit Jahrzehnten für Tierrechte und ist, protokollarisch gesehen, einer der ranghöchsten Politiker von der Saar. Denn der gelernte Werbekaufmann gehört als einer von nur zwei Saarländern (neben Jo Leinen, SPD ) dem EU-Parlament an. Seitdem er am 25. Mai 2014 überraschend als Spitzenkandidat der Tierschutzpartei ins EU-Parlament einzog, setzt sich der Veganer in Brüssel und Straßburg unter anderem gegen die umstrittene Stierhatz in Spanien oder gegen die Tötung streunender Hunde in Rumänien ein.

Mit politischen Erfolgen ist Eck in der Öffentlichkeit bislang nicht aufgefallen. In einer Facebook-Botschaft an die "verehrten Mitstreiterinnen und Mistreiter, Tierfreundinnen und Tierfreunde" liefert er auch einen möglichen Grund dafür: Seine Arbeit habe unter den "permanenten Auseinandersetzungen" in seiner Partei gelitten. Unter diesen Streit zieht er jetzt einen Schlussstrich, und was für einen: Nach sieben Jahren als Bundesvorsitzender der rund 1000 Mitglieder starken Tierschutzpartei (offiziell: "Partei Mensch Umwelt Tierschutz") legte er an Silvester nicht nur sein Amt nieder, sondern trat auch gleich aus der Partei aus. Im EU-Parlament bleibt der Einzelkämpfer Mitglied der Linksfraktion, der er sich nach der EU-Wahl angeschlossen hatte.

In dem Facebook-Brief rechnet Eck mit seinen früheren Vorstandskollegen ab. Die verbliebene Parteispitze keilt in der Schlammschlacht allerdings kräftig zurück. Der Europa-Abgeordnete wirft der Partei vor, es sei zu "einer "inakzeptablen ‚Rechtsoffenheit' und einer leichtfertigen Integration von Personen mit rechtspopulistischem, anti-emanzipatorischem oder sogar faschistischem Gedankengut gekommen". Konkret wird Eck allerdings nur in einen Fall: Im Düsseldorfer Stadtrat arbeitet die Tierschutzpartei nach Ecks Worten mit politisch zwielichtigen Gestalten zusammen. Angestellter der Ratsgruppe ist ein ehemaliger Neonazi. Die Tierschutzpartei ist der Meinung, dieser habe schon vor Jahren mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Eck sieht das ganz anders.

Die Tierschutzpartei räumt ein, dass "gerade im Bereich des Tierschutzes" immer wieder "Probleme mit rechtslastiger Unterwanderung" gebe. In der Vergangenheit habe es "einige wenige Beispiele" dafür gegeben, "dass bei Parteimitgliedern der Verdacht der Rechtslastigkeit aufkam", schreibt die Tierschutzpartei in einer Stellungnahme zu Ecks Austritt. Gegen diese sei dann "selbstverständlich konsequent" vorgegangen worden. Auch würden seit einiger Zeit Neueintritte sorgfältig geprüft. Eck wolle den Eindruck erwecken, es gäbe viele rechte Parteimitglieder und viele Funktionsträger, die dies auch noch unterstützten. "Solche pauschalen Aussagen sind armselig!" Es sei sehr bedauerlich, dass Eck und einige andere die Partei "nun mit Schmutz bewerfen". Leider ziele Eck "aus seiner persönlichen Frustration heraus sehr tief unter die Gürtellinie". Wahrscheinlich, so die Partei, sei "eine Trennung unter diesen Gesichtspunkten für alle Seiten die beste Lösung".