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Saar-Ermittler enttarnen südosteuropäische Clans: 112 Haftbefehle gegen Einbrecher

Saar-Ermittler enttarnen südosteuropäische Clans: 112 Haftbefehle gegen Einbrecher

Wohnungseinbrecher haben das ganze Jahr über Saison, konzentrieren sich nicht mehr nur auf die dunkle Jahreszeit. Eine spezialisierte Ermittlungsgruppe der Polizei, die es mit organisierten Banden zu tun hat, vollstreckte bislang 112 Haftbefehle

Die Saar-Polizei hat es immer öfter mit Einbruch-Profis zu tun, Täter, die ihren Lebensunterhalt durch Wohnungseinbrüche finanzieren. "Den typischen lokalen Täter, der sich auf seine Region konzentriert, gibt es immer seltener", sagt Harald Schnur, Chef der Direktion Kriminalitätsbekämpfung beim Landespolizeipräsidium. Das Täterprofil und das Vorgehen der Einbrecher haben sich verändert, stellt Schnur im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Organisierte Banden, vorwiegend aus Südosteuropa, spielen zwischenzeitlich im "Lagebild Wohnungseinbruch" eine Hauptrolle. Schnur spricht von "reisenden Tätern". Er meint damit mobile Banden, die vielleicht eine Woche im Saarland aktiv sind und nach einer vollendeten Serie ihre Aktivitäten nach Nordrhein-Westfalen oder auch nach Frankreich oder Luxemburg verlagern.

Nachdem im Jahr 2014 für das Saarland die Rekordzahl von 2485 Wohnungseinbrüchen registriert wurde, deuten die bisherigen Zahlen für 2015 auf einen merklichen Rückgang der Delikte. Das aktuelle Lagebild nennt für den Zeitraum Januar bis Ende Oktober 1828 Fälle. Im Vorjahreszeitraum waren es 2024 Fälle. In beiden Zahlen sind auch gescheiterte Einbruchsversuche berücksichtigt. Die Statistik dokumentiert zudem, dass die dunkle Jahreszeit, also ab der Umstellung auf Winterzeit, längst nicht mehr die Einbruchs-Hochsaison ist. In der jüngsten Sommerzeit-Phase von April bis Oktober wurden über 1039 Einbrüche gezählt.

Seit Januar 2013 arbeitet von ihrem Stützpunkt in Dillingen aus eine Gruppe spezialisierter Kriminalisten in einer Ermittlungsgruppe (EG) Wohnungseinbruch. Für Kripochef Schnur ist die von Hauptkommissar Carsten Molitor geleitete EG ein "echtes Erfolgsmodell". Sie wurde eingesetzt, nachdem 2012 eine extrem niedrige Aufklärungsquote bei Einbrüchen von nur 10,8 Prozent erzielt wurde. 2013 lag die Quote dann bei 16 und 2014 bei 14 Prozent.

Molitor und seine zehn Beamten übernehmen die Fälle dann, wenn es Hinweise auf organisierte Bandenkriminalität gibt. Dies trifft auf ein Drittel der Delikte zu. "Wir arbeiten mit einem täterorientierten Ansatz", schildert der EG-Leiter. Die Arbeitsweise am Tatort ist von Bande zu Bande unterschiedlich. So entstanden beispielsweise die Ermittlungskomplexe "Bohrmeister", "Küchenfenster", "Cartier ", "Romanze" oder "Silberschatz", um nur einige zu nennen. Die Ermittler enttarnten ganze Clans und Einbrechersippen, erstellten Stammbäume, Profile und Fahndungsraster, um einen Überblick zu erhalten, wer zum wem und wohin gehört. So gibt es etwa im Ermittlungskomplex "Bulgaria" 32 Beschuldigte, die für Serien von Straftaten verantwortlich gemacht werden. Mehr als 20 Personen sitzen in diesem Verfahren bereits hinter Gittern. Die Zwischenbilanz der EG Wohnungseinbruch: 290 Beschuldigte wurden ermittelt, 112 Haftbefehle vollstreckt. Sechs internationale Haftbefehle warten noch auf Erledigung. 87 Durchsuchungsbeschlüsse wurden seit Januar 2013 umgesetzt. Zehn liegen noch in der Schublade. Wann sie erledigt werden, ist auch eine Frage der Taktik. Sichergestellt wurden mehr als 5000 Schmuckstücke, von denen 250 wieder an ihre Besitzer zurückgegeben werden konnten.

Die Recherchen von Molitor und seinen Kollegen gehen weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus. Wenn die Banden europaweit agieren, müssen die Fahnder grenzüberschreitend kooperieren. Die "Kundschaft" ist international, kommt vorwiegend aus Bulgarien, Rumänien und Serbien. Sogar ein Mexikaner wurde für eine Serie von etwa 100 Einbrüchen als Haupttäter ermittelt. Seine Komplizen: Ein Franzose und ein Luxemburger. Ein Serbe hat es sogar geschafft, kurz nach einer verbüßten Haftstrafe den Kriminalisten wieder ins Netz zu gehen. Ein anderer reiste nach seiner Abschiebung wieder illegal nach Deutschland ein, um Einbrüche zu verüben.