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Scherz-Plakate gegen Hundekot

Im Nauwieser Viertel wurden 50 Plakate angebracht. Im Vordergrund ist der Aprilscherz der Initiativen zu sehen. Im Hintergrund hängt ein echtes Plakat der Stadt, das an die Verantwortung der Hundehalter appelliert und auf Bußgelder hinweist. Foto: Oliver Dietze
Im Nauwieser Viertel wurden 50 Plakate angebracht. Im Vordergrund ist der Aprilscherz der Initiativen zu sehen. Im Hintergrund hängt ein echtes Plakat der Stadt, das an die Verantwortung der Hundehalter appelliert und auf Bußgelder hinweist. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Ein neues Plakat wird manchen Hundebesitzer gestern verwundert haben. Darauf war zu lesen, dass die Stadt ab dem 1. April eine Hundezählung und Registrierung angehe. Dabei werde das Hunde-Erbgut erfasst. Ulrike Paulmann

Rot leuchtet das Plakat in Augenhöhe entgehen. Die Botschaft ist eindeutig. Unter der Überschrift "Hundezählung/ DNA-Test" ist zu lesen: "Durch DNA-Analyse ist Hundekot jedem Hund zuzuordnen. Die Landeshauptstadt Saarbrücken wird ab dem 1. 4. 2014 eine Hundezählung und Registrierung durchführen. Dabei wird das Hunde-Erbgut durch das Institut für Veterinärgenetik erfasst." Dazu das Foto eines Hundes, dem mit einem Wattestäbchen eine Speichelprobe entnommen wird, ein stilisiertes Hundehäufchen - und der Hinweis auf 40 Euro Bußgeld. Unterschrieben ist dies von den "Initiativen für ein sauberes Saarbrücken". Droht nun die "totale Überwachung"?

Mitnichten. Denn dabei handelte es sich um einen Aprilscherz. Und so verschwanden die Plakate auch gestern Abend, rund 24 Stunden, nachdem sie an Bäumen, Laternen und Co. angebracht worden waren, wieder. Hinter der Aktion stecken fünf Initiativen: Die Bürgerinitiative (BI) Sauberes Molschd, die Bürgerinitiative Sauberes Burbach, die Arbeitsgruppe (AG) Sauberes Alt-Saarbrücken, die Interessengemeinschaft (IG) Quartier Mainzer Straße und die Initiative Nauwieser Viertel. Anfang des Jahres sei die Idee zu dem Scherz geboren worden, erläutert Lieselotte Hartmann von der Initiative Nauwieser Viertel. Damals sei bekannt geworden, dass die Stadt Neapel zur Bekämpfung von Hundehaufen DNA-Tests einführen wolle.

Das wollten die Saarbrücker aufgreifen. Denn Ärger über nicht weggeräumte Hundehaufen gebe es auch hier, sagen die Vertreter der Initiativen - obgleich die Stadt Hundebesitzer, die die Haufen nicht beseitigen, mit Bußgeldern belegt. "Jede Grünfläche, jede Baumscheibe wird als Hundetoilette benutzt", ärgert sich Elfriede Müller, Sprecherin der BI Sauberes Molschd. Wolfgang Graul von der IG Quartier Mainzer Straße, selbst Hundebesitzer, sagt, es sei "Zeit, etwas gegen den Hundedreck zu unternehmen". Bettina Caspers-Selzer von der Alt-Saarbrücker Arbeitsgruppe berichtet, dass in allen Teilen der Stadt immer wieder Hundekot auf den Straßen für Unmut sorgt: "Wir wollen die Leute daran erinnern, die Tüten zu nehmen und diesen zu beseitigen." 200 DIN-A-4-Plakate wurden am Montag aufgehängt. In Burbach waren es laut Initiativensprecherin Johanna Biermeyer 20; in Alt-Saarbrücken 50, sagt Bettina Caspers-Selzer. Es habe beim Aufhängen viel positive Rückmeldung gegeben: "Die Baumscheibenpaten haben sich sehr gefreut." Natürlich sei der Scherz da noch nicht aufgelöst worden. Die Stadt wurde im Vorfeld informiert. Stadtpressesprecher Thomas Blug sagt, damit werde auf ein Problem hingewiesen, "das die Bewohner zu Recht nervt." Hundehalter seien nach der Polizeiverordnung dazu verpflichtet, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu beseitigen. Blug weiter: "Hundekot auf den Straßen ist aber im gesamten Stadtgebiet leider immer noch ein Ärgernis - trotz der Kontrollen unseres Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und trotz verschiedener Info-Kampagnen unseres Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE) in den vergangenen Jahren." Weil Verstöße in der Regel dann passierten, wenn niemand zuschaue, sei die Anzahl der Bußgeldverfahren vergleichsweise gering. "Bei 272 Verfahren, die unser KOD in diesem Jahr bereits eingeleitet hatte, ging es lediglich bei einem Verfahren um nicht beseitigten Hundekot."