Saarbrücker Handel zeichnet die Polizei aus

Der Verein für Handel und Gewerbe ist mit seiner Arbeit zufrieden, würde sich aber mehr Rückhalt in den eigenen Reihen und mehr Mitglieder wünschen. Zur Hauptversammlung kamen rund 40 von 139 ins Rathaus.

Der Verein für Handel und Gewerbe Saarbrücken verleiht seinen mit 1000 Euro dotierten "Sisyphos-Preis" für wertvolle Dienste am Gemeinwesen an die Polizeiinspektion St. Johann, allgemein bekannt als "Wache Karcherstraße". Dies teilte der Verein am Dienstagabend während der Mitgliederversammlung im Festsaal des Rathauses St. Johann mit. Die Preisübergabe soll beim Altstadtfest auf der Bühne stattfinden. Frühere Preisträger waren die Stadtreinigung und das Amt für Grünanlagen.

Vorsitzender Max Schoenberg begründete die Entscheidung mit der außergewöhnlichen Einsatzbereitschaft der Innenstadt-Polizei, die für ein gutes Sicherheitsgefühl sorge und bei Ersuchen in kürzester Zeit erscheine. Der neue Inspektionsleiter, Polizeidirektor Udo Schneider, sicherte den Vertretern von Handel, Dienstleistung und sonstigem Gewerbe weiterhin Offenheit für deren Anliegen zu. Um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, sei die Polizei aber auch auf Unterstützung und Hinweise des Vereins angewiesen.

In seinem Geschäftsbericht kam Max Schoenberg nicht umhin, erneut die Schwächen des inneren Vereins-Marketings anzusprechen, wogegen die Außendarstellung als sehr gut beurteilt wird. Indiz: Gewerbevereine aus dem ganzen Saarland fragten bei den Saarbrücker Kollegen nach, wie die denn ihre Erfolge erzielten und was sie von ihnen lernen könnten.

Verkaufsoffene Sonntage, lange Einkaufsnacht, "City-Journale", Marketing und Werbung (etwa mit dem "All I Need- Saarbrücken"-Bus, der für nur vier Euro am Tag fünf Jahre lang fahre) und Interessenvertretung gegenüber Behörden und Medien seien Dienstleistungen von hoher Qualität und Wirkung, würden aber bisweilen von den eigenen Mitgliedern nicht recht erkannt, geschweige denn gewürdigt, befand der Vorsitzende. Schoenberg gestand, sich zu ärgern, wenn ein Mitglied ihn oder eines der weiteren sechs Vorstandsmitglieder frage, was der Vorstand überhaupt mit seinem Mitgliedsbeitrag beziehungsweise dem "vielen Geld" anstelle. Wie Geschäftsführer Fabian Schulz vortrug, verausgabte sich der Verein auch 2012 im wahren Wortsinn wieder völlig. Bei einem Gesamtetat von etwa 30 000 Euro blieb ein kleines Minus. Es werde in der Geschäftswelt der Landeshauptstadt auch nicht durchgängig verstanden, dass der Christkindlmarkt "ein Geschenk in Millionenhöhe" sei, aus dem jeder für sein eigenes Unternehmen Nutzen ziehen könne, sagte Schoenberg. Wehmütig schaute er nach Saarlouis, wo der Handelsverein 330 Mitglieder habe. In Saarbrücken sind es dagegen nur 139 (bei über 300 nicht organisierten), immerhin ein Plus von fünf gegenüber 2011. Darunter ist übrigens auch die Europa-Galerie sozusagen als Dachmitglied für ihre hundert Mieter. Unter dem Strich kann der Verein für Handel und Gewerbe also darauf setzen, von der Mehrzahl der Firmen getragen, wenn auch nicht finanziert zu werden.

Hans-Christian Hermann, Leiter des Stadtarchivs, hielt einen Kurzvortrag über die Bahnhofstraße, "die erste, größte und wichtigste Einkaufsstraße des Saarlandes". Mit dem Titel "Schaufenster des Lebens" sollen ihr im Herbst 2014 Ausstellung und Buch gewidmet werden. Auch hier gilt es noch Begeisterung zu wecken, denn es sind zehntausende Euro Startkosten zu decken, möglichst aus der Unternehmerschaft.