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Saarbrücker Ludwigskirche kurz vor einjähriger Schließung wegen Renovierung

Oliver Brünjes (M.) erläutert Superintendent Christian Weyer (l.) und Martin Wendt (Stiftung Ludwigskirche) seine Pläne. Foto: Becker&Bredel
Oliver Brünjes (M.) erläutert Superintendent Christian Weyer (l.) und Martin Wendt (Stiftung Ludwigskirche) seine Pläne. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Die Ludwigskirche, das barocke Wahrzeichen des Saarlandes, wird ab 19. September für etwa ein Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Die umstrittenen Umbaupläne erläuterten gestern Kirchenvertreter und Architekten. Dietmar Klostermann

. Thomas Emser, Mitglied des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken, hat gestern in der barocken Saarbrücker Ludwigskirche den Streit um den Umbau so auf den Punkt gebracht. "Man muss etwas an der Kirche tun, damit die Leute wieder kommen. Die Kirche ist ja kein Museum", sagte Emser der SZ. Zuvor strömten etwa 60 interessierte Bürger und Medienvertreter in das schwül-heiße barocke Gotteshaus, das der Baumeister Friedrich Joachim Stengel einst errichten ließ. Sie alle wollten aus berufenem Munde hören, ob die Befürchtungen wahr werden, die Alt-Ludwigskirchenpfarrer Horst Heydt, Ex-Stadtkonservator Professor Dieter Heinz und Ex-Ludwigskirchen-Architekt Krüger geäußert hatten (die SZ berichtete). Dass nämlich Stengels Erbe durch die Ein- und Umbaumaßnahmen zerstört sowie Steuergeld in Millionenhöhe zum Fenster herausgeworfen werde.



Diese Sorgen suchten der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West Christian Weyer, die Vorsitzende der von der Kirchengemeinde berufenen Architekten-Jury Rena Wandel-Hoefer und das Vorstandsmitglied der Ludwigskirchen-Stiftung, Rechtsanwalt Martin Wendt, auszuräumen. "Der prämierte und zur Weiterarbeit empfohlene Vorschlag des Architektenbüros Oliver Brünjes zeigt, dass mit wenigen gezielten Eingriffen und Korrekturen der Raum der Ludwigskirche in Saarbrücken gleichzeitig in seiner Substanz geschützt und besser genutzt werden kann", sagte die Saarbrücker Ex-Baudezernentin. Das mit dem ersten Preis dekorierte Büro Brünjes schlägt demnach vor, die Altarinsel auf Nord- und Südseite freizustellen und dazu die im Moment unmittelbar anstoßenden ersten Bankreihen zu entfernen. "Die von Stengel sorgfältig geplante Geometrie der Bankstellungen soll dabei so weit wie möglich rekonstruiert werden", betonte Wandel-Hoefer. Denn die derzeit nicht befestigten Bankreihen seien im Laufe der Jahre "gewandert", so die Star-Architektin. Deutliche Eingriffe, die noch mit der Denkmalpflege abgestimmt werden müssten, seien im Turm und in der Krypta vorgesehen. Die "Kneipennutzung" der Krypta werde aufgegeben. "Durch einen kleinen Lastenaufzug soll der Raum unter der Orgelempore mit der Krypta verbunden werden", so Wandel-Hoefer. Hinter dem Altar bleiben zwei Bankreihen stehen, der übrige Raum werde vom Kirchenraum mit Schiebeelementen abgetrennt. Zur Kritik von Heydt am Abbau der elektrischen Fußbodenheizung sagte Weyer, dass diese nicht mehr der heutigen Sicherheits- und Umwelttechnik entspreche. Ein Jahr soll die Renovierung dauern. Denn am 31. Oktober wollen die Protestanten hier ihr 500. Reformationsjubiläum feiern. In wohlig-warmem und friedlichem Klima.