Rund 2000 Menschen beim Volksfest am Heizkraftwerk

Das Heizkraftwerk Römerbrücke ist ein Wahrzeichen Saarbrückens. Früher gehörte es der Stadt. Heute gehört es der Firma Energie SaarLorLux (ESLL). Dort hat der internationale Suez-Konzern das Sagen, und die Stadt ist mit 49 Prozent beteiligt. Jetzt hatte ESLL zum Fest in und ans Kraftwerk geladen.

Am Samstag war es wieder so weit. Rund 2000 Saarbrücker nutzten die Chance, um zu feiern und sich nebenher über die Technik im ehemals stadteigenen Kraftwerk Römerbrücke zu informieren - denn erstmals nach drei Jahren hatten die Betreiber wieder zum Tag der offenen Tür samt Volksfest in und um das Kraftwerk eingeladen.

"Wir haben ein Kraftwerk, das mitten in der Stadt liegt. Deswegen brauchen wir die Akzeptanz der Bevölkerung. Beim Tag der offenen Tür kann jeder sehen, was bei uns gearbeitet wird", erklärte Kraftwerkschef Joachim Morsch. Und das Interesse an genau diesem Aspekt war riesig. Die Menschen nahmen zu hunderten an den Führungen teil. In 20er Gruppen wurden die Besucher durch das Turbinenhaus, die Kesselanlage und die Leitwarte geführt und bekamen Erläuterungen aus erster Hand.

Das Heizkraftwerk (HKW), das vornehmlich für die Wärmeversorgung von 11 000 Saarbrücker Haushalten sorgt, kann auch Strom erzeugen, tut dies im Sommer aber nicht. Die Stromerzeugung lohnt sich nur im Winter. Trotzdem braucht Saarbrücken auch im Sommer Wärme, sei es zum Heizen in den Morgenstunden oder für warmes Wasser zum Duschen und Baden.

Ali Bahadir, Kraftwerker im Leitstand, ließ sich über die Schulter schauen. Auf seinen Monitoren wurden Kurven und Messwerte angezeigt, am Samstag steuerte er die Kesselanlage. Die zehnjährige Carolin Zeising aus St. Arnual fand das spannend: "Das ist ja interessanter, als ich gedacht habe." Mit Vater, Mutter und Bruder machte sie die Kraftwerkstour. Papa Thomas interessierte sich für die Funktionsweise des Kraftwerks, zuhaus in der Julius-Kiefer-Straße wohnen die Zeisings auf der "falschen" Seite: "Nur die Häuser gegenüber haben Fernwärme, wir haben Gas. Aber wir hatten schon bei zwei anderen Wohnungen in Saarbrücken Fernwärme und vermissen das. Die Energie aus dem HKW ist sauber, und man braucht kein gefährliches Gas im Haus." Der Preis für die Fernwärme schreckte auch Jutta Martin nicht: "Auf den ersten Blick teuer - ja!" Aber man brauche keinen Kamin, keinen Brenner, keine Öltanks.

Obwohl das HKW heute Eigentum einer Firma ist, die selbst zu 51 Prozent einem multinationalen Konzern gehört, ist es immer noch sehr beliebt bei den Bürgern, die größtenteils gar nicht wissen, wer denn nun an Fernwärme und Strom verdient. Der Schornstein ist 177 Meter hoch, und das HKW wurde schon mit mehreren Preisen ausgezeichnet. "Wir produzieren seit einem halben Jahrhundert Strom und Wärme", berichtete Morsch stolz - das HKW sei noch nie auch nur einen Tag ausgefallen. Und auch am Samstag lief es, als wären die 2000 Gäste gar nicht da.