Rosa Zelt sorgt für Kopfschütteln

Das Jahresende naht. In einer kleinen Serie rufen wir die Aufreger, aber auch schöne Ereignisse aus den vergangenen Monaten in Erinnerung. Im Juni war die Stadt Spitzenreiter bei Besuchern, aber hatte die rote Laterne bei den Zukunftsaussichten. Und im Almet wuchs ein Protest, der am Ende für Jubel sorgte.

Im Juni war Saarbrücken vor allem eines: beliebt. Zum einen bei Besuchern, denn 6580 Menschen flanieren pro Stunde durch die Bahnhofstraße. Das ergab eine Studie, für die in der Bahnhofstraße die Menschen gezählt wurden. Damit hat Saarbrücken sich erstmals einen Spitzenplatz unter den bestbesuchten Einkaufsmeilen in Städten mit 100 000 bis 250 000 Einwohnern gesichert. Kein Wunder, sagen Experten. Denn in der Großregion ist Saarbrücken als Einkaufsstadt außer Konkurrenz.

Beliebt ist die Stadt aber auch im negativen Sinne: bei Einbrechern. Denn hier stieg die Zahl anders als landesweit, von 576 im Jahr 2014 auf 590 Einbrüche in 2015. 226 gab es im Saarbrücker Westen, 185 in St. Johann, 100 im Saarbrücker Osten und in Kleinblittersdorf, 79 in Alt-Saarbrücken. Im Kontrast zu diesen Zahlen stand im Juni die Nachricht, dass die Polizei durch den Personalabbau die Inspektionen in Alt-Saarbrücken und Brebach nicht mehr rund um die Uhr besetzen kann. Von 22 Uhr bis 6 Uhr wird dort zugemacht, und andere Polizeiinspektionen müssen die Fälle, die dort in dieser Zeit auflaufen, übernehmen.

Platz 319 von 402, Tendenz fallend, zuletzt um 43 Ränge - wenn es nach dem Wirtschaftsinstitut "Prognos" geht, damit gehört der Regionalverband Saarbrücken zu den schwächsten deutschen Regionen, mit mehr Risiken als Chancen behaftet. Der politische Direktor dieses Gebildes, Peter Gillo , brachte daher wieder Pläne ins Spiel, die Saarbahn bis nach Forbach auszubauen. Doch diese Idee fanden zwar wieder viele Menschen gut, doch keiner wusste, wie eine solche Idee bezahlt werden solle.

Im Juni entstand aber auch etwas besonderes: Protest. Denn die Stadt plante, im Almet auf einer Fläche von 14 Hektar eine Industriefläche zu schaffen. Über den Sommer wurde der Protest immer lauter und vor allem größer: 11 239 Menschen unterschrieben letztlich eine Petition, und die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz verstand, dass die Saarbrücker hier alles beim Alten lassen wollten. Die Pläne wurden von der Stadt dann aufgegeben.

Der Juni hatte auch eine kuriose Entdeckung parat: Mitten auf der Saar hatten Witzbolde ein rosa Zelt gestellt. Es leuchtete auf einer Insel aus Treibgut an der Alten Brücke. Die Wasserschutzpolizei wurde alarmiert, das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) schickte Personal. Und keiner der Experten hatte so was je gesehen. Das Zelt war zu beiden Seiten verzurrt, damit es der Wind nicht wegweht. WSA-Chef Albert Schöpflin sagte: "Wenn wirklich einer über die querliegenden Stämme zum Treibgut balancierte, um das Zelt festzumachen, war er in Lebensgefahr." Auch die Polizisten sahen das so und nannten die Aktion groben Unfug. Das rosa Zelt war verschlossen, Schöpflin warf Steine dagegen, um zu schauen, ob jemand drin war. Doch es zeigte sich niemand.

Dann schickte das WSA ein Schiff mit Bagger, das in Saarbrücken für Wartungsarbeiten auf der Wasserstraße stationiert ist. Die Schaufel hob das Zelt langsam und verfrachtete es auf einen Lastkahn. Es war leer.