Razzia in Saarbrücker Großbordell

Seit der Eröffnung des Burbacher Großbordells im Juli ist das Etablissement in der Öffentlichkeit und bei der Politik umstritten. Eine Razzia am Sonntagabend nährt nun den Verdacht illegaler Machenschaften.

Bei einer internationalen Polizeirazzia im Rotlicht-Milieu sind am Sonntagabend auch das umstrittene Großbordell "Paradise" in Burbach sowie eine Terminwohnung in Saarbrücken durchsucht worden. Bei der Polizeiaktion in sechs Bundesländern, Österreich, Bosnien und Rumänien wurden insgesamt fünf Menschen festgenommen. Unbestätigten Berichten zufolge soll darunter auch "Paradise"-Geschäftsführer Michael Beretin sein, manch' einem bekannt aus der RTL 2-Reihe "Rotlichtexperten im Einsatz". Beretin und der Stuttgarter Bordellbetreiber Jürgen Rudloff waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Anlass für die Razzia war ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei und des gewerbsmäßigen Betrugs. Gegenüber der SZ wollte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart keine Angaben zu den verhafteten Personen sowie zu den Orten ihrer Festnahme machen. Auch zu möglicherweise entdeckten Opfern von Menschenhandel gab es weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Polizei eine Auskunft.

Augenzeugen berichten, dass Polizisten bei der Razzia am Sonntagabend in Burbach die Personalien von allen "Paradise"-Angestellten und sämtlichen Gästen aufnahmen. Eine Einsatzgruppe des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg wurde dabei von insgesamt 200 saarländischen Beamten unterstützt, wie ein Polizeisprecher bestätigte.

Nach offiziellen Angaben waren insgesamt vier Großbordelle, fünf Geschäftsräume, 28 Wohnungen und 14 Fahrzeuge im Saarland, in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen sowie in Österreich, Bosnien und Rumänien durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das baden-württembergische Landeskriminalamt ermitteln seit Jahresbeginn gegen 15 Beschuldigte. Sie stehen im Verdacht, Frauen unter 21 Jahren der Prostitution zugeführt und überwacht zu haben. Mehrere von ihnen sollen der rockerähnlichen Gruppierung "United Tribunes" aus Stuttgart und Bosnien angehören. Zudem bestehe der Verdacht, dass Geldgeber unter Vortäuschen falscher Tatsachen zu Investitionen in Bordelle verleitet wurden. Bei den Durchsuchungen seien unter anderem eine Pistole, Bargeld, Computer und Geschäftsunterlagen sichergestellt worden, hieß es.

Anlässlich der Razzia haben die Saar-Grünen gestern mehr Kontrollen im Prostitutionsgewerbe gefordert. Fraktionschef Hubert Ulrich kritisierte, dass es dafür jedoch nicht genügend Beamte gebe. Eugen Roth , Vize-Fraktionschef der SPD , wies das zurück: Laut Polizei reiche das Personal aus. Zudem sei es besser, gezielte Kontrollen durchzuführen, statt "wie wild" ohne Anlass zu kontrollieren. Das gehe oft zulasten der Prostituierten. Die Linke forderte, Selbsthilfegruppen zu stärken. Nur so könne den Frauen mehr Schutz geboten werden.