Saarbahn fragt nach Fahrgast-Wünschen

"Mobia - Mobil bis ins Alter" heißt ein Projekt der Saarbahn GmbH, das von der Bundesrepublik gefördert wird. Dabei will die Saarbahn erstens die Wünsche ihrer Fahrgäste kennenlernen und zweitens neue Fahrgäste gewinnen - speziell Senioren.

Saarbrücken. Wer 1000 dicke Fragebögen an seine Kunden verschickt und 200 ausgefüllt zurückbekommt, der darf sich glücklich schätzen: Solch eine "Response"-Quote gilt als außergewöhnlich hoch und deutet auf einen guten Draht zu den Leuten hin. Und so ist der Absender, die Saarbahn GmbH, denn auch bester Dinge, dass ihr vom Bund gefördertes Projekt "Mobia - Mobil bis ins Alter" einen erfreulichen Fortgang nimmt. Die Befragung der Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist nur der Auftakt des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes. Man will herausfinden, was die Menschen an den Saarbrücker Bussen mögen und was sie vermissen. Übrigens werden auch Nichtnutzer des ÖPNV, etwa Altenheimbewohner, um ihre Meinung gebeten, um sie als Kunden gewinnen zu können. Wie Projekt-Sprecher Manfred Backes bei einem Redaktionsbesuch unserer Zeitung erläuterte, geht es darum, der "interessanten Zielgruppe" der älteren Menschen die Nutzung von Bussen und Saarbahn schmackhaft zu machen und zu erleichtern. Das könne man umso besser, je mehr man über ihre Wünsche wisse. Wie der leitende SZ-Redakteur Alexander Will dem Gast erläuterte, träfen bei der Zeitung oft Beschwerden über mangelnde Sicherheit in Bus und Bahn ein. Backes hielt entgegen, dass das Sicherheitsgefühl der Menschen nicht immer der tatsächlichen Lage entspreche. Spätestens mit dem 2010 eingesetzten Sicherheitsdienst seien Busse und Bahn "die sichersten Verkehrsmittel überhaupt". Sage und schreibe 700 Bushaltestellen gibt es im Saarbrücker Netz. Sie alle irgendwann einmal barrierefrei zu haben, gilt als Fernziel, ist aber teuer und langwierig. Innerhalb der drei Projektjahre, für die 2,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen, sind deshalb zwei andere Schwerpunkte gesetzt: Das Unternehmen bringt 15 sogenannte Mobilitätslotsen auf die Straße. Es handelt sich um lohnsubventionierte Bürgerarbeiter, die an zentralen Haltestellen Älteren und Gehandicapten behilflich sind, also eine "soziale Dienstleistung" (Backes) anbieten. Wie Saarbahn-Sprecherin Sarah Schmitt sagte, kämen diese Lotsen bereits nach wenigen Tagen sehr gut an und seien auch "super motiviert". Die Lotsen unterstützen beim Ein- und Aussteigen, geben Fahrplanauskunft und wissen auch, wie man Fahrkartenautomaten bedient. Was die meisten Zeitgenossen wohl nicht wissen: Wenn ein Behinderter beim Betreten des Busses Hilfe benötigt, muss unter Umständen der Fahrer den Motor abstellen, den Platz verlassen, vorher noch sein Geld sichern und eine kleine Rampe ausklappen. Wäre ein Lotse am Ort, würde dasselbe ohne Verzögerung im Fahrplan abgehen. Komponente zwei des Projektes ist die Informations- und Kommunikationstechnik, mit der das Verkehrsunternehmen und seine Wunschkunden in Verbindung treten könnten. Ob das einfach zu bedienende Handys oder Apps oder sonstige Endgeräte sein werden, das sei noch nicht abzusehen, erklärte Backes. Mit im Boot sind jedenfalls kluge Menschen von Institutionen und Firmen. Handfest ist dagegen schon das Vorhaben, im Herbst Genuss- und Ausflugstouren mit dem ÖPNV anzubieten, und zwar gemeinsam mit dem Verein Geographie ohne Grenzen. Sogar eine Brauereibesichtigung soll im Angebot sein.