Ringen um sechs Meter Stahl

Die Diskussion nahm breiten Raum ein im Kulturausschuss am Donnerstag: Die FDP macht sich dafür stark, einen neuen Platz für die Stahlskulptur von Gertrude Reum zu finden. Nicht alle im Ausschuss wollten ihr da folgen.

Ist der Vorplatz der Schillerschule gleich gegenüber der Modernen Galerie kein würdiger Platz mehr für eine Skulptur? An dieser Frage scheiden sich offenbar die Geister. Im Kulturausschuss sorgte sie am Donnerstag für eine lebhafte Diskussion. Ausgelöst hat sie die FDP-Fraktion.

Sie will, dass für eine sechs Meter hohe Chromstahl-Skulptur von Gertrude Reum, welche seit 2002 auf dem Platz vor der Schillerschule steht, ein neuer Standort gefunden wird. Andernfalls, warnt die FDP, könnte es sein, dass die Künstlerin ihre Skulptur im Wert von 35 000 Euro aus Saarbrücken wieder abzieht.

Zwar hat Reum nach Angaben des FDP-Kunstsachverständigen Erik Reutler 2002 den jetzigen Standort selbst mit ausgesucht. Doch jetzt, findet FDP-Chef Friedhelm Fiedler, sei der Platz "unwirtlich". Außerdem komme dort kaum mal ein Fußgänger vorbei.

In einem Brief an die Stadt, aus dem die FDP zitiert, hat Reum 2010 erklärt, ein Standort mit optisch passendem Umfeld und Wahrnehmbarkeit durch möglichst viele Bürger sei ihre Bedingung, um die Arbeit der Stadt zu schenken. Monika Schrickel, saarländische Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler BBK und Mitglied der Kunstkommission, zeigte sich entrüstet, "wie hier mit dem Vierten Pavillon umgegangen wird". "Es ist doch eine Ehre, wenn eine Künstlerin ihre Skulptur in der Nähe eines Museums aufstellen kann", findet sie. Auch die Einschätzung, der Platz vor der Schillerschule sei unwirtlich, teilt sie nach einem Vor-Ort-Besuch nicht.

Für Erik Reutler verträgt die Sache angesichts des hohen Alters der Künstlerin jedoch keinen weiteren Aufschub. Nach eigenen Angaben ist er "seit vielen Jahren mit der Familie Reum befreundet". Da Gertrude Reum mit 87 "mental nicht mehr so gut drauf ist, dass sie das alles verfolgen kann", habe er deren Tochter aufgesucht, um sich ihres Einverständnisses zu versichern. Bisher hat die FDP dafür plädiert, die Reum-Skulptur an den künftigen Schifferstraßenplatz an der Berliner Promenade zu versetzen. Für Elisabeth Potyka aber wäre das "ein Affront gegen die Zonta-Frauen". Denn dieser Frauen-Service-Club will zusammen mit der Stadt eine neue Skulptur für diesen Ort im Rahmen eines Künstlerinnen-Wettbewerbs entwerfen lassen.

In der Sitzung zeigte sich die FDP nun auch für Suche nach einem anderen zentralen Standort offen. Deshalb hatten die übrigen Parteien nichts mehr dagegen, Erik Reutler bei seinem Freundschaftsdienst zu unterstützen. Das Thema Künstlerinnen-Wettbewerb wurde nach kurzer Diskussion auf Januar verschoben.