Saarbrücken: welt-offenherzige Provinz

Saarbrücken. Zunächst muss ich mich outen: Ich bin seit meiner Kindheit absoluter Frankreich-Fan, was man an meiner wohl größten Pastiskrug-Sammlung im Regionalverband erkennt. Früher nahm mich mein Vater mit nach Lothringen zu Aufnahmen der Sendung "Fahren Sie uns nach" für den SR

Saarbrücken. Zunächst muss ich mich outen: Ich bin seit meiner Kindheit absoluter Frankreich-Fan, was man an meiner wohl größten Pastiskrug-Sammlung im Regionalverband erkennt. Früher nahm mich mein Vater mit nach Lothringen zu Aufnahmen der Sendung "Fahren Sie uns nach" für den SR. Als Junge schon lernte ich unsere Nachbarregion kennen und lieben, auch heute beschäftige ich mich beruflich mit der Frage, wie viel "Portion Frankreich" Saarbrücken in seiner touristischen Vermarktung verträgt. Verlieren wir durch eine frankophil anmutende Außendarstellung unsere eigene Identität? Meine klare Antwort: Nein! Frankreich ist nirgendwo in Deutschland so präsent wie in Saarbrücken. Und ich kenne genau den Ort, wo Saarbrücken am französischsten ist. Man nehme die rechte Hand und lege sie aufs Herz. Die fröhliche Offenheit und natürliche Freundlichkeit, die von Herzen kommt und nicht Mittel zum Zweck ist, das "Savoir-vivre", scheint uns in die Wiege gelegt zu sein. Liegen und leben wir nicht im Herzen Europas? Eine Grenzregion hat eigene Gesetze, die Gutes und weniger Gutes mit sich bringen. Das prägt. Wir waren lange Zankapfel zweier Nationen, wir haben gelernt, auf Fremde, die mittlerweile Freunde sind, zuzugehen und pflegen den offenen und ehrlichen Umgang - über unsichtbare Grenzen und manche Sprachbarrieren hinweg. Sicherlich schlägt nicht in jedem Saarbrücker das Herz so wie bei mir, die Tendenz ist jedoch spürbar, was mir besonders Zugereiste und Auswärtige aus dem "Reich" übereinstimmend bestätigen. Ja, die Saarbrücker (und die Saarländer) sind ein freundliches, zeitweise sogar weltoffenes Völkchen, das es versteht zu feiern, was sehr an die Mentalität der Franzosen erinnert. Ein Stückchen Frankreich steckt wohl in jedem von uns. Und wenn ich mit meinem Besuch über die Grenze fahre und wir die alten Grenzhäuschen entdecken, die mittlerweile Kebabbuden beherbergen, heißt es regelmäßig: "Sind wir denn schon in Frankreich?"

Das, liebe Saarbrücker, erfährt man, wenn man über den Tellerrand hinausschaut. Es schadet also nichts, trotz inniger Heimatverbundenheit ab und zu in die Ferne zu schweifen, um kennenzulernen, wie die Mentalität woanders ist.

Dann wird man schnell begreifen, was an seiner Heimat wirklich einzigartig ist und feststellen, dass Frankreich hier in Saarbrücken überall sein kann.

Auf einen Blick

Wenn Sie Tipps haben, wo Saarbrücken besonders französisch ist, schicken Sie diese an: Saarbrücker Zeitung, Gutenbergstraße 11-23, 66117 Saarbrücken, E-Mail: redstv@sz-sb.de, Fax: (0681) 502-2289. Originelle Vorschläge veröffentlichen wir als Leserbriefe oder im Rahmen der Serie. Ein Video zum Thema finden Sie unter www.saarbruecker-zeitung.de.

Parallel dazu können Sie online abstimmen auf www.saarbruecker-zeitung/frankreich.de. Die größte Zustimmung fand dort bislang die Aussage: "Saarbrücken liegt zwar direkt an der Grenze. Echter französischer Einfluss ist aber nicht spürbar." red