Saarbrücker Eltern fordern neuen Ort für Blitzer

Blitzersäulen stehen nicht dort am besten, wo viele Fußgänger verkehren, sondern wo sie ihre größte Wirkung entfalten; das könne auch am Stadtrand sein, sagt das Saarbrücker Ornungsamt. Eltern aus dem obere Malstatt hatten sich für die Lebacher Straße einen anderen Standort gewünscht.

Camphauser Straße, Talstraße, Egon-Reinert-Straße und Metzer Straße - das sind die vier Standorte , an denen die Landeshauptstadt in diesem Frühjahr ihre ersten Blitzersäulen zur Überwachung des fließenden Verkehrs aufstellen will - und dabei nicht groß um Geeignetheit diskutieren muss. Am fünften Standort allerdings, dem Rastpfuhl, regt sich Widerstand.

Es ist vorgesehen, die Blitzersäulen (für jede Richtung eine) in der Lebacher Straße aufzustellen, und zwar am Stadtrand beziehungsweise, von der Autobahn aus gesehen, am Stadteingang. Die Installation ist in der Nähe der Saarbahnhaltestelle Siedlerheim vorgesehen. An der Stelle tut bereits seit vielen Jahren ein "Starenkasten" zur Überwachung der Pförtnerampel ihren Dienst. Diese Anlage gilt als technisch veraltet und soll abgebaut werden. Die Stadt hat vor, diese als unverzichtbar geltende Überwachung von einem modernen Blitzgerät miterledigen zu lassen. Eine Elterninitiative mit Mitstreitern von Kindergarten St. Antonius und Grundschule Rastpfuhl stellt die Standortwahl aber infrage und hat sich deshalb an die Stadtverwaltung gewandt. Die Interessengruppe möchte die Säule deutlich weiter stadteinwärts aufgestellt sehen, am liebsten im Bereich der Einmündung "Im Knappenroth". Begründung: Hier seien viel mehr Menschen unterwegs als weiter oberhalb in Richtung Autobahn, vor allem Kinder. In der Tat stellt Gerhard Darm vom städtischen Ordnungsamt nicht in Abrede, dass am bevorzugten Standort der Elterninitiative mehr Personenverkehr herrsche. Dennoch sei der Blitzer hier nicht so sinnvoll, denn der Verkehr sei hier eher langsam und zäh fließend. Die Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen sei deutlich geringer als als weiter oben, wo die Straße zunehmend "Außerorts-Charakter" bekomme.
Bis zu 100 Stundenkilometer



Messungen hätten ergeben, dass der Verkehr im Bereich Siedlerheim zu 65 Prozent mehr als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde fahre. Teilweise werde über 100 Stundenkilometer gefahren. Erfahrungsgemäß, so der Experte, habe eine Blitzersäule eine "Strahlkraft" von 800 Metern, und zwar 500 Meter vorher und 300 Meter nachher. Anders gesagt: In Erwartung des Blitzers am Stadtausgang führen die Autos bereits an der Abzweigung Knappenroth langsam. Die Überwachung entfalte also ihre größtmögliche Wirkung.

Wie Darm der SZ schilderte, habe sich eine Arbeitsgruppe aus mehreren Ämtern und der Polizei über ein Jahr lang mit den bestmöglichen Standorten für die stationäre Verkehrsüberwachung befasst und aus zunächst 78 potenziellen Orten fünf konkrete ausgewählt. Kriterien, die auch für den Standort Siedlerheim gesprochen hätten, seien unter anderem gewesen: messbar zu hohe Geschwindigkeiten, Unfallhäufigkeit, sensible Einrichtungen (Schulen, Kitas, Heime), schützenswerte Ortseinfahrten und technische und finanzielle Machbarkeit (Grundstück, Stromanschluss). Darm wies darauf hin, dass der Schulwegeplan der Grundschule Rastpfuhl und der Ganztagsgrundschule Rastpfuhl vorsehen, dass die Kinder aus dem oberen Rastpfuhl den Weg über die Rußhütter Straße und die Eifelstraße zu den Schulen im Knappenroth benutzen sollten und nicht den Weg entlang der Lebacher Straße. Würden sie diese Route gehen, würde der vorgesehene Blitzerstandort noch besser "passen" als der von den Eltern bevorzugte. Gleichwohl gilt das Verprechen, das auch Bürgermeister Ralf Latz (SPD ) den Eltern gab: Im Bereich Knappenroth werde man weiterhin besonders auf Sicherheit achten, etwa durch mehr mobile Kontrollen.