SBU, SABV, BVS oder SVB – was denn nun?

Seit mehr als zwei Jahren streiten sich Saarlands Billardspieler, wer sie denn nun auf Verbandsebene vertreten soll – oder vertreten darf. Derzeit ist der Billard Verband Saar (BVS) in der Verantwortung.

Die Billardgemeinschaft im Saarland hat turbulente Jahre hinter sich. 60 Jahre lang war die Saarländische Billard Union (SBU) Dachverband der saarländischen Billardvereine und deren Vertreter im Landessportverband für das Saarland (LSVS) sowie in der Deutschen Billard Union (DBU). Seit einer Präsidiumssitzung des LSVS am 4. Dezember hat sich das geändert. Der im Jahr 2012 gegründete Billard Verband Saar (BVS) vertritt seither die Interessen nahezu aller saarländischer Billardvereine im LSVS und in der DBU. Die SBU existiert noch als Teil eines ebenfalls neu gegründeten Dachverbands Saarländischer Amateurbillard Verband (SABV), dem auch der ursprünglich für die überregional spielenden Vereine gegründete Saarländische Billard Verband (SBV) angehört.

Nach Turbulenzen im Dachverband DBU entschied sich das Präsidium der SBU - bestärkt durch die deutliche Mehrheit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung - wie viele andere Billard-Landesverbände für den Austritt aus DBU. "Weil keiner die finanziellen Folgen für unseren Verband beurteilen konnte", sagt Luigi Gei, Präsident des SABV. Im Raum stand damals die Erhebung einer Pro-Kopf-Pauschale durch die DBU für ihre Mitglieder. Der BVS behauptet, bei der Mitgliederversammlung sei von Seiten der SBU mit falschen Zahlen hantiert worden, weshalb die Abstimmung der Versammlung auf einer falschen Grundlage stattfand. "Die Zahlen waren jenseits der Realität", behauptet BVS-Präsident Jörg Schütz sogar. Er habe sich persönlich bei der DBU darüber informiert "was Tatsachen sind und was Gerüchte. Dabei musste ich zu dem Schluss kommen, dass uns im Saarland nicht die Wahrheit gesagt wurde". Luigi Gei sieht das anders: "Die Pro-Kopf-Pauschale war, als wir abstimmten, spekulativ. Wir haben verschiedene Szenarien vorgestellt, wie die Gesamtbelastung für die Vereine aussehen könnte. Es hat sich gezeigt, dass wir mit unseren Schätzungen gar nicht so falsch lagen." Franz Träm, langjähriger Präsident der SBU, wollte sich zu den Entwicklungen nicht öffentlich äußern.

Ohne die Mitgliedschaft in der DBU war es den saarländischen Billardspielern nicht möglich, an nationalen Wettbewerben wie Deutsche Meisterschaften, großen nationalen Turnieren oder auch der Bundesliga und Regionalliga teilzunehmen. Einige Vereine gründeten mit dem BVS einen eigenen Landesverband, der im Gegensatz zum ebenfalls neu gegründeten SBV zum 1. Januar 2013 in die DBU aufgenommen wurde. Später stellte die SBU - wie zehn weitere zuvor ausgetretene Landesverbände - einen Antrag auf Wiederaufnahme in die DBU. Die anderen Landesverbände wurden aufgenommen, die SBU nicht. Im Dezember 2012 rief die SBU das DBU-Verbandsschiedsgericht an, um gegen den abgewiesenen Wiederaufnahmeantrag vorzugehen. Der zuständige Richter, ein Spieler eines BVS-Vereins, trat nach kurzer Zeit wegen Befangenheit von dem Fall zurück, gab die Weiterführung des Verfahrens an seinen Stellvertreter ab und forderte die DBU zu einer Stellungnahme auf, die laut Gei bis heute noch nicht erfolgt ist. Daran, dass das schwebende Verfahren wieder aufgenommen wird, glaubt Gei nicht: "So, wie die Sachlage war und wie unsere Anwälte uns bestätigt haben, bekämen wir auf jeden Fall Recht, weil die DBU bei der Aufnahme des BVS mehrmals gegen ihre Satzung verstieß." Bis Sommer 2014 schlossen sich fast alle Billardvereine im Saarland dem neuen BVS an. "Gezwungenermaßen", meint Luigi Gei, "Um im Spielbetrieb zu bleiben und ihre Vereinsheime weiter finanzieren zu können." Jörg Schütz sagt: "Man hat uns anfangs nicht geglaubt, sondern der SBU."

Zu Gesprächen zwischen Verantwortlichen des SABV und BVS ist es trotz des Wunsches von Seiten des LSVS nie gekommen. Gegenseitig werfen sich die Verbände Falschdarstellungen und formelle Fehler vor. Auch die Wahrnehmung der Meinung der Billardvereine fällt unterschiedlich aus. Jörg Schütz sagt: "Wir haben wieder alle Vereine unter einem Dach. Und wir spielen wieder so, wie früher. Wir spielen jetzt sogar Karambol in mehreren Disziplinen als früher. Die Leute stehen hinter uns. Und ich glaube, wir haben alles richtig gemacht."

Luigi Gei sagt: "Zufrieden sind die Vereine nicht. Unsere Verbände bleiben weiterhin bestehen." Jeder, der zu der Meinung komme, er "könne oder wolle sich das Abenteuer DBU/BVS nicht mehr leisten, weil er der Meinung ist, dass alles beim Alten geblieben ist und man nur mehr bezahlen muss, kann gerne zu uns zurückkommen." Derzeit gehören dem SABV nach eigenen Angaben acht Vereine an, die für einen eigenen Spielbetrieb Einzelturniere veranstalten. Der BVS hat laut eigener Internetseite 43 Mitgliedsvereine. billard-verband-saar.de

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