Ritterzeit ja, aber mit Schwenker

Rund 1000 Fans der Ritterzeit campierten übers Wochenende im Deutsch-Französischen Garten (DFG) und bildeten dabei die lebendige Staffage für die 6. Phantasie- und Mittelaltertage. Die Saar-Schotten hatten sogar einen Schwenker im Gepäck.

Peter Eberz aus Berlin hat die Pest. Die Beulen erheben sich blutig über seiner Stirn. Sein Gewand ist vergammelt. Die Zähne fehlen. Krusten bedecken seine ausgemergelten Arme. Jämmerlich sieht er aus, der Kranke, um den jeder einen Bogen machen würde. Nur nicht im DFG. Dort gehört er als Pestkranker am Wochenende zu den Darstellern der 6. Phantasie- und Mittelaltertage. Drei Tage zieht Eberz durch das Lager, sobald er seine zweieinhalbstündige Schminkprozedur beendet hat. Der Berliner Zirkuspädagoge und Schauspieler spielt den Todkranken, eine Facette des Mittelalters. Andere sind als gefährliche Orks verkleidet, sind Ritter oder Schankwirt oder...

Es ist beeindruckend, dass eben nicht jeder der 1000 Teilnehmer am großen Lager im Deutsch-Französischen Garten ein Ritter ist, sondern eine riesige Gemeinschaft entsteht und jeder seinen Platz einnimmt. So ist Rotraud Sternberg eine Märchenerzählerin, die in einem romantischen Zelt bevorzugt in der Gebrüder Grimms Welten eintaucht. Und Nico Ebing im Schottenrock ist als gelernter Koch aus der gehobenen Gastronomie im Lager der Saar-Schotten seinem Beruf treu. Er empfiehlt: "Nur muss der Schweinebauch auch auf dem Schwenker mariniert sein, sonst schmeckt er nicht." Im Badezuber treffen wir Andreas Rüffler nackt in warmem Wasser. "Es hat 39 Grad, und ich habe mir im Badebuch mehrere Plätze reserviert", sagt er. Die mittelalterliche Badeanstalt bietet nämlich den Platz in der Wanne stundenweise feil. Und wenn Rüffler nicht badet, dann vermietet er im Lagerhotel Schlafplätze im Zelt mit Frühstück an Gäste ohne eigenes Lager.

"Unser Event ist ein Festival. Man kann hier drei Tage Urlaub machen und abschalten, ohne dass man das Lager verlassen muss", sagt Organisator Gerd Denkow. 25 000 Besucher von außen kamen in Vorjahr, um das Lagerleben zu sehen. Und jedes Jahr gibt es etwas Neues. Am Wochenende waren Feen und Elfen im Mittelpunkt. 2016 geht es orientalisch zu. "Wir haben in diesem Jahr schon Zelte der Sarazenen und ein orientalisches Café. 2016 wird noch ein Fakir kommen", sagt Kalibo, Zauberer und Pressesprecher zugleich. So wolle man die Phantasie- und Mittelaltertage abwechslungsreich machen. Dabei war von Monotonie nichts zu sehen. Staunende Zuschauer und zufriedene Lagerleute hatten ihren Spaß, den auch Regen nicht trübte. Bei den Saar-Schotten war der Schwenker überdacht. Da konnte nichts passieren.