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Saarbrücker Lichtkünstler verzaubern die ganze Welt

Saarbrücken. Die Unesco hat das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Lichts ausgerufen. An der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) stand die Arbeit mit Licht im vergangenen Jahr schon im Mittelpunkt. Daniel Hausigs „Light_Act_Projekt“, die Illumination der Berliner Promenade, war eine künstlerische spektakuläre Aktion, der weitere folgen sollen. SZ-Redakteurin Ilka Desgranges sprach mit Professor Daniel Hausig und Bettina Catler-Pelz, Gastprofessorin an der Kunsthochschule.

Sie hatten großen Erfolg mit "Light_Act", der Illuminierung der Berliner Promenade. Es gibt nun Anfragen aus anderen Städten. Kann man bei der Kunsthochschule eine Stadt-Illuminierung bestellen?

Hausig: Nur in sehr begrenztem Maße. Wir brauchen als Hochschule längere Vorlaufzeiten als ein professionelles Studio. Wir können und wollen an der HBKsaar nur Projekte umsetzen, die sich in den Lehrbetrieb integrieren lassen. Nach unserem Light_Act_Project hatten wir sehr viele Projektanfragen. Aus vielen ist leider nichts geworden, weil deren Termine mit dem Hochschulkalender nicht richtig funktionieren wollten. Und ich kann auch nicht einfach Studenten auf eigene Kosten irgendwo hinschicken. Der Veranstalter muss den Hochschulbetrieb mitdenken und Kosten mit übernehmen können. Aber jetzt freuen wir uns auf Hamburg und werden dort ein Projektionskonzept auf dem LichtCampus an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften umsetzen.

Sie können Studenten zwar nicht einfach irgendwo hinschicken. Dennoch sind einige seit demSaarbrücker Light_Act in anderen Städten tätig.

Hausig: Ja, wir haben jetzt welche in New York, in Delhi, in Liverpool. Unsere Leute sind echt in die Welt hinausgegangen und machen überall solche Projekte.

Nennen Sie mal ein Beispiel.

Hausig: Aus Lissabon kam eine Anfrage. Wir hätten im Frühjahr, nach unserem Light_Act, hierfür eine neue Mannschaft zusammenstellen müssen und zeitgleich einen neuen Projektionsentwurf anfertigen. Das war sehr anstrengend und hat am Schluss dann nicht richtig geklappt, auch weil das Team von Light_Act_Project nach der Veranstaltung ziemlich erschöpft war und zurückgestellte Aufgaben wahrnehmen musste. Ich selber habe mich nach Light_Act vor allem mit meinen Brot-und Butter-Themen an der Hochschule beschäftigt. Eine andere Anfrage lässt sich aber zum Beispiel umsetzen. Das neu umgebaute Museum von Pirmasens bekommt von der HBK eine Medienfassade. Henrik Elburn, der auch bei Light_Act dabei war, entwirft sie. Der Entwurf wurde auch bei einem Wettbewerb, im Zusammenhang mit dem internationalen Jahr des Lichts eingereicht und hat den sechsten Platz bekommen. Das ist ein richtig schönes Folgeprojekt. Die Studierenden sind alle sehr selbstständig geworden, und darauf bin ich stolz. Allerdings habe ich nun auch Schwierigkeiten neue Projektteams zu bilden; das ist eine Folge davon.

Eine andere Folge des Projektes war ein Fotowettbewerb.

Hausig: Für mich war der Fotowettbewerb eine Art Feedback-System, mit dem wir noch einmal die Zuschauer und Bürger befragt haben, die an der Promenade fotografiert haben. Wir haben in unserer HBK-Galerie aus den Einsendungen eine interessante Ausstellung gemacht. Das hat unser Projekt abgerundet und für mich persönlich auch Ideen geschaffen, wie man Kunst im öffentlichen Raum begreifen kann. Von zwei Seiten: als Impuls, als Intervention, aber eben auch, um ein Echo zurückzuerhalten. Ich würde beim nächsten Mal auch wieder versuchen, in zwei Richtungen zu denken.

Rechnen Sie damit, dass es in Saarbrücken ein nächstes Mal geben wird?

Hausig: Hm . . ., eigentlich denke ich, dass 2016 eine Fortsetzung folgen wird. Wir klären derzeit an der HBKsaar die Rahmenbedingungen für mögliche Unterstützer und Sponsoren. Wenn wir mit mehreren Partnern ein vernünftiges Paket schnüren können, werde ich das nächste Light_Act_Projekt gemeinsam mit meinem Kollegen Prof. Burkhard Detzler auf den Weg bringen. Wir sind beide davon überzeugt, dass unsere Landeshauptstadt ein sehr guter Ort für ein lichtbasiertes Festival ist. Natürlich suchen wir beide nach einem Nonprofit-Konzept, ohne Halligalli, ein Projekt, dass künstlerischen Ansprüchen gerecht wird - und Kooperationen mit unseren französischen und luxemburgischen Nachbarn einschließt.

Catler-Pelz: Es wäre schön, wenn sich an der HBK Saar ein Rahmen für temporäre Lichtinterventionen entwickeln könnte, die erfahrene Künstlerinnen und Künstler und junge, experimentelle Positionen zusammenbringen könnte - so wie wir es beim Light_Act_Project auch intern schon gemacht haben.

Sie arbeiten mit Bettina Catler-Pelz, Kuratorin und derzeit Gastprofessorin an der HBK, zusammen. Was planen Sie gemeinsam im Jahr des Lichtes?

Hausig: Wir entwickeln gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Michael Schwarz ein Forschungsnetzwerk für Licht in der Bildenden Kunst. Anlässlich des von der Unesco für 2015 ausgerufenen Internationalen Jahrs des Lichts werden wir am xm:lab der HBKsaar eine Internationale Datenbank für Licht entwickeln. Zu unserem im November geplanten Symposium "Licht in der Bildenden Kunst" soll unser Forschungsprojekt Light in Fine Arts (Lifa) als erste webbasierte und plattformübergreifende Datenbank für Licht in einer Testversion vorgestellt werden.

Catler-Pelz: Wir werden auch die Licht-Kolloquien fortsetzen. Im letzten Jahr haben wir angefangen, Künstlerinnen und Künstler , die in ihrer eigenen Praxis mit physikalischem Licht arbeiten und zugleich an Hochschulen unterrichten, zusammenzubringen. Jetzt treffen wir uns einmal im Semester an verschiedenen Hochschulen, um uns über unsere Erfahrungen mit Licht als Material und Medium in Hochschulprojekten auszutauschen. Die Koordinierung machen wir weiter von Saarbrücken aus.

War Licht_Act neuer Glanz für die Stadt? Sehen Sie sie jetzt mit anderen Augen?

Hausig: Ein bisschen Glanz steht jeder Stadt gut zu Gesicht. Saarbrücken braucht sich hier nicht zu verstecken. Künstlerisches Licht könnte Saarbrücken helfen überregional und medial sichtbarer zu werden. Ich sehe jetzt auch deutlicher, welche wichtige Rolle die Saar bei unsern Lichtprojektionen gespielt hat und wie sie das Erscheinungsbild der Stadtmitte durch Spiegelung verstärkt. Die Saar könnte bei einem Folgeprojekt, als natürliche Wasserlinie zu Frankreich, mit der medialen Wahrnehmung von Saarbrücken, diese Verbindung betonen.

Catler-Pelz: Ich habe Saarbrücken erst mit dem Light_Act so richtig kennengelernt. Die vielen Nächte an der Saar prägen auch meine Erinnerungen. Light_Act hat gezeigt, wie Kunstprojekte im öffentlichen Raum sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt einschreiben können. Dass es dafür Kooperationen und Partnerschaften gab, macht Mut, auch über andere Ideen weiter nachzudenken

Die HBK veranstaltet am 5. und 6. November ein Symposium "Licht in der Bildenden Kunst". Kontakt im Internet unter www.hbksaar.de

Daniel Hausig. Foto: Hausig
Daniel Hausig. Foto: Hausig FOTO: Hausig
Bettina Catler-Pelz. foto: Groll
Bettina Catler-Pelz. foto: Groll