Rostiger Kerl mit großer Klappe

Es gibt in Deutschland wahrscheinlich kaum ein Kind, das den Ritter Rost nicht kennt. Die Kindermusical-Bücher finden sich fast in jeder Familie. Am Freitag kommt Ritter-Rost-Erfinder Jörg Hilbert zur Kinder- und Jugendbuchmesse. Wir haben vorher mit ihm gesprochen.

Saarbrücken. Ganz schön große Klappe, der Ritter Rost, und dann feige drücken. Egal ob vorm Abwasch oder vor Turnieren. Gut, dass es das Burgfräulein Bö und Koks, den Drachen, gibt, die machen dem kleinen Blechritter mächtig Feuer unterm Hintern. Die Kindermusical-Bilderbücher um "Ritter Rost", vor annähernd 20 Jahren als Geheimtipp gestartet, haben sich zur enormen Erfolgsgeschichte gemausert, über eine Million verkaufte Bücher, hunderte Bühnenaufführungen pro Jahr.Ihr Erfinder, Illustrator und Autor Jörg Hilbert, der zur Kinder- und Jugendbuchmesse kommt, erklärt das so: "Ein bisschen Ritter Rost steckt in jedem von uns, ich spiele mit kindlichen Allmachts-Fantasien, wer ist der Schönste, der Stärkste, der Tollste?." Und Erwachsene schmunzeln ob der liebenswerten Karikatur eines gockelig-schusseligen Möchtegern-Machos.

Rosts Schrottland, wo eben alles aus Schrott und Blech ist, auch Tiere, Sonne, Wälder, lieben Kinder ebenso wie die beigelegten CDs mit den fantasiereichen Liedern, die Hilbert zusammen mit Musiker Felix Janosa komponiert. Minnelieder, Pop, Rap, 20er-Jahre Schlager, da gibt's alles, zum Piepen komisch gedichtet und gesungen.

Auch bei "Karo und Blaumann" (Carlsen) geht's hoch her. Eiffelturmraketen rauschen durch Gärten, Gartenzwerge werden kriminell, und Schatten gehen verloren. Doch für Karo, den jüngsten Spross einer irren Detektivfamilie und seine gescheite Freundin in Opas alter Arbeitskluft ist Fällelösen ein Klacks. Diese neue Serie stellt Hilbert auf der Buchmesse vor: "Neben Ritter Rost habe ich immer schon viel anderes gemacht, wie die Schach-Lern-Serie "Fritz & Fertig", die sehr bekannt wurde oder die "Pappenheimer", die in einer Papierwelt leben. "Karo und Blaumann" sind fantastische, sprachwitzige Krimis. Ein bisschen im Stil von Ritter Rost, aber für Fortgeschrittene." Kinder ab acht Jahren können mit dem "vermutlich kariertesten Detektiv aller Zeiten" unheimlichen Fährten folgen. Hilbert selbst habe jahrelang Krimis gelesen, viele schwedische, Wallander und Co. "Irgendwann habe ich einen Riegel vorgeschoben. Mein Nervenkostüm ist zu anfällig."

Schon während seines Kommunikations-Design-Studiums in Essen hat Hilbert für Zeitungen und die Werbebranche gezeichnet. Es habe gedauert, bis er als freischaffender Illustrator und Autor leben konnte. Die Rost-Bücher erschienen anfänglich im kleinen ConBrio-Verlag. Der eigentliche Erfolg fing mit der Zusammenarbeit mit Felix Janosa an und dem Wechsel zu Terzio.

Der Fantasie freien Lauf lassen, keine Barrikaden haben, sei für kindliche Leser wichtig, findet Hilbert. Man merkt es seinen Büchern an, wie auch die Lust am Reimen. Um ein paar Ecken ist Hilbert mit dem Dichter Joachim Ringelnatz verwandt. "Er war der Cousin zweiten Grades meiner Urgroßmutter. Vielleicht ist da genetisch ein bisschen was angelegt. Der Reim führt die Gedanken in Bereiche, in die sie ohne Reim nie gekommen wären." In überdimensionalen Golfbällen mit strickenden Schafen und Kriechpuddings landet ja auch nicht jeder, Karo und Blaumann aber schon.

Dass es in Hilberts Lesungen nicht trocken zugeht, kann man sich denken. Zu manchen kommt er verkleidet. Wird am Schloss also bald ein überaus karierter Detektiv gesichtet, nicht wundern. . .

Jörg Hilbert. Foto: Catrin Moritz.

Lesungen: Freitag, 11. Mai, 9 und 11 Uhr.

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