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| 20:15 Uhr

Ringwallschüler-Klasse vormittags hinter Gittern

Primstal. Wer geht schon freiwillig in den Knast? Die Klasse 10 M 1 der Nonnweiler Ringwallschule jedenfalls haben ganz freiwillig einen Vormittag in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Saarbrücken verbracht, um den Alltag Inhaftierter kennen zu lernen. Zurzeit sitzen 378 männliche Straf- und 100 Untersuchungsgefangene "auf der Lerch", wie Anstaltsleiterin Birgit Junker mitteilte

Primstal. Wer geht schon freiwillig in den Knast? Die Klasse 10 M 1 der Nonnweiler Ringwallschule jedenfalls haben ganz freiwillig einen Vormittag in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Saarbrücken verbracht, um den Alltag Inhaftierter kennen zu lernen. Zurzeit sitzen 378 männliche Straf- und 100 Untersuchungsgefangene "auf der Lerch", wie Anstaltsleiterin Birgit Junker mitteilte. Die JVA Saarbrücken ist die einzige saarländische Untersuchungshaftanstalt und Einrichtung des geschlossenen Vollzugs im Erwachsenenbereich. Der Jugendvollzug befindet sich in Ottweiler, wohingegen weibliche Inhaftierte aus dem Saarland in der JVA Zweibrücken "sitzen".

Wie aber sieht die Realität hinter den hohen Mauern und den abgeschlossenen Türen aus? Schnell wird jedem Besucher klar, dass der Gefängnisalltag nichts mit den klischeehaften Darstellungen zu tun hat, wie sie bestimmte Fernsehserien vermitteln. Nur sieben bis acht Quadratmeter stehen einem Insassen zur Verfügung - ein knapp bemessener Raum, den er sich manchmal noch mit einem Mithäftling teilen muss. Die Einrichtung der Gefängniszelle wirkt spartanisch: ein Tisch, ein Stuhl, ein kleiner Schrank, ein Etagenbett mit blau-weiß kariertem Bezug, ein Waschbecken, eine Toilette, ein Gitterfenster mit Blick auf die hohen Gefängnismauern. Untersuchungsgefangene verbringen hier den größten Teil ihrer Zeit, denn sie müssen im Unterschied zu den Strafgefangenen keiner geregelten Arbeit nachgehen. Jedem Gefangenen steht eine Stunde Freigang im Gefängnishof zu. Wer randaliert und ausrastet, wird in einer videoüberwachten "Beruhigungszelle" untergebracht, die keinerlei Mobiliar enthält. In Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit der Fixierung auf einem so genannten "Fesselbett", so Junker.

Selbst ausprobieren durften die Schüler Fesselungsformen, wie sie bei gefährlichen Straftätern während eines Transports oder einer Gerichtsverhandlung angewendet werden: Knebelkette, Hand- und Fußfessel oder das "Hamburger Modell", eine Kombination aus Hand- und Fußfessel. Die Anstaltsleiterin betonte, dass das Strafmaß nicht unbedingt entscheidend für die Gefährlichkeit eines Gefangenen sei.

Trotzdem bekamen die meisten Schülern wohl eine Gänsehaut, als sie plötzlich einem leibhaftigen Mörder gegenübersaßen, der in der JVA Saarbrücken eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßt. Es dauerte einige Minuten, dann war die anfängliche Scheu überwunden. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, dem Straftäter Fragen zu stellen. Beispielsweise, ob er sich zum Tatzeitpunkt der Konsequenzen seiner Tat bewusst gewesen sei, ob er mit den Angehörigen des Opfers Kontakt aufgenommen habe, wie seine Kinder mit seiner Inhaftierung zurechtkommen oder wie er sich sein Leben nach seiner Entlassung vorstellt.

Fazit des Besuches in der JVA Saarbrücken: Einem Menschen sieht man es nicht an der Nasenspitze an, dass er ein Straftäter ist. Der Gefängnis-alltag ist extrem starken Reglementierungen unterworfen. Was es aber wirklich bedeutet, seine Freiheit zu verlieren, konnten die Besucher allenfalls erahnen. red