Reformschulen lernen voneinander

Um sich darüber informieren zu lassen, wie der Unterricht an der Montessori-Gesamtschule Saarbrücken funktioniert, waren 17 Vertreter von neun Grund- und weiterführenden Schulen angereist.

"Blick übern Zaun" nennt sich ein deutschlandweiter Verbund von 129 reformpädagogisch orientierten Schulen. Der Name ist Programm: Mit überschaubaren Delegationen statten die Mitgliedsschulen einander regelmäßig Besuche ab, um voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu ermutigen. Am Montag nun war die Montessori-Gesamtschule Saarbrücken an der Reihe. 17 Vertreter von neun Grund- und weiterführenden Schulen aus der ganzen Republik schwirrten am Morgen durchs Schulhaus und besuchten alle Klassen.

"Wir kommen nicht als Schulinspektoren mit vorgegebenen Bewertungsbögen," stellte Susan Kayser, Konrektorin einer Grundschule in Gau- Odernheim (bei Mainz) klar. "Wir betrachten uns eher als kritische Freunde, die einfach die Schulatmosphäre wahrnehmen wollen, die Sachen, die gut laufen, und die Sachen, die nicht so gut laufen."

Bisher habe man einen durchweg positiven Eindruck, erklärte Uwe Hehr, Bremer Grundschulleiter und Sprecher des Arbeitskreises der neun Verbundschulen. "Was uns an der Schule hier so beeindruckt, ist die gute Beziehung zwischen Schülern und Lehrern," sagte er, "und dass die Schüler hier zu einer enormen Selbstständigkeit angehalten werden." Ein großes Lob gab es auch für die vielen praktischen Angebote wie das Bienenprojekt und der "außerschulische Freitag", an dem Siebt- und Achtklässler in Altenheimen, Grundschulen, Kindergärten oder einer Gärtnerei tätig werden. Gerade in der Pubertät, wenn die Interessen der Schüler sich verlagern, seien solche Angebote wertvoll, erläuterte Hehr: "Sie gehen raus und machen nützliche Dinge für andere Menschen, die mit dem wirklichen Leben zu tun haben und kommen dann ganz anders zurück in die Schule." Am Nachmittag stellten die Gäste ihre Eindrücke dann dem gesamten Lehrerkollegium und Vertretern des Schul-Trägervereins vor, am Dienstagmorgen gaben sie noch den einzelnen Lehrkräften ein detailliertes Feedback, bevor sie wieder abreisten.

"Für uns ist der ‚Blick übern Zaun' ein wichtiges Forum, auch um einmal andere Schulen kennenzulernen, die ähnlich arbeiten wie wir", lautete das Fazit von Ulli Basselli, Leiter der Saarbrücker Montessori-Gesamtschule. Dem Verbund gehören Schulen aller Formen an, überwiegend öffentliche, aber auch private. Gemeinsam sei ihnen eine Pädagogik, die auf Beziehungsarbeit beruht und das Kind in den Mittelpunkt stellt, sagte Hehr.