Rettungseinsätze bleiben trotz Blaulicht riskant

Wenn Retter mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind, ist das achtmal so gefährlich wie die Fahrten, für die wir unsere Autos nutzen. Auf die jährlich rund 70 000 Notfalleinsätze im Land kommen in Schnitt zehn Unfälle mit hohem Sachschaden. Personanschäden sind noch seltener. Auch, weil 1800 Rettungsdienstmitarbeiter ein Fahrsicherheitstraining gemacht haben.

Ein Rettungswagen hatte am Samstag in der Innenstadt einen schweren Unfall. Er war mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs und fuhr einem Kombi auf, der unvermittelt die Fahrspur gewechselt hatte. Es gab vier Verletzte. Die Polizei nannte als Ursache Unachtsamkeit beim Fahrspurwechsel (wir berichteten). Das Unglück wirft Fragen auf, die über diesen Einzelfall hinausgehen. Schließlich haben die Fahrzeuge von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr mit Einsatzhorn und Blaulicht besondere Rechte. Andererseits wird deren Fahrern und den übrigen Verkehrsteilnehmern einiges abverlangt. Die Blaulichtfahrer dürfen - Sorgfalt vorausgesetzt - bei Rot über Kreuzungen fahren oder die Saarbahntrasse nutzen. Die übrigen Autofahrer müssen "sofort freie Bahn schaffen", wie es das Straßenverkehrsrecht formuliert, aber ebenfalls besonnen handeln. Was nicht immer klappt. Christian Groß, Referent für den Rettungsdienst beim DRK Saarland, sagte, der normale Führerschein gelte auch für Einsatzfahrzeuge. "Alle Führerscheininhaber dürfen die Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn fahren. Mit dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Saar und dem ADAC werden Handling- und Sicherheitstrainings auf dem Verkehrsübungsplatz in Dudweiler angeboten." Diese seien kostenlos und liefen in original Rettungsdienstfahrzeugen ab. Ziel: sich mit Abmessungen vertraut machen und das Fahrverhalten kennenlernen. Blaulichtfahrten könne man aber nicht proben. Was die anderen Fahrer tun müssen, wenn ein Auto mit Blaulicht anrückt, fasst die Polizei zusammen: "Einspurige Fahrbahnen: Alle Autos fahren nach rechts und bleiben am Rand stehen. Zwei- und mehrspurige Fahrbahnen: Autos auf der linken Spur fahren nach links, alle anderen nach rechts. Entgegenkommenden Einsatzfahrzeugen nach rechts ausweichen, Tempo verringern, eventuell anhalten. Einsatzfahrzeuge auf gleicher Höhe: Langsamer werden, Einsatzfahrzeug einscheren lassen. Rote Ampel: nach rechts ausweichen. Die Haltelinie darf überfahren werden, falls der Verkehr es zulässt."

Den Einsatz, für den der jetzt verunglückte RTW eingeteilt war, übernahm ein anderer Wagen. Wegen der vielen Saarbrücker Rettungswachen bedeutete das keine große Verzögerung.