Rote Haare, starker Wille

Im Staatstheater-Ballett ist sie eine der hervorstechenden Tänzerinnen, sie kann singen, und neuerdings ist Liliana Barros auch noch als Malerin aktiv. Die Portugiesin ist in Saarbrücken heimisch geworden.

 Die Tänzerin, wie sie sich selbst sieht: ein Selbstporträt von Liliana Barros zeigt, dass die Portugiesin auch eine talentierte Malerin ist. Foto: Barros
Die Tänzerin, wie sie sich selbst sieht: ein Selbstporträt von Liliana Barros zeigt, dass die Portugiesin auch eine talentierte Malerin ist. Foto: Barros Foto: Barros

Sie kann tanzen, sie kann singen, und jetzt zeigt sich: Sie kann auch noch malen! Gibt es eigentlich irgendetwas, wozu Liliana Barros kein Talent hat, fragt man sich da. Die Portugiesin, seit 2006 am Staatstheater , ist unter den Balletttänzerinnen die wohl auffälligste Erscheinung. Nicht nur wegen ihrer roten Haare und dem ausdrucksstarken Gesicht, auch wegen ihrer tänzerischen Präsenz.

In ihren Rollen, egal ob als Mutter in und von Peer Gynt oder als junge Cinderella nimmt man sie stets als eine Persönlichkeit wahr, die tiefgründig ist, keine Angst vor Gefühlen hat und davor, diese auch zu zeigen.

Auf der Bühne, ja, da brauche sie immer eine Verbindung zu einem Bild oder einem Gefühl, als Grund als Voraussetzung der Bewegung. "Aber privat bin ich gar nicht so, so extravertiert", gesteht die Tänzerin. Da brauche sie schon etwas länger, um aus sich herauszugehen und mag keine großen Auftritte. Doch stark, das stimme schon, und dass sie weiß, was sie will. Als Kind in Lissabon hatte sie zwar erst rhythmische Sportgymnastik betrieben, doch als sie mit 15 zur Ballettschule kam, da spürte sie sofort: Hier ist sie in ihrem Element. Sie hängte sich voll rein, besuchte zwei Ballettschulen gleichzeitig: tagsüber eine für Modern und Contemporary und abends eine, um sich die klassische Technik drauf zu schaffen. "Die anderen waren schockiert, dass ich das alles so schnell konnte", erzählt sie amüsiert.

Als sie nach ersten Engagements in Lissabon, Italien und Köln nach Saarbrücken zu Maggie Donlon gekommen war, zog es sie zwei Jahre später schon wieder weg. Nach Kanada, zu Marie Chouinard, ihr Traum! "Sie ist einzigartig in jeder Hinsicht, als Choreografin, als Person, eine Visionärin", schwärmt Liliana Barros noch heute. Doch Kanada war so weit weg! Zu weit, um mal eben nach Porto zu fliegen und die Mutter zu besuchen. "Wir haben eine tiefe Verbindung", sagt Liliana Barros. Also kehrte sie, als im Saarbrücker Ballett ein Platz frei wurde, wieder zurück.

Nur übergangsweise wollte sie hier bleiben. Doch dann choreografierte Stijn Celis in Saarbrücken Cinderella. Und als klar wurde, dass er neuer Ballettchef werden würde, entschied sich die Tänzerin um. "Mir gefällt die Art, wie er arbeitet, also wie er die Choreografie baut, die Charaktere baut und so viel Inhalt gibt, und dass die Bewegung erst danach kommt, das ist wichtig für mich", erklärt Barros und legt noch nach: "Ich vertraue in seine Vision, in seinen Geschmack".

Auch privat ist die Portugiesin in Saarbrücken glücklich geworden: 2009 hat es zwischen ihr und dem Schauspielkollegen Georg Mitterstieler "gefunkt". Schade nur, dass man die Barros so selten singen hört. Ihre gefühlvolle Stimme, ob in der Konzertreihe "Direktmusik" in der Sparte 4 oder im Tanzstück "Casa Azul", war stets ein Genuss.

Doch dafür lernen wir die Tänzerin jetzt als Malerin kennen. "Vor vier Jahren hat mir Georg eine Staffelei gekauft", erzählt sie. Seitdem verbringt sie vor der fast jede freie Minute, malt, als Autodidaktin, wie sie betont, Freunde, Tänzerkollegen in expressiven Posen. Und verblüfft dabei mit nahezu fotorealistischer Genauigkeit. Ein Atelier hat sie schon gefunden, im Herbst wird sie vielleicht in Forbach ausstellen. Die Frau weiß eben was sie will, und wenn, dann macht sie's mit Leidenschaft.

Vom 15. bis 18. Oktober findet das Tanz Festival Saar statt. Am 15. Oktober ist die Premiere der Choreografie Hora von Ohad Naharin, die Stijn Celis fürs SST an Land gezogen hat - natürlich mit Liliana Barros.