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Saar-Bildungsminister plant Sprechprüfung im Fremdsprachenabitur ab 2018

In Gruppen soll in der Abiprüfung diskutiert werden. Foto: Fotolia
In Gruppen soll in der Abiprüfung diskutiert werden. Foto: Fotolia FOTO: Fotolia
Saarbrücken. Neben Lesen, Schreiben und Hören könnte auch das Sprechen Teil der Abiturprüfung in Englisch und Französisch werden. Ein Testlauf im Herbst an 44 gymnasialen Oberstufen kam zu einem positiven Ergebnis. Ute Kirch

Camus oder Shakespeare lesen und die Lektüre möglichst wortgewandt in Französisch oder Englisch schriftlich erörtern - das gehört zum Standard im Fremdsprachen-Abitur. Seit 2010 wird im Saarland neben Textverständnis und Schreiben auch das Hörverstehen überprüft. "Ich finde es wichtig, dass wir von der reinen Konzentration auf die Schriftlichkeit wegkommen. Das ist eine starke Einschränkung auf einen Kompetenzbereich, die nicht dem umfassenden Spracherwerb entspricht", sagte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ). Im Zuge der Überarbeitung der Grundstruktur der Abiturprüfung kann er sich vorstellen, dass das Fremdsprachen-Abitur im E-Kurs (vergleichbar mit dem früheren Leistungskurs) um eine Sprechprüfung ergänzt wird.

Im Oktober 2015 wurde daher in 44 Schulen eine einheitliche Sprechprüfung in Englisch und Französisch unter Abiturbedingungen erprobt, an der 2273 Schüler teilnahmen. Dabei bilden zwei Schüler per Los ein Prüfungspaar. Für den ersten (monologischen) Teil erhalten sie einen Sprechimpuls, etwa Fotos, Statistiken oder Karikaturen. Jeder Prüfling stellt sein Thema vor, zum Beispiel Wohnen in Paris, Rassismus oder Obdachlosigkeit. Im zweiten (dialogischen) Teil diskutieren sie die Inhalte. Die Prüfung dauert 15 bis 20 Minuten, anschließend haben die Lehrer zehn Minuten Zeit, die Noten festzulegen.

Wissenschaftler der Saar-Uni, die das Projekt mit Fragebögen und Interviews von Schülern, Lehrern und Eltern ausgewertet haben, kommen zu insgesamt positiven Ergebnissen. "Die Stärkung der mündlichen Kompetenz wird begrüßt, sie wird als wichtige Teilkompetenz mit positiven Effekten für den Fremdsprachenunterricht verbunden", sagt Claudia Polzin-Haumann, Romanistik-Professorin an der Saar-Uni. Die Schüler hätten mehrheitlich ihre Noten im Vergleich zum letzten Zeugnis gehalten oder sogar verbessert. Kritik habe es vorwiegend im organisatorischen Bereich gegeben. Es bestehe etwa der Wunsch nach mehr Vorlaufzeit, ausführlicherer Information, mehr Fortbildungen und mehr Zeit für die Lehrkräfte für die Notenfindung.

Die Entscheidung, ob die Sprechprüfung eingeführt wird, solle zügig fallen, sagte der Minister. Schüler , die im nächsten Schuljahr in die Oberstufe kommen, sollen schon bei der Wahl ihrer E-Kurse Bescheid wissen, ob für sie das neue Format gilt. Die erste Sprechprüfung soll es frühestens 2018 geben. Bisher gebe es sie erst in Sachsen und Baden-Württemberg.

Der Saarländische Philologenverband (SPhV) nannte die Sprechprüfung "eine Chance, die richtig genutzt" werden müsse. Er sieht noch "erheblichen Verbesserungsbedarf" bei der praktischen und inhaltlichen Ausgestaltung. Es bedeute einen erheblichen Mehraufwand für die Lehrkräfte, auch die Chancengleichheit für Schüler sei eine Herausforderung. Es müsse sich zeigen, inwieweit das neue Format zur Studierfähigkeit beitrage. Fremdsprachliche Literatur gehöre zum Studium dazu. So gewinne das Auswerten und Schreiben von Texten eher an Bedeutung.



Meinung:
Neue Belastung - aber sinnvoll

Von SZ-Redakteurin Ute Klockner

Da sage noch einer, das Abitur werde von Jahr zu Jahr leichter! Nach dem Hörverstehen soll nun eine Sprechprüfung folgen. Für die Schüler im Prüfungsstress eine zusätzliche Belastung. Sprechen gewinnt seit Jahren im Fremdsprachenunterricht zurecht an Bedeutung, mündliche Kursarbeiten sind Pflicht. Dieses Können auch im Abitur zu prüfen, ist nur folgerichtig. So wichtig ein gutes Textverständnis ist: Klappt nach acht oder neun Jahren die direkte Kommunikation in der Fremdsprache nicht, hat die Schule ihr Ziel nicht erreicht.

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