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Saarbrücker Sirenen bekommen moderne Konkurrenz

Saarbrücken. In vielen Großstädten sind die Sirenen längst abgebaut. In Saarbrücken funktionieren sie noch. Aber die Bürger sollen bald besser informiert werden, wenn ihnen nach Unglücken Gefahr für Leib und Leben droht. Per App. Heiko Lehmann

Sirenen heulen. Von dahinrollenden Autos dröhnen Warnungen aus Lautsprechern. So sah der Schutz vor Katastrophen früher aus. Zwar haben die Heuler in Saarbrücken anders als in anderen Großstädten noch nicht ausgedient. Aber Apps, ihre modernen Nachfolger, passen auf ein Handy und verarbeiten Informationen in Sekundenschnelle. Ob Hochwasser, Sturm, Chemieunfälle oder noch Schlimmeres: Rettungsleitstellen können alle, die eine solche App auf ihrem Telefon haben, im Handumdrehen informieren und Hinweise zum Verhalten in den jeweiligen Situationen geben.

In vielen deutschen Kommunen gibt es diese Möglichkeit schon. Saarbrücken möchte jetzt nachziehen.

Daher diskutierte der Ausschuss für Sport, öffentliche Einrichtungen und Gesundheit im Rathaus darüber.

Dabei ging es um zwei Anbieter der Dienste und der App. Da ist zum einen "Katwarn", ein vom Fraunhofer-Institut in Berlin entwickeltes System, das bereits seit 2010 auf dem Markt ist. Das zweite System heißt "MoWaS" und kommt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe . Dessen App ist in Deutschland in der Testphase.

Josef Schun, der Leiter der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, sagte dem Ausschuss: "Katwarn warnt im Prinzip nur die Bevölkerung. MoWaS warnt auch, ist wesentlich ganzheitlicher und lässt eine satellitengestützte Kommunikation zu." Während die Linke und die Piratenfraktion bereits Position bezogen haben, benötigen Grüne, FDP , SPD und CDU noch genauere Informationen über beide Anbieter. Michael Bleines von der Partei Die Linke : "Das Bundesamt muss das Rad nicht neu erfinden. Seit 2012 existiert die Katastrophen-Warn-App Katwarn des Fraunhofer-Instituts, der sich bislang Berlin , Hamburg, Rheinland-Pfalz sowie etwa 30 Kommunen bundesweit angeschlossen haben. Unsere Fraktion hat bereits im Januar einen Antrag in der Landeshauptstadt gestellt, den Einsatz dieser App für Saarbrücken zu prüfen." Die Piratenfraktion ist für MoWaS. Mit MoWaS bekäme die Landeshauptstadt ein System, das sich nahtlos in die Infrastruktur der Rettungsdienste einbinden lässt. MoWaS liefere zudem ein bundesweit einheitliches System, um Warnsysteme auszulösen, sagt Rodriguez Maicas von den Piraten. Kosten der Systeme? Für die Stadt Saarbrücken gab es keine Angaben. Aber: "Für das komplette Saarland würden einmalig etwa 100 000 Euro für das System Katwarn anfallen und danach jährlich etwa 20 000 Euro", sagt Niklas Reinhardt vom Fraunhofer-Institut in Berlin . "Der Bund stellt MoWaS auf Ebene der Landesinnenministerien kostenfrei für die Warnung im Katastrophenschutz zur Verfügung", sagte Ursula Fuchs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe . Wann Saarbrücken eine Katastrophen-Warn-App bekommt, ist unklar. Sollten die Parteien ihren Informationsbedarf bis zum 24. März gedeckt haben, könnte der Stadtrat dann entscheiden.