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Saarbrücker Stadtbibliothek feiert ihre neun Jahrzehnte andauernde Erfolgsgeschichte

Saarbrücker Stadtbibliothek feiert ihre neun Jahrzehnte andauernde Erfolgsgeschichte

Im November 1924 wurde die „Stadtbücherei“ im damaligen Saalbau am Alt-Saarbrücker Neumarkt eröffnet. Nach einigen Umzügen ist die Saarbrücker Stadtbibliothek seit 1998 in einem Neubau neben dem Rathaus St. Johann.

Zwischen den Regalen mit dem großen S stirbt ein Mensch. Schräg gegenüber kämpft Johannes Hoffmann für seine Idee vom unabhängigen Saarstaat. Hinter ihm liegt Schnee auf dem Kilimandscharo. Ein Stockwerk tiefer küssen sich zwei junge Leute seit vielen Jahren das erste Mal im Leben. Direkt neben ihnen schlucken zwei knollennasige Gesellen einen Trank, der ihnen übermenschliche Kräfte verleiht. Ein paar Meter weiter stürzt ein Raumschiff ab.

Karin Lauf-Immesberger wirkt dennoch nicht beunruhigt. Sie erlebt das jeden Tag. Sie ist die Chefin hier. Seit dreieinhalb Jahren leitet Karin Lauf-Immesberger die Saarbrücker Stadtbibliothek . Und auch wenn sie selbst die rund 200 000 Bücher , Zeitungen und Zeitschriften, Comics, CDs und DVDs, Spiele sowie CD-ROMs nicht alle lesen, hören oder anschauen kann, hat sie zumindest eine Ahnung davon, was sich in den Regalen auf den vier Etagen der Bibliothek abspielt.

Es ist kurz nach sechs am Abend. Vor ein paar Wochen noch wären jetzt die Lichter ausgegangen in der Bibliothek, all das Wissen, die Geschichten wären in Dunkelheit getaucht worden. Jetzt schaut der Mann, der auf einem der Lederstühle im zweiten Stock am Fenster sitzt, kurz auf den Gustav-Regler-Platz runter. An der Bushaltestelle dort stehen Menschen, die rauswollen aus der Stadt. Der Mann entschließt sich, noch etwas zu bleiben.
Von 10 bis 19 Uhr geöffnet

Dass die Bibliothek seit Anfang November eine Stunde länger, nämlich bis 19 Uhr, geöffnet ist, komme ihm sehr entgegen, sagt er. "Wenn man keine Arbeit hat, dann können die Tage lang werden. Und wenn ich hier bin, dann kann ich nicht nur lesen, ich habe auch das Gefühl, noch dabei zu sein, noch dazuzugehören", erklärt er und schaut rüber zu den Tischen am anderen Ende der Fensterfront.

Dort sitzt eine junge Frau zwischen Büchern und macht sich Notizen. Ein junger Mann tippt auf seinem Laptop herum. Vor einer Frau, die vielleicht Anfang 50 ist, liegt eine Kunststofftüte auf dem Tisch - und ein Reiseführer , in den sie vertieft ist. "Kuba" steht auf dem Buch. Und die Frau wirkt so abwesend, als sei sie gerade dort. Die Reise scheint im Kopf stattzufinden. Die Frau lächelt einen Augenblick lang. Dann steht sie auf, stellt den Reiseführer ins Regal zurück, nimmt ihre Tüte und geht.
Ein Ort für Einsame

Die Frau ist oft in der Bibliothek. Sie reist von hier aus nicht nur in Gedanken in die Welt. Die Bibliothek scheint für sie auch eine Art Zuhause zu sein. Es gibt einige solcher Menschen, sagt Karin Lauf-Immesberger. Menschen, die tagsüber regelrecht in der Bibliothek leben. Menschen, die viel Zeit haben, mehr Zeit womöglich, als ihnen lieb ist. Im Kino sei es dunkel, das Theater biete nur abends Ausflüge in große Geschichten an, und in Gaststätten werde erwartet, dass man regelmäßig Speisen und Getränke nachbestellt, sagt sie. Die Bibliothek aber sei "ein öffentlicher Aufenthaltsort". "In der Bibliothek kann man sich einfach so aufhalten", sagt Karin Lauf-Immesberger.

Das nutzen nicht nur Arbeitslose und Menschen, die kaum eine andere Möglichkeit haben, unter Menschen zu sein. In der Bibliothek finden Studierende Ruhe zum Arbeiten. Dort machen Schüler Hausaufgaben. Und dort treffen sich Schüler mit Studenten, die ihnen Nachhilfe geben.

Wobei die Bibliothek nicht nur von Saarbrückern genutzt wird. "Es gibt Leute, die kommen, um ihre Mittagspause hier zu verbringen - die sitzen meistens in unserem Lesecafé und nutzen das doch recht große Angebot an Zeitungen und Zeitschriften", sagt Karin Lauf-Immesberger. Im Erdgeschoss gibt es aber nicht nur das Café, sondern auch eine plüschige Ecke mit Internetanschlüssen und mobilem Netzempfang für Menschen, die ihre Computer mitbringen. "Wir wollen ein gastfreundlicher Ort sein", sagt die Chefin.

Im Regal hinter ihr verwandelt sich ein Mann in ungeheueres Ungeziefer. Zwei Stockwerke tiefer krabbelt ein eiskaltes Händchen über den Tisch. Und im Geschoss dazwischen lauern Monster, die sich auf den zweiten Blick als liebenswerte Geschöpfe erweisen.

 Das Stöbern im Filmangebot lohnt sich. Archiv-Foto: Becker & Bredel
Das Stöbern im Filmangebot lohnt sich. Archiv-Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel
 Das Lesecafé ist ein Ort für Zeitungsleser. Morgen, Dienstag, gibt es dort Bibliotheks-Geburtstagskuchen für die Besucher. Foto: Rolshausen
Das Lesecafé ist ein Ort für Zeitungsleser. Morgen, Dienstag, gibt es dort Bibliotheks-Geburtstagskuchen für die Besucher. Foto: Rolshausen Foto: Rolshausen
 Die Bücherei ist ein Ort für Leute, die Ruhe suchen. Foto: Rolshausen
Die Bücherei ist ein Ort für Leute, die Ruhe suchen. Foto: Rolshausen Foto: Rolshausen
 1998 zog die Stadtbibliothek in das neu errichtete Gebäude am Gustav-Regler-Platz neben dem Rathaus St. Johann. Foto: Martin Rolshausen
1998 zog die Stadtbibliothek in das neu errichtete Gebäude am Gustav-Regler-Platz neben dem Rathaus St. Johann. Foto: Martin Rolshausen Foto: Martin Rolshausen
 Seit 2011 gibt es Rücknahme-Automaten. Archiv-Foto: Becker&Bredel
Seit 2011 gibt es Rücknahme-Automaten. Archiv-Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel

Zum Thema:

Auf einen BlickRund 13 000 Menschen nutzen die Saarbrücker Stadtbibliothek regelmäßig. Weil viele öfter als einmal im Jahr kommen, hat die Bibliothek etwa 240 000 Nutzer im Jahr - das sind rund 1000 pro Öffnungstag. Ihr 90-jähriges Bestehen feiert die Bibliothek so: Am Dienstag, 25. November, 15 Uhr, spielt das Figurentheater Marotte aus Karlsruhe das Stück "Petterssons Feuerwerk für den Fuchs". Am Mittwoch, 26. November, um 11 Uhr, führt die Leiterin der Bibliothek, Karin Lauf-Immesberger, durchs Haus. Ebenfalls am Mittwoch, 16 Uhr, lesen und erzählen Mitarbeiter der Stadtbibliothek im "Bilderbuchschatz" Geburtstagsgeschichten. Die Veranstaltung richtet sich an Kinder ab drei Jahren und dauert rund 45 Minuten. Der Eintritt ist frei. Am Donnerstag, 27. November, 16 Uhr, lädt die Bibliothek zur interaktiven Lesung "Mit Walen und Haien unterwegs" mit der Biologin Bärbel Oftring ein. Am Freitag, 28. November, 15.30 Uhr, können Kinder von acht bis elf Jahren "Bücher machen wie in Japan". Die Kinder lernen Grundtechniken der asiatischen Buchbindetechniken.Informationen zum Programm gibt es unter Telefon (06 81) 9 05-12 93 oder im Internet. Eintrittskarten für die Kinderveranstaltungen gibt es nur in der Stadtbibliothek .Die Stadtbibliothek , Gustav-Regler-Platz 1, ist dienstags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr, geöffnet. olsstadtbibliothek.saarbruecken.de