Rechnen mit dem ganzen Körper lernen

Rechnen können erleichtert den Alltag. Für Menschen mit Downsyndrom bedeutet das einen weiteren Schritt zu einem selbstbestimmten Leben. In einem Seminar wurden nun Lehrer in der neuen Rechenmethode geschult.

Auch Kinder mit Behinderung können zählen lernen, nur eben auf eine andere Art und Weise - mit den Fingern und dem Körper. Der Verein Saar 21 Downsyndrom hat zusammen mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) in Dudweiler auf zwei Seminaren für Lehrer eine neu entwickelte Lernmethode vorgestellt. Sie heißt "Yes we can…calculate" (Ja, wir können rechnen) und ist Teil eines von der EU geförderten Bildungsprogramms. Hier wird aktiv der Körper in Addition, Subtraktion und auch in eingeschränkter Weise in die Multiplikation und Division einbezogen. Mario Jakobs, Vater eines Jungen mit Downsyndrom, leitet den Verein und engagierte sich mit weiteren Eltern, Sponsoren und Fördermitgliedern und machte so das Seminar möglich.

Mit leichtem Druck auf eine bestimmte Körperstelle machen die Kinder ihren Körper zu einer Art Taschenrechner. "Durch diese Art zu rechnen werden im Gehirn die zuständigen Rechenzonen aktiviert. Das Begreifen entwickelt sich aus dem Greifen", erklärt Referentin Heike Schata. Menschen mit Downsyndrom sollen dadurch den Umgang mit Geld und der Uhr erlernen und so einen Schritt in Richtung Eigenständigkeit machen.

Es gibt Zahlenreihen und 1x1-Reihen. Die Zahlenreihen werden an den Händen "abgelegt": Die Knöchel der rechten Hand symbolisieren von links nach rechts die Zahlen 60, 70, 80, 90 und 100. Im Gesicht und an Armen und Beinen werden die 1x1 Reihen "abgespeichert". Ein Kind lernt, das Berühren des Kinns mit einem Finger steht für 2x2, die Antwort dort ist vier - für 3x2 berührt das Kind seinen Mund - dann meldet das Körpergedächtnis zurück: sechs.

"Das ist ganz nah bei den Kindern", sagte Monika Raber, Lehrerin am Saarbrücker Förderzentrum. Die Methode führe zu einer Verinnerlichung des Rechnens, die bisher nicht möglich gewesen sei. Es werde mit Reizen gearbeitet, so könnten viele Schwächen der behinderten Kinder kompensiert werden.