Saar-Uni kritisiert Gutachten

Die Saar-Uni soll mehr Kosten einsparen. Ein vom Land bestelltes Gutachten sieht dafür radikale Kürzungen vor. Die lehnt die Universität ab und fordert vom Land mehr finanzielle Unterstützung.

Die Saar-Universität will das vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene Sparprogramm nicht umsetzen. Das war gestern die gemeinsame Botschaft von Universitätspräsidium und den Dekanen der acht Fakultäten vor dem Wissenschaftsausschuss des Landtags. Der hatte die Uni-Vertreter zu einer Anhörung zum Gutachten des Wissenschaftsrats zur saarländischen Hochschullandschaft eingeladen. Der Rat als wichtigstes Beratergremium von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik sieht unter anderem vor, die Zahnmedizin am Campus Homburg zu schließen, die Wirtschaftswissenschaften der Uni an eine Business School in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auszulagern und die juristische Fakultät zu schließen. Universitätspräsident Volker Linneweber übte in der Anhörung des Wissenschaftsausschusses deutliche Kritik am Gutachten. Es sei eine Gefälligkeitsempfehlung. "Nur bei der Medizin kann von einem echten Gutachten gesprochen werden", sagte Linneweber. In diesem Bereich habe eine detaillierte Analyse stattgefunden. Dass nur eine oberflächliche Betrachtung in den restlichen Fakultäten durchgeführt wurde, bemängelten auch die Dekane vor dem Ausschuss.

Einsparpotenziale sehen sie bei den Vorschlägen des Rats nicht. Stephan Weth, Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, bezeichnete die vorgeschlagene Abschaffung der Jura-Fakultät als Unsinn. Er rechnete vor, dass die juristische Fakultät dem Land finanziell sogar mehr einbringe, als sie an Kosten verursache. Auch die Verlagerung der Wirtschaftswissenschaften an eine Business School hätte keine Einsparungen zur Folge, sondern verursache nur weitere Kosten. Der Dekan der Geschichts- und Kulturwissenschaften, Peter Riemer, betonte, dass seine Fakultät weitere Einsparungen nicht verkraften könne, ohne dabei an Substanz zu verlieren. Sollten die bereits vereinbarten Leitlinien, die ein Sparvolumen von 70 Millionen Euro bis 2020 an der Uni vorsehen, so eingehalten werden, würden bereits 2019 die Professuren für Geistes- und Kulturphilosophie sowie für Wirtschaftsgeschichte wegfallen. Auch Roland Marti, Dekan der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften berichtete, dass die bereits vergangenen Sparpläne, die die Uni derzeit abarbeitet, zu Streichungen führen: "Dolmetschen wird wegen der Sparauflagen aufgegeben", sagte Marti.

Die Dekane forderten das Land außerdem auf, den Inflationsausgleich - Kostensteigerungen der Gehälter und die Energieversorgung - im Uni-Haushalt voll zu übernehmen. Ansonsten drohe ein Haushaltsloch in Millionenhöhe.