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Saarbrücker Aktionsbündnis „Stopp Sexkauf Saar“ kämpft gegen Prostitution

Saarbrücker Aktionsbündnis „Stopp Sexkauf Saar“ kämpft gegen Prostitution

Nicht die Prostituierten sind das Problem, sondern die Freier. Davon ist Annette Keinhorst, Mitglied des Bündnisses „Stopp Sexkauf Saar“, überzeugt. Deshalb sollten Freier bestraft werden, die für Sex bezahlen. Ihre Kollegin Ingeborg Besch wünscht sich mehr Widerstand aus der Politik.

Aufstehen und Nein sagen zur Prostitution : Ingeborg Besch, Mitglied des Aktionsbündnisses "Stopp Sexkauf Saar ", wünscht sich mehr Zivilcourage von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) und Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ). "Sie sollten der Bundesregierung klarmachen: Es reicht", sagt Besch und betont, das sei ihre persönliche Meinung. Sie spreche hier nicht für das Aktionsbündnis.

Besch lobt andererseits die beiden Politikerinnen, weil sie die Petition der Frauenzeitschrift Emma unterzeichnet haben und damit die Abschaffung der Prostitution fordern: "Das war ein wichtiges Zeichen." Alle Politiker sollten nach ihrer Ansicht deutlich machen, dass sie zum Beispiel die weitere Ansiedlung von Bordellen ablehnen. Schon jetzt habe das Saarland durch die ausufernde Prostitution einen Imageschaden erlitten.

Auch in Völklingen droht die Ansiedlung eines Großbordells. Hier hat sich eine Bürgerinitiative dagegen gegründet. In Westerland auf der Insel Sylt hatten Proteste von Politikern und Bürgern dazu geführt, dass der bekannte Bordell-Betreiber Jürgen Rudloff seinen Plan begrub, auch dort ein Bordell zu eröffnen.

Für Annette Keinhorst, ebenfalls Mitglied im Aktionsbündnis, haben Stadt und Land aber alle Möglichkeiten im Kampf gegen die Prostitution ausgeschöpft. Es gehe jetzt darum, die saarländischen Bundestagsabgeordneten zu überzeugen, das Prostitutionsgesetz auf Bundesebene zu verschärfen. "Ich wünsche mir eine Bestrafung der Freier. Der Sexkauf muss verboten werden, denn die Nachfrage ist das Problem", erklärt Keinhorst. Da dieses Verbot aber noch in weiter Ferne liege, fordert sie zunächst bessere Kontrollmöglichkeiten von Behörden in Bordellen. Außerdem müsse das Mindestalter von Prostituierten auf 21 Jahre angehoben werden, sagt Keinhorst.
Britz für schärfere Gesetze

Die SZ wollte mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) darüber sprechen, was sie konkret gegen die Prostitution unternehmen will. Britz wollte sich aktuell nicht äußern, ließ aber ausrichten, dass sie mehrfach ihre Ablehnung der Prostitution klargemacht habe. So hatte Britz sich im Februar für schärfere Bundesgesetze in Briefen an Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig und Bundesjustizminister Heiko Maas (beide SPD ) eingesetzt. Sie forderte unter anderem eine Erlaubnispflicht für "Prostitutionsstätten" mit strengen Auflagen und eine Bestrafung der Freier bei illegaler Prostitution .

Der Deutsche Städtetag hat in einer Stellungnahme zu den Plänen der Bundesregierung, die Prostitution stärker zu regulieren, im Juni erklärt, Voraussetzung für die Erlaubnis von Bordellen sollte unter anderem die "persönliche Zuverlässigkeit des Betreibers" sein. Der Deutsche Städtetag fordert, Frauen müssten besser vor Zwangsprostitution geschützt werden. Außerdem sei eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Polizei wichtig. Die Stadt Saarbrücken hat in diesem Jahr auf Beschwerden von Bürgern reagiert und den Straßenstrich eingegrenzt.

Nachdem der Landtag kürzlich das saarländische Polizeigesetz verschärft hat (die SZ berichtete), dürfen die Beamten künftig auf dem Straßenstrich ohne Anlass kontrollieren. Das Gesetz sei aber erst in Kraft, wenn es im Gesetzesblatt veröffentlicht wird, sagt Polizeisprecher Georg Himbert . In Bordellen konnte die Polizei bisher schon zur "Gefahrenabwehr" während der Öffnungszeiten kontrollieren. Eine "dringende Gefahr" liege vor, wenn Minderjährige zur Prostitution gezwungen werden. Diese Fälle habe es auch schon gegeben, erklärt Himbert.

Nach Schätzungen der Polizei gibt es 200 "Prostitutionsstätten" in Saarbrücken . Dazu zählen neben Bordellen auch Wohnungen. Auch hier dürfen die Beamten künftig zur "Gefahrenabwehr" jederzeit kontrollieren.

Das Aktionsbündnis "Stoppt Sexkauf Saar " will nach Angaben Beschs jetzt stärker an die Öffentlichkeit gehen und die Bürger über die Ausbeutung von Frauen aufklären. Im Internet können Bürger eine Petition gegen Prostitution an den Landtag und den Bundestag unterstützen.

stopp-sexkauf-saar.com

Meinung:
Aufstehen gegen Prostitution

Von SZ-RedakteurMarkus Saeftel

Die Änderung des saarländischen Polizeigesetzes ist ein wichtiges Signal im Kampf gegen die ausufernde Prostitution . Nun muss die Polizei verstärkt auf dem Straßenstrich und in Wohnungen kontrollieren, um gegen die Ausbeutung von Frauen vorzugehen. Doch das allein reicht nicht. Der Bund sollte schleunigst das Prostitutionsgesetz verschärfen und Bordellbetreibern hohe Auflagen machen. Aber auch wir Bürger können etwas tun. Wenn die Ansiedlung eines Bordells droht, muss ein Aufschrei von Bürgern und Politik durch die Stadt gehen. Das gefällt Bordellbetreibern gar nicht, wie das Beispiel Sylt zeigt. Eins muss aber auch klar sein: Nicht die Prostituierten sind das Problem, sondern die Freier. Deshalb verdient das Bündnis gegen Sexkauf unsere Unterstützung.

Ingeborg Besch, Annette Keinhorst und Aline Maldener (von links) stellten die Ziele des Aktionsbündnisses „Stopp Sexkauf Saar“ im Oktober in der SZ-Redaktion vor. Archivfoto: Maurer.

Zum Thema:

HintergrundMit dem Prostitutionsgesetz wollte die rot-grüne Bundesregierung 2002 die rechtliche und soziale Stellung von Prostituierten verbessern. Seitdem boomt aber das Geschäft, viele Frauen, unter anderem aus Osteuropa, werden hier ausgebeutet. Die große Koalition hat angekündigt, sie wolle das Prostitutionsgesetz verschärfen. Schweden geht einen anderen Weg und stellt unter Strafe, wenn Freier sich sexuelle Dienstleistungen kaufen. sm