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Schild wird zum Fall für die Polizei

Nicht wegen der Rechtschreibfehler (unter anderem fehlt in Skateboarder ein „a“ und der Ladenschluss schreibt sich nicht mehr mit „ß“), sondern weil es Beschädigung eines Kunstwerks ist, wird dieses Schild wieder abmontiert. Foto: Karle
Nicht wegen der Rechtschreibfehler (unter anderem fehlt in Skateboarder ein „a“ und der Ladenschluss schreibt sich nicht mehr mit „ß“), sondern weil es Beschädigung eines Kunstwerks ist, wird dieses Schild wieder abmontiert. Foto: Karle FOTO: Karle
Saarbrücken. Für die einen ist das Schild am Podest vor der Europa-Galerie eine freundlich formulierte und bitter notwendige Bitte an Skater, ihre Bretter ruhen zu lassen, solange dort viele Menschen unterwegs sind. Für andere ist das Schild Beschädigung eines Kunstwerks. Das Mysteriöse: Niemand weiß angeblich, wer das Schild überhaupt angeschraubt hat. Martin Rolshausen

Da hat die Stadtverwaltung etwas Gutes getan, dachte sich Sebastian Kurth. Da hat aber jemand etwas sehr Ungutes getan, dachte sich die Stadtverwaltung - und stellte Strafanzeige. Sebastian Kurth ist Centermanager der Europa-Galerie in der ehemaligen Bergwerksdirektion. Und dass auf dem Platz vor dem Einkaufszentrum Skater unterwegs sind, ärgert ihn schon lange.

Es sei gefährlich, wenn die Skater mit ihren Brettern dort "donnern", wo viele Menschen unterwegs sind. Und dass sie für ihre teilweise akrobatischen Fahrten auch die beiden runden Holzpodeste benutzen, mache es noch schlimmer. Deshalb sei er froh gewesen, als das städtische Ordnungsamt ein Schild an einem der Podeste angebracht hat, auf dem die "lieben Skateborder" aufgefordert werden, ihrem Hobby erst "nach Ladenschluß" nachzugehen.

Das Ordnungsamt hat das Schild aber gar nicht angebracht.

Im Gegegenteil: Bereits im November hat sie ein ähnliches Schild von der Holzkonstruktion entfernt. Auch dieses Schild wird abmontiert. Und wie im November, das teilte Jutta Mehler von der Stadtverwaltung auf SZ-Anfrage mit, werde man "als Eigentümerin der Plattform bei der Polizei St. Johann eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung erstatten".

Es ist nicht die einzige Anzeige in dieser Sache. Auch der Künstler Alexander Karle hat sich bei der Polizei gemeldet. Er hat die beiden Plattformen 2010 entworfen. Und er wehrt sich dagegen, dass sein Kunstwerk beschädigt wird.

Das werde eher durch die Skater beschädigt, findet Europa-Galerie-Manager Kurth. Denn durch deren Aktivitäten splittere das Holz an einigen Stellen. Und weil die Skater eben auch keine Rücksicht auf Passanten nehmen, wie er beobachtet hat, habe er das Schild "wohlwollend zur Kenntnis genommen". Selbst angebracht habe es die Europa-Galerie aber nicht.

Wer das Schild angebracht hat, sei noch nicht klar. "Bisher konnte die Polizei den Verursacher nicht ermitteln", sagt Mehler.

Wer immer dahintersteckt: Dass seine Skulptur von Skatern zweckentfremdet wird, sei nicht der Fall, sagt Karle. "Es ist eine Skulptur, die auf vielfältige Art genutzt werden kann, dazu gehört auch das Befahren mit Skateboards", erklärt er. Das Holz werde dadurch nicht beschädigt. Nach sechs Jahren zeige die Skulptur einfach Gebrauchsspuren. Er wäre "glücklich", wenn die Stadt als Eigentümerin das Holz neu lackieren und die Schrauben nachziehen würde. Man könne auch gerne ein Schild in der Nähe der Kunst anbringen, auf dem "zur gegenseitigen Rücksichtnahme ermutigt" wird.

Zum Thema:

Zur Person Alexander Karle arbeitet seit seinem Diplom an der Hochschule der Bildenden Künste Saar 2012 als freier Künstler. Seine Skulptur "Karli" steht seit 2010 vor der Europa-Galerie und "dient den Passanten als Plattform, auf der sie selbst zur Skulptur werden können", wie er vor sechs Jahren erklärte. Von sich reden gemacht hat Karle in jüngster Zeit durch zwei Dinge: Mit anderen jungen Leuten hat er zusammen eine "Map for young travellers" entworfen und mit dieser "Karte für junge Reisende" den Wettbewerb "Bunte Visionäre" gewonnen. Weil er für ein Videokunstprojekt Anfang 2016 Liegestütze auf dem Altar der Basilika St. Johann gemacht hat, steht Karle am 17. Januar vor Gericht. ols

Alexander Karle
Alexander Karle
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