Saarbrücken für Überflieger

Auf den Blickwinkel kommt es an: Florian Brunners neuer Bildband „Saarbrücken – Entdeckungen von oben“ zeigt im Vergleich von Luftbildern aus fast 90 Jahren, wie sich die Stadt verändert hat. Am Donnerstag wird das Buch im Saarbrücker Rathausfestsaal vorgestellt.

Saarbrücken aktuell: In der Mitte ist die Westspange zu sehen. Auf der ehemaligen Hafeninsel entstand auch die Congresshalle mit Vorplatz (weiße Fläche). Foto: LVGL Saarland Foto: LVGL Saarland

Irgendwie konsequent, wie der Mann das macht. Nachdem Florian Brunner vor drei Jahren das "Unterirdische Saarbrücken " erkundete, Bunker erforschte und längst vergessene Gänge aufspürte, die Stadt gewissermaßen bei ihren Wurzeln packte, hat der Verleger nun abgehoben, um seine Heimatstadt aus der Vogelperspektive zu betrachten. Erneut mündete das in einen opulenten Bildband: "Saarbrücken - Entdeckungen von oben".

Brunner, Mitinhaber des kleinen aber regen Geistkirch-Verlages, hat dazu aber nicht selbst die Kamera in die Hand genommen, wie man dies von einem gelernten Fotografen erwartet hätte. Vielmehr hat er Luftbilder von Saarbrücken aus fast 90 Jahren ausgewertet. Ihm ging es dabei um den exakten Vergleich, "Zeitschnitte über Jahrzehnte hinweg", nennt Brunner das. Wie seziert liegen die Stadtbilder nun vor einem beim Durchblättern. Und siehe da: Die Stadt verändert sich über die Zeit wie ein Organismus, wächst und wächst, musste aber auch schwerwiegende Verletzungen erdulden. Für seinen Band benötigte Brunner Aufnahmen wie sie für die Kartografie angefertigt werden, präzise Draufsichten. Lange musste er dazu in diversen Archiven stöbern.

1929 flogen erstmals Maschinen von Junkers Luftbild systematisch übers Stadtgebiet, sagt Brunner. Doch gleichwohl die Piloten definierte Umkehrpunkte ansteuerten, half ihnen eben noch keine Satelliten-gestützte Navigation wie bei der jüngsten Befliegung 2013. Und es gab auch noch keine Computer, die die Bilddateien nahtlos verknüpften. Daher klaffen bei den historischen Aufnahmen hin und wieder Lücken. Um die früheren Aufnahmen mit den jüngsten Bilddateien vergleichbar zu machen, war spezielle Computersoftware vonnöten, erläutert Brunner. "Enormer technischer Aufwand und ein halbes Jahr Arbeit stecken darin", so der Verleger , "das war Pionierarbeit". Insgesamt fünf kartografische Überfliegungen von Saarbrücken hat Florian Brunner für sein Buch herangezogen: aus den Jahren 1929, 1945, 1953, 1977 und 2013. Die Aufnahmen reichen von Dudweiler bis Güdingen und von Altenkessel bis Scheidt. Wer die Seiten aufblättert, meint Brunner, "wird sich wundern, wie ländlich Saarbrücken vor nicht mal 100 Jahren noch war." Was heute mehrspurige Straßen sind, Schlagadern des Autoverkehrs, waren 1929 zum Teil noch Feldwege. 1945 flogen amerikanische Piloten dann über das in Schutt und Asche liegende deutsche Reich. Ihr Auftrag: Sie sollten dokumentieren, welche Schäden die Bombardements der US- und der Royal Airforce angerichtet hatten. Die Aufnahmen aus dieser Zeit wirken gespenstisch: Häuser, Straßen, selbst Schienenstränge sind wie weg gewischt, Bombentrichter haben sich wie Pockennarben ins Gesicht der Stadt gebrannt.

Die massivsten Veränderungen dokumentieren jedoch die Aufnahmen von 1977 und 2013: Große Verkehrsprojekte wie West- und Ostspange prägen nun die faszinierenden Ansichten einer Stadt. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, was Florian Brunner künftig wohl noch einfällt, nachdem er Saarbrücken schon von ganz unten und ganz oben betrachtet hat.

Florian Brunner: "Saarbrücken - Entdeckungen von oben", Luftaufnahmen von 1929 bis 2013, 264 Seiten, 255 Abbildungen, Geistkirch Verlag, 44 Euro.

Buchvorstellung: 16. Oktober, 19.30 Uhr, Festsaal Saarbrücker Rathaus.