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Saarmesse mit geschärftem Profil

Saarbrücken. Ein halbes Jahr hatte die Mannschaft der Saarmesse Zeit, das neue Messekonzept, das im November beschlossen wurde, umzusetzen: Die Welt der Familie und den Autofrühling Saar gibt es nicht mehr, dafür eine neu ausgerichtete Internationale Saarmesse. SZ-Redakteurin Dörte Grabbert hat mit Marion Linder, Saarmesse-Geschäftsführerin, und den Projektleitern Hans-Joachim Schubert und Oliver Schuh über die 66. Internationalen Saarmesse vom 11. bis 19. April gesprochen.

Frau Linder, im November 2014 hat der Aufsichtsrat der Saarmesse entschieden, die Welt der Familie, den Autofrühling Saar und die Saarmesse zusammenzulegen. Das Konzept stammt von Ihnen. Was ist neu daran?

Die Internationale Saarmesse im Sinne einer Leistungsschau integriert jetzt das Beste aus der Welt der Familie und dem Autofrühling Saar . Außerdem haben wir die Messe inhaltlich verbessert und die Hallen thematisch gestrafft. Es war aber sehr wenig Zeit seit der Entscheidung im November. Normalerweise braucht man für die Organisation einer Messe ein Jahr Vorlaufzeit

Hans-Joachim Schubert: Wir haben die besten Themen aus den drei Messen rausgenommen und auch neue Konzepte, die eigentlich für die alte Saarmesse gedacht waren, integriert.

Oliver Schuh: Das eine ist "Handwerk live". In einer Halle präsentieren sich saarländische Handwerksfirmen und führen live ihr Handwerk vor. Unterstützt wurden wir dabei von der Handwerkskammer und der "Saarland, Innovation und Standort" (Saaris). Den zweiten neuen Bereich "Digital Home & Entertainment" haben wir zusammen mit der Agentur PlanetLAN aus Köln entwickelt. Das ist der Themenpark "Zuhause 2.0.". Es geht um Unterhaltungselektronik und Gebäudeautomation und Heimvernetzung - Stichwort: das intelligente Haus.

Was ist das Neue daran?

Schuh: Die Firmen aus diesem Bereich präsentieren sich normalerweise nur auf Fachmessen mit Fachpublikum und nicht gegenüber dem Endverbraucher. Das Konzept ist deshalb einmalig in Deutschland und soll nach Saarbrücken auch in andere deutsche Messestädte exportiert werden.

Was bleibt von der Welt der Familie?

Schubert: Aus der Welt der Familie übernehmen wir den Bereich "Games for families" mit Videospielen und die analogen Kinderspiele ("Mehr Zeit für Kinder"). Und es gibt natürlich wieder ein Kinderprogramm auf der Showbühne.

Schuh: Außerdem präsentieren sich zwölf Automarken. Unter anderem Aston Martin mit einem 007-Agentengefährt. Auch das Freigelände wird mit Ausstellern belegt.

Dennoch hat die neue Internationale Saarmesse nur 650 Aussteller . 2014 waren es allein bei der Saarmesse 670 Aussteller , bei der Welt der Familie 400 und beim Autofrühling Saar 270. Warum sind es jetzt weniger?

Linder: Die Zahl der Aussteller sagt nichts darüber aus, wie gut oder schlecht eine Messe ist. Das hängt auch von der Größe der Stände ab, wie viele Aussteller überhaupt in der Saarmesse Platz finden. Die Hallen bei der Internationalen Saarmesse sind annähernd voll. Und unser Konzept scheint zu überzeugen. Wir haben wieder Aussteller gewonnen, die drei, vier Jahre nicht mehr dabei waren. Auch die meisten Firmen beim Handwerk live sind neu dabei.

Schuh: Und die Aussteller von Welt der Familie, Autofrühling Saar und Saarmesse sind zu 70 Prozent dieselben. Dazu gab es bei den vorherigen Messen noch Sonderausstellungen wie die Heimtiermesse, was die Zahl der Aussteller erhöht hat. Das haben wir in der kurzen Zeit nicht mehr stemmen können.

Schubert: Wir haben jetzt mehr Wert auf Qualität gelegt, auf Aussteller mit messeadäquaten Ständen. Die Aussteller müssen vorher sagen, wie der Stand aussehen soll. Das war zwar auch vorher so, wir sind jetzt aber stringenter darin, unsere Vorstellungen auch umzusetzen. Es waren weitaus mehr Anmeldungen, aber wir haben ausgewählt.

Schuh: Wir sind also thematisch stärker gegliedert und qualitativ hochwertiger.

Linder: Und Sie müssen die kurze Zeit bedenken, die wir hatten. Das Team hat unglaublich viel geschafft in den vergangenen sechs Monaten. Mehr war jetzt einfach nicht drin.

Waren Aussteller verunsichert, weil die Saarmesse öffentlich zur Diskussion steht und eventuell ein neues Messe- und Kongresszentrum an der Congresshalle entsteht?

Linder: Die Aussteller fragen natürlich nach, was nun aus der Messe und dem Messegelände wird. Die meisten planen in einem Drei-Jahres-Zeitraum. Aber bis ein eventuelles neues Messe- und Kongressgelände entsteht, vergehen noch etliche Jahre. Es gibt für die Aussteller also kein Grund zur Panik. Wir konnten auch mit dem neuen Konzept und der thematischen Straffung gut argumentieren. Zumal die meisten Aussteller vorher schon signalisiert haben, dass ihnen zwei Messen im Jahr einfach zu viel sind. Ein gutes Zeichen für die Aussteller war sicher auch, dass wir noch mal in das Messegelände investiert haben. Für rund 150 000 Euro wurden die Toilettenanlage komplett saniert, Hallen und Böden ertüchtigt, der Park wurde gerodet und wird jetzt noch etwas schöner gestaltet.

internationale-saarmesse.de