Saarländische Kinder haben gute Bildungschancen

Wie gerecht und leistungsstark die deutschen Schulsysteme sind, bewertet der Chancenspiegel der Bertelsmann-Stiftung. Das Saarland schneidet größtenteils gut ab. Vor allem die Gemeinschaftsschulen wirken sich positiv aus.

Immer mehr Schüler im Saarland erreichen die Hochschulreife. Mit 59,9 Prozent liegt das Land über dem Bundesdurchschnitt. Dabei sind die Bildungschancen hierzulande geografisch ungleich verteilt. Das zeigt der Chancenspiegel, den die Bertelsmann-Stiftung gestern veröffentlicht hat.

In der Zertifikatsvergabe gehört das Saarland demnach zur Spitzengruppe. 3128 Schüler erlangten 2012 die Hochschulreife, die Zahl steigt seit 2009 kontinuierlich an. Mit einem 27,3-prozentigen Anteil an Ganztagsschülern bewegt sich das Saarland im Mittelfeld. Unter dem Schnitt ist dagegen mit 41,4 Prozent die Zahl der Grundschüler, die auf ein Gymnasium wechseln. Dabei zeigen sich regionale Unterschiede: Der Kreis Homburg und die Stadt Saarbrücken liegen mit einer Quote von 46,5 Prozent vorne, St. Wendel bildet mit 26,8 Prozent das Schlusslicht.

Durch die Einführung der Gemeinschaftsschulen ist der Anteil der Kinder, die die Möglichkeit zur Hochschulreife haben, enorm hoch. Von den 7875 Schülern, die auf eine weiterführende Schule wechselten, besuchten 7443 eine Einrichtung mit Option zur Hochschulreife. Das entspricht einem Anteil von 94,7 Prozent.

"Die Ergebnisse belegen, dass das Saarland mit der Einführung der Gemeinschaftsschule den richtigen Weg eingeschlagen hat", sagt Klaus Kessler , bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Er fordert von Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ), diese Schulform stärker zu bewerben. Zudem verlangt er, dass die Ganztagsschulen ausgebaut und die Schüler durch mehr Lehrpersonal individueller gefördert werden. Dem schließt sich die Linksfraktion an. "Damit wirklich jeder gleich gute Chancen hat und kein Schulkind im Bildungssystem verloren geht, brauchen wir mehr Lehrer, nicht weniger", sagt die bildungspolitische Sprecherin Barbara Spaniol . Zudem fordert sie für die Chancengleichheit kleinere Klassen und einen schrittweisen Weg zu Lernmittelfreiheit. Minister Commerçon bemängelte, dass die Studie mit Blick auf die aktuelle Situation nur eingeschränkt aussagefähig sei. "Sie lässt insbesondere unsere seither erfolgten Anstrengungen bei der Verstärkung der individuellen Förderung, der Einführung kompetenzorientierter Lehrpläne, der Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation und beim Ausbau des Ganztagsunterrichts außer acht", moniert er. Dass diese Fortschritte aber durchaus ausbaufähig seien, merkte er zugleich in Bezug auf den gestern veröffentlichten Bildungsfinanzbericht an: In die genannten Punkte solle künftig mehr Geld fließen.