Saarbrücken steckt im Dauerstau

In diesem Herbst nervt das Fahren auf Saarbrückens Straßen besonders. Die vielen Baustellen sind nur einer der Gründe für die Staus. Auch Patzer am Steuer kosten Nerven und jede Menge Zeit, wie die Polizei warnt.

Zwei Blechlawinen rollen Richtung Bismarckbrücke. Die eine wälzt sich aus St. Arnual und Alt-Saarbrücken heran. Die andere schiebt sich von der A 620 zur Brücke. Obwohl die Einmündung schon verstopft ist, rollen weitere Autos hinein. Nur weil sie Grün haben. Nervender Stillstand ist die Folge. Dasselbe Schauspiel ist überall dort zu beobachten, wo Berufsverkehr auf Nadelöhre zurauscht.

"Weiß die Polizei eigentlich, was in Saarbrücken los ist?", fragen sich entnervte Fahrer. Marion Kleditzsch machte ihrem Ärger in einem Brief an die SZ Luft. "Jede Kreuzung wird von Autos und Bussen zugefahren. Sollte man nicht auch ein paar Polizisten am Abend auf die wichtigsten Kreuzungen stellen?" Folgende Antwort kommt aus der Karcherstraße: Die Polizei weiß sehr gut, was auf Straßen und an Baustellen los ist. Aber es bringt meist nichts, den Verkehr von Hand zu regeln. Im Gegenteil. Das sagt Udo Schneider, Leiter der Inspektion St. Johann.

Er kennt Saarbrückens Baustellen, nennt wichtige Beispiele: Eisenbahnstraße, Großherzog-Friedrich-Straße, Bismarckstraße. "Die Stadt muss ja ihre Straßen erneuern, damit Schäden sich nicht verschlimmern. Vor solchen Baustellen werden wir angehört, um unerwünschte Auswirkungen zu vermeiden. Wir beraten aus polizeilicher Sicht und arbeiten eng mit den städtischen Verantwortlichen zusammen, um gemeinsam etwas für die Verkehrssicherheit in Saarbrücken zu tun." Das sei Schritt eins. Schritt zwei: Während der Bauzeit sehe sich die Polizei das Ganze noch einmal an und gebe Tipps, wenn es doch haken sollte. Beispiel? Die Baustelle Kaiserstraße/Dudweilerstraße, wo Busse nur mühsam vorankamen und ihre Fahrspur geändert werden musste. Schneider ergänzt, die Polizei habe ja auch auf die unerwartet große Blechwelle reagiert, die sich während der ersten Autobahnsperrung im September durch St. Arnual gewälzt hatte. Am Wochenende darauf hätten Polizisten an wichtigen Kreuzungen in einem Sondereinsatz auf einigen Trassen und eng aufeinander abgestimmt den Verkehr geregelt. Doch damit lasse sich keineswegs der Verkehr in der gesamten City in den Griff kriegen. "Wir arbeiten in einem sehr komplexen computergestützten System, das die Ampeln regelt. Hinzu kommt die von einem eigenen Rechner gesteuerte Saarbahn. Wer an einzelnen Kreuzungen in dieses große Ganze eingreift, erreicht einen Ziehharmonika-Effekt. Er dehnt Probleme also nur aus, statt sie aus der Welt zu schaffen." Hinzu komme, dass die Saarbrücker Straßen ohnehin mehrfach am Tag ihre Fassungsgrenzen erreichen.

Das alles wäre aber nicht so schlimm, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln hielten (siehe Infokasten). Besonders folgenschwer sei das Blockieren der Saarbahn-Spur. Beispiel: "Wenn jemand aus dem Kaufhof-Parkhaus fährt, dann aber auf den Gleisen stehen bleibt, muss die Saarbahn halten. Sie blockiert die Kreuzung. Das kann zum Stau bis auf die andere Saarseite führen." Schneider hat zwei Tipps: Erstens: Verkehrsregeln beachten, also nie Kreuzungen "zufahren". Zweitens: Wenn viel los ist, einen Park-and-Ride-Platz ansteuern und auf Bus und Bahn umsteigen. Das tut Schneider selbst auf dem Weg zur Arbeit. Denn am nächsten Nadelöhr steht auch der Polizeidirektor im Stau. Nur würde er keine Kreuzung blockieren.

Zum Thema:

StichwortDie Straßenverkehrsordnung regelt, was Autofahrer bei zäh fließendem Verkehr oder Stau tun müssen. Paragraf 11 erfasst "Besondere Verkehrslagen".Stockt der Verkehr, darf trotz Vorfahrt oder grünem Lichtzeichen nicht in die Kreuzung oder Einmündung eingefahren werden, wenn auf ihr gewartet werden müsste. Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden. Auch wer sonst nach den Verkehrsregeln weiterfahren darf oder anderweitig Vorrang hat, muss darauf verzichten, wenn die Verkehrslage es erfordert; auf einen Verzicht darf man nur vertrauen, wenn man sich mit dem oder der Verzichtenden verständigt hat. red