Saarbrücken in einem anderen Licht

Erstaunlich, wie sich der Blick auf eine Stadt wandelt, wenn man sie nachts einmal anders betrachtet und fotografiert. Saarbrücken, das vielen als hässlich gilt, wird so zu einer funkelnden Schönheit. Man muss sie nur ins rechte Licht rücken und den rechten Platz finden, um sich die Stadt anzuschauen. Wir waren auf dem Pingusson-Gebäude, einst als französische Botschaft erbaut, bis vor Kurzem als Kultusministerium des Landes genutzt. Jetzt steht es weitgehend leer, hat noch immer eine nicht ganz gewisse Zukunft. Für die Stadt, ja für das ganze Land wäre es wichtig, dass das Gebäude bleibt, saniert wird und wieder genutzt: als Sitz europäischer Einrichtungen etwa. Das wäre dann nicht nur architektonisch ein Alleinstellungsmerkmal. Vom Dach aus haben wir in die Stadt und auf die Westspange geschaut - und darunter. Und finden: So sieht Großstadt aus. Das Dach des denkmalgeschützten Gebäudes ist auch ein Ort zum Träumen. Wäre es nicht schön, wenn daraus ein Hotel werden könnte - mit Dachterrasse, Cocktail-Bar und super Aussicht? Immerhin hat George-Henri Pingusson im südfranzösischen Badeort Saint Tropez ja ein Hotel gebaut. Doch sein Saarbrücker Gebäude ist und bleibt ein Verwaltungsgebäude, des Brandschutzes wegen, das steht fest. Nachts flitzen weitaus weniger Autos über die vierspurige Autobahn, die die Stadt zerschneidet. Dennoch ist sie, wenn man in der obersten Etage des Wirtschaftsministeriums - ein weiterer unserer nächtlichen Aussichtspunkte - die Fenster öffnet, um auf die Umrandung zu steigen, unüberhörbar. Sie liefert aber von diesem Blickpunkt aus auch sehr schöne Impressionen. Man muss nur den Licht-Blitzen der Scheinwerfer folgen. Etwa in Richtung St. Arnual bis zum Schornstein des Kraftwerkes Römerbrücke - der leuchtet nachts in Blau. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da wurde Saarbrücken für ein paar Tage zur Stadt des Lichtes besser: der Lichtinstallation. Damals galt das Augenmerk etlicher Künstler der Berliner Promenade. Sie leuchteten sie nachts neu aus. Das "Light_Act_Project" der Kunsthochschule machte Saarbrücken vorübergehend zur auch außerhalb viel beachteten Stadt des Lichtes. Dieses Jahr hat die Unesco gleich ganz zum "Jahr des Lichtes" ausgerufen. Auch deshalb lohnt sich der Blick in die städtische Nacht. Ist sie nicht schon dunkler als sonst? In jedem Fall hat der Saarbrücker Stadtrat beschlossen, die Kosten für Beleuchtung um 600 000 Euro zu senken. 4,8 Millionen Euro gibt die Stadt bisher pro Jahr dafür aus. Um zu sparen wurde inzwischen die sogenannte Abendschaltung der Straßenlampen abgeschafft. Zuvor war bis 22 Uhr alles hell erleuchtet, dann kam die Nachtschaltung. Sie reduzierte das Licht an allen Straßenleuchten um die Hälfte. Inzwischen leuchtet in Saarbrücken nur noch jede zweite Straßenlampe. Doch richtig Nacht wird es nicht mehr in unseren Städten, auch in Saarbrücken nicht. Aus der achten Etage des sogenannten Diskonto-Hauses kann Saarbrückens Baudezernentin auf die Stadt blicken, denn hier hat sie ihr Büro. Ein paar Treppen weiter oben weitet sich der Blick: auf die Wilhelm-Heinrich-Brücke und in einzelne Häuser hinein. Am frühen Abend ist alles hell erleuchtet: einzelne Wohnräume, aber auch Gaststätten und Schaufenster. Erst später in der Nacht wird es nach und nach dunkler. Ganz finster aber ist es in Saarbrücken nie.

Erstaunlich, wie sich der Blick auf eine Stadt wandelt, wenn man sie nachts einmal anders betrachtet und fotografiert. Saarbrücken, das vielen als hässlich gilt, wird so zu einer funkelnden Schönheit. Man muss sie nur ins rechte Licht rücken und den rechten Platz finden, um sich die Stadt anzuschauen.

Wir waren auf dem Pingusson-Gebäude, einst als französische Botschaft erbaut, bis vor Kurzem als Kultusministerium des Landes genutzt. Jetzt steht es weitgehend leer, hat noch immer eine nicht ganz gewisse Zukunft. Für die Stadt, ja für das ganze Land wäre es wichtig, dass das Gebäude bleibt, saniert wird und wieder genutzt: als Sitz europäischer Einrichtungen etwa.

Das wäre dann nicht nur architektonisch ein Alleinstellungsmerkmal. Vom Dach aus haben wir in die Stadt und auf die Westspange geschaut - und darunter. Und finden: So sieht Großstadt aus.

Das Dach des denkmalgeschützten Gebäudes ist auch ein Ort zum Träumen. Wäre es nicht schön, wenn daraus ein Hotel werden könnte - mit Dachterrasse, Cocktail-Bar und super Aussicht?

Immerhin hat George-Henri Pingusson im südfranzösischen Badeort Saint Tropez ja ein Hotel gebaut. Doch sein Saarbrücker Gebäude ist und bleibt ein Verwaltungsgebäude, des Brandschutzes wegen, das steht fest.

Nachts flitzen weitaus weniger Autos über die vierspurige Autobahn, die die Stadt zerschneidet. Dennoch ist sie, wenn man in der obersten Etage des Wirtschaftsministeriums - ein weiterer unserer nächtlichen Aussichtspunkte - die Fenster öffnet, um auf die Umrandung zu steigen, unüberhörbar. Sie liefert aber von diesem Blickpunkt aus auch sehr schöne Impressionen. Man muss nur den Licht-Blitzen der Scheinwerfer folgen. Etwa in Richtung St. Arnual bis zum Schornstein des Kraftwerkes Römerbrücke - der leuchtet nachts in Blau.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da wurde Saarbrücken für ein paar Tage zur Stadt des Lichtes besser: der Lichtinstallation. Damals galt das Augenmerk etlicher Künstler der Berliner Promenade. Sie leuchteten sie nachts neu aus. Das "Light_Act_Project" der Kunsthochschule machte Saarbrücken vorübergehend zur auch außerhalb viel beachteten Stadt des Lichtes. Dieses Jahr hat die Unesco gleich ganz zum "Jahr des Lichtes" ausgerufen.

Auch deshalb lohnt sich der Blick in die städtische Nacht. Ist sie nicht schon dunkler als sonst? In jedem Fall hat der Saarbrücker Stadtrat beschlossen, die Kosten für Beleuchtung um 600 000 Euro zu senken. 4,8 Millionen Euro gibt die Stadt bisher pro Jahr dafür aus. Um zu sparen wurde inzwischen die sogenannte Abendschaltung der Straßenlampen abgeschafft. Zuvor war bis 22 Uhr alles hell erleuchtet, dann kam die Nachtschaltung. Sie reduzierte das Licht an allen Straßenleuchten um die Hälfte. Inzwischen leuchtet in Saarbrücken nur noch jede zweite Straßenlampe. Doch richtig Nacht wird es nicht mehr in unseren Städten, auch in Saarbrücken nicht.

Aus der achten Etage des sogenannten Diskonto-Hauses kann Saarbrückens Baudezernentin auf die Stadt blicken, denn hier hat sie ihr Büro. Ein paar Treppen weiter oben weitet sich der Blick: auf die Wilhelm-Heinrich-Brücke und in einzelne Häuser hinein. Am frühen Abend ist alles hell erleuchtet: einzelne Wohnräume, aber auch Gaststätten und Schaufenster. Erst später in der Nacht wird es nach und nach dunkler. Ganz finster aber ist es in Saarbrücken nie.

 So sieht das Parkhaus an der Europa-Galerie bei Nacht aus, wenn man es vom Dach des Pingusson-Gebäudes aus betrachtet.
So sieht das Parkhaus an der Europa-Galerie bei Nacht aus, wenn man es vom Dach des Pingusson-Gebäudes aus betrachtet.
Saarbrücken in einem anderen Licht
 Nachts ganz in Blau: der Schornstein des Heizkraftwerkes an der Römerbrücke.
Nachts ganz in Blau: der Schornstein des Heizkraftwerkes an der Römerbrücke.
 So sieht das Saarländische Staatstheater aus, wenn man vom Diskontohochhaus hinab schaut.
So sieht das Saarländische Staatstheater aus, wenn man vom Diskontohochhaus hinab schaut.
 Nachts ist nicht nur die Innenstadt in ein besonderes Licht getaucht: der Eschberg von der oberen Etage des Wirtschaftsministeriums aus betrachtet.
Nachts ist nicht nur die Innenstadt in ein besonderes Licht getaucht: der Eschberg von der oberen Etage des Wirtschaftsministeriums aus betrachtet.
 Fast menschenleer: Luisenbrücke und das Ende der Berliner Promenade. Fotos: Jörg Karrenbauer
Fast menschenleer: Luisenbrücke und das Ende der Berliner Promenade. Fotos: Jörg Karrenbauer
 Für Autofahrer auf der Westspange unsichtbar: Hier verlaufen Straßen in Etagen. Und wo sich am Tage Fahrzeuge stauen, ist nachts freie Fahrt.
Für Autofahrer auf der Westspange unsichtbar: Hier verlaufen Straßen in Etagen. Und wo sich am Tage Fahrzeuge stauen, ist nachts freie Fahrt.
 Der Mittelrisalit (oberes Foto) überragt die alten Gebäude des Saarbrücker Schlosses. Lichtspuren: Nachts flitzen weit weniger Autos über die Autobahn (linkes Foto), die die Stadt zerteilt.
Der Mittelrisalit (oberes Foto) überragt die alten Gebäude des Saarbrücker Schlosses. Lichtspuren: Nachts flitzen weit weniger Autos über die Autobahn (linkes Foto), die die Stadt zerteilt.
Saarbrücken in einem anderen Licht

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Zur PersonJörg Karrenbauer, 52, Fotograf und Kurator aus Saarbrücken. Bereits seit seinem 16. Lebensjahr widmet er sich ausschließlich der Schwarz-Weiß-Fotografie. Dabei legt er den Schwerpunkt auf klassische landschaftliche Stimmungen und konzeptionelle Arbeiten. red