Regionalverband ist Bunkerland

Dudweiler/Saarbrücken. Dieter Bold kennt sie alle. Und er kennt sie gut: die Bunker in unserer Region. Der heute 65-Jährige war bis zu seiner Pensionierung beim Saarbrücker Amt für Brand- und Zivilschutz tätig. Vor zwei Jahren ging der Mann aus Dudweiler in den Ruhestand, ist aber stets gefragt, wenn es um Details rund um die Anlagen geht

Dudweiler/Saarbrücken. Dieter Bold kennt sie alle. Und er kennt sie gut: die Bunker in unserer Region. Der heute 65-Jährige war bis zu seiner Pensionierung beim Saarbrücker Amt für Brand- und Zivilschutz tätig. Vor zwei Jahren ging der Mann aus Dudweiler in den Ruhestand, ist aber stets gefragt, wenn es um Details rund um die Anlagen geht.

Ende der 1980er-Jahre gab es noch 78 ausgebaute Schutzanlagen in der Landeshauptstadt Saarbrücken mit rund 40 000 Plätzen für die Bevölkerung. Das ist, im Vergleich zum Rest der Republik, eine ganze Menge und hat, so Bold, damit zu tun, dass hier im Zweiten Weltkrieg die Frontlinie verlief (Westwall/Maginotlinie). Es war eben verstärkt mit Fliegerangriffen zu rechnen.

Bis zur deutschen Wiedervereinigung, sagt der Fachmann, habe der Bund enorm viel Geld in Ausbau und Erhalt der alten Weltkriegsbunker gesteckt. Vor allem in Zeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West habe das Engagement für den Zivilschutz extreme Formen angenommen. Viele Millionen seien investiert worden, um die in Vergessenheit geratenen Anlagen wieder herzurichten und zu modernisieren. Modernisieren, etwa durch Lüftungssysteme deshalb, weil nun neue Bedrohungen durch die so genannten ABC-Waffen (atomare, biologische und chemische Waffen) vorhanden waren.

Saarbrücken, sagt Dieter Bold, sei in der Bundesrepublik führend gewesen im Bau von Zivilschutzräumen. Pilotprojekte, etwa die Zivilschutzanlage in Güdingen, Hochstraße, habe der Bund komplett bezahlt. Unsere Geografie mit hügeligem Gelände und Buntsandstein habe sich im Übrigen besonders geeignet zum Bau von Stollen. Wobei auch Hausschutzräume von Privatleuten finanziell gefördert worden seien. Da sich aber nach dem Kalten Krieg die Weltlage zusehends entspannte, war der Geldhahn auch schnell zugedreht.

Heute sind etwa 30 bis 40 Anlagen zur Nutzung für die Zivilbevölkerung noch einigermaßen in Ordnung, viele andere jedoch in desolatem Zustand. Das Problem sei, sagt Dieter Bold, dass die Anlagen, wie und von wem auch immer, vor dem Verfall bewahrt werden müssten, weil ansonsten Gefahr von ihnen ausgehen könnte. Vor allem für Kinder, die es natürlich reizt, solche geheimnisumwitterten Bauten zu erobern. Bis 2005, sagt unser Experte aus Dudweiler, wurden die Saarbrücker Schutzräume noch regelmäßig gewartet und in Stand gesetzt. Althelfer des THW hätten diese Aufgabe gegen ein kleines Honorar übernommen. Und nun sei auch das vorbei.

Bei Katastrophen - an Krieg muss man dabei nicht mal denken - stehen noch einige Luftschutzräume zur Verfügung. In Dudweiler kann beispielsweise die Tiefgarage in der Beethovenstraße sofort umfunktioniert werden. Mit allem, was der Mensch zum Überleben braucht.