Saarland hat die besten Amateur-Fotografen

Im kleinen Saarland leben offenbar die besten Amateur-Fotografen: Sie führen bei vielen deutschlandweiten Fotowettbewerben die Hitlisten an. Eine Ausstellung in Saarbrücken zeigt eine Auswahl dieser Bilder.

 „Mit einem Haps“ von Tanja Zech. Foto: Tanja Zech
„Mit einem Haps“ von Tanja Zech. Foto: Tanja Zech Foto: Tanja Zech

"Ein gutes Foto erkennt man daran, dass man es länger als fünf Sekunden betrachtet", zitiert Bernhard Leibold den französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson. Aber natürlich spielten auch objektive Kriterien wie die Lichtführung, der Kontrast und die Bildgestaltung eine Rolle, sagt der Landesvorsitzende des Deutschen Verbands für Fotografie (DVF) und Juror bei Fotografie-Wettbewerben. Ebenso wichtig sei, ob es sich dabei um eine originelle, neue Sichtweise auf die Umwelt handele.

Diese Kunst scheinen Menschen hierzulande besonders gut zu beherrschen: "Das kleine Saarland beherbergt derzeit deutschlandweit die besten Fotografinnen und Fotografen ", bewirbt der DVF gemeinsam mit dem Fotoclub Saarbrücken die Ausstellung "Best of Saarland", die am Dienstag, 18 Uhr, in der VHS am Saarbrücker Schloss eröffnet und bis zum 11. September zu sehen ist. Dabei werden 50 prämierte Bilder von rund 20 saarländischen Fotografen präsentiert, die in den vergangenen vier Jahren bei Wettbewerben des DVF, darunter die Deutschen Fotomeisterschaften, die Nord- und Süddeutschen Meisterschaften sowie die Landesmeisterschaften, unter den Top Ten waren. Bei einer Deutschen Meisterschaft würden rund 5000 Fotos eingereicht, sagt Leibold. Die saarländischen Clubs seien da ganz vorn mit dabei. Mit Konrad Funk vom Fotoclub Tele Freisen stellt das Saarland in diesem Jahr sogar den deutschen Fotomeister in der Sparte Natur/Landschaft.

"Wir leisten hier gute Clubarbeit, bei uns kann man wirklich etwas lernen. Da bleibt der Erfolg nicht aus", sieht Leibold den Grund für das gute Abschneiden der saarländischen Fotografen . Die Fotoclubs seien für alle Interessierten offen. Der DVF habe deutschlandweit 5500 Mitglieder in 350 Fotoclubs, im Saarland seien 350 Mitglieder in 15 Clubs vertreten. Die professionelle Ausstattung alleine mache den Erfolg nicht aus. "Man braucht auch die künstlerische Ader, ein Grundtalent, an dem sich arbeiten lässt", meint Leibold.

In den letzten zehn Jahren hätten die meisten Mitglieder von analoger auf digitale Fotografie umgeschwenkt. Dies ermögliche neue Wege der Bildbearbeitung. "Früher wurden in der Dunkelkammer Bilder mit Schablonen bearbeitet, heute lässt sich die Farbsättigung am Computer regulieren", so der Vorsitzende. Die Mitglieder verstehen sich als Fotokünstler und ihre Fotos als Kunstwerke. Nachträgliche Bearbeitungen sind daher nicht verpönt. "Aus einem guten Bild lässt sich so ein sehr gutes machen", meint Leibold. Auch Montagen seien erlaubt - sofern man es nachher nicht erkenne. So sei auch der "Tunnel Mann" von Rainer Müller, der bei "Best of Saarland" zu sehen ist, nachträglich montiert worden.

Erstmals beteiligt sich der DVF auch an den saarländischen Fototagen, der "ISO 2015", am 5. und 6. September, für die zum dritten Mal die Völklinger Agentur "Marketing Kommunikation Thom" verantwortlich zeichnet. Ab jeweils zehn Uhr können sich Hobby-, Amateur- und Profifotografen bei Ausstellern über Neuheiten aus dem technischen Bereich informieren. Bei Vorträgen verraten Profi-Fotografen Tipps und Tricks. In kostenpflichtigen Workshops etwa zu den Fotorubriken Street Art, Akt, Barock, Fashion und Produktfotografie kann die Theorie in der Praxis vertieft werden. In der "Shooting Corner" können Models fotografiert werden und sich Amateure an einem professionellen Shooting versuchen.

Der Fotoclub Saarwellingen erhält am 5. September im Rahmen der Fachmesse den German International DVF Photocup, ein Preis für digitale Fotos. Platz 2 belegt die Fotogruppe Blende 11 Saar aus Spiesen-Elversberg.