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RAG-Chef Bernd Tönjes: Die Grubenflutungen werden intensiv kontrolliert

Der Göttelborner Förderturm ist ein Symbol des Saar-Bergbaus. Jahre nach dessen Ende will man viele Gruben fluten. Foto: ver
Der Göttelborner Förderturm ist ein Symbol des Saar-Bergbaus. Jahre nach dessen Ende will man viele Gruben fluten. Foto: ver FOTO: ver
Für den Vorstandsvorsitzenden des Bergbau-Konzerns RAG, Bernd Tönjes, sind die nötigen Sicherheitsvorkehrungen für die Grubenflutungen getroffen. Während des Flutungsprozesses werde es größtmögliche Transparenz geben. Das Gespräch mit Tönjes führte SZ-Redakteur Lothar Warscheid.

Wann wird die RAG ihre planerische Mitteilung schicken, damit das Genehmigungsverfahren für den ersten Abschnitt der Grubenflutung an der Saar starten kann?

Tönjes: Wir haben unsere Pläne bereits im Frühling 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt. Transparenz ist unser vorrangiges Anliegen. Wir wollen nun - fast ein Jahr später - kurzfristig in die Genehmigungsphase für den ersten Teilanstieg bis minus 320 Meter einsteigen und dann auch unsere intensive Öffentlichkeitsarbeit fortführen. Es sind zahlreiche Informationsveranstaltungen im ganzen Land geplant, in denen wir unser Grubenwasserkonzept noch einmal detailliert vorstellen und zu allen Fragen Rede und Antwort stehen. Zusätzlich werden wir in den Bergbaukommunen schriftliche Bürgerinformationen in allen Haushalten verteilen und eine Internetseite speziell zum Grubenwasserkonzept Saar einrichten.

Es ist nicht die erste Flutung im Saar-Revier. Welche hat es bisher schon gegeben (zum Beispiel Warndt) und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Tönjes: In der Tat. Grubenwasser ist bereit in der Vergangenheit an zahlreichen Bergwerksstandorten, beispielsweise auf Viktoria, Camphausen, im Warndt - und hier gemeinsam mit den französischen Bergwerken -, kontrolliert angestiegen. Das hat völlig reibungslos funktioniert. Durch den Anstieg gab es lediglich geringfügige Bodenbewegungen, die in keinem Fall zu Bergschäden geführt haben. Wir haben die Entwicklung an diesen Standorten ganz genau beobachtet und stehen in engem Informations- und Erfahrungsaustausch mit den französischen Kollegen. Denn die Geologie und die Rahmenbedingungen für den Anstieg ändern sich ja nicht automatisch an einer Staatsgrenze.

Wie groß ist die Gefahr, dass das Grubenwasser mit Grund- und Trinkwasser in Berührung kommt?

Tönjes: Die Gefahr sehen wir nicht. Der Schutz des Grund- und Trinkwassers hat oberste Priorität. Wir halten einen großzügig bemessenen Sicherheitsabstand. Außerdem sind im Saarland die Trink- und Grundwasserhorizonte durch eine wasserundurchlässige Schicht nach unten abgedichtet, so dass auch aus diesem Grunde eine Durchmischung mit Grubenwasser nicht zu befürchten ist. Bestünde eine Gefahr, würden wir unser Grubenwasserkonzept nicht umsetzen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass unterirdisch gelagerte Stoffe (Asbestzement, Gießerei-Sande, Sprühabsorptions-Asche, Flugasche-Zementgemisch) zu einer Gefahr für das Grundwasser oder die Saar werden?

Tönjes: All diese Stoffe wurden schon damals bei den Saarbergwerken, als der saarländische Bergbau noch in den Händen des Landes und des Bundes war, so eingebracht, dass keine Gefahr davon ausgehen kann. Und schon jetzt durchsickert das Grubenwasser ja diese Bereiche, in denen sich Reststoffe befinden. Wir kontrollieren sehr intensiv unser Grubenwasser - ebenso wie die Bergbehörde. Wir haben bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Stoffe eine Gefährdung für das Trink- und Oberflächenwasser darstellen.

Wie gefährlich sind die PCB-haltigen Hydraulik-Öle, die unter Tage eingesetzt wurden, für das Grundwasser und die Saar ?

Tönjes: PCB wurde bis in die 80er Jahre bei den Saarbergwerken eingesetzt, weil es Gefahren vermeiden sollte. PCB-haltige Flüssigkeiten brennen nicht. Vorher hatte brennbares Mineral- und Hydrauliköl in Belgien zu einem verheerenden Grubenunglück geführt. Als die Gefahren, die vom PCB ausgehen, bekannt wurden, wurden PCB-haltige Flüssigkeiten ersetzt. Bis dahin waren aber schon große Teile dieser Flüssigkeit unter Tage diffus ausgelaufen. Wie viel davon dort verblieben ist, wieviel beispielsweise mit Kohle und Bergen nach über Tage transportiert wurde, lässt sich heute seriös nicht beantworten. Tatsache ist aber: Unsere aktuellen Messungen zeigen, dass wir mit dem PCB im Grubenwasser unter der Nachweisgrenze liegen. Bei einer Untersuchung der Saar vor einigen Jahren wurde festgestellt, dass der Anteil des Bergbaus am gesamten PCB in der Saar bei weniger als einem Prozent, genau bei 0,65 Prozent, liegt. Also mehr als 99 Prozent stammen nicht vom Bergbau!

Sind Sie in der Lage, den Anstieg des Grubenwassers jederzeit zu kontrollieren und eventuell zu stoppen?

Tönjes: Ja. Genau das sieht unser Grubenwasserkonzept Saar vor. Mit Tauchpumpen können wir an unseren Grubenwasserstandorten jederzeit den Anstieg stoppen.

Welche Mehrkosten kämen nach heutigen Berechnungen auf das Unternehmen zu, wenn der geplante Abfluss in die Saar im Jahr 2035 nicht zu Stande käme und Sie ewig pumpen müssten?

Tönjes: Natürlich sind wir aufgefordert, mit dem Geld für die Grubenwasserhaltung verantwortungsvoll umzugehen. Das heißt jedoch nicht, dass wir am falschen Ende sparen. Der Schutz des Trinkwassers ist für die RAG von größter Bedeutung. Und das ist keine Frage von Kosten. Und darf es auch nicht sein.

Wer würde diese Kosten am Ende tragen?

Tönjes: Die Finanzierung ist durch vertragliche und gesetzliche Regelungen sicher gestellt. Solange, wie die Rücklagen der RAG-Stiftung ausreichen, und davon gehen wir aus, wird ausschließlich dieses Geld verwendet. Sollte es nicht ausreichen, müssen allerdings Land und Bund das Defizit ausgleichen.

Weitere Infos zum Thema Grubenwasser in unserem Online-Dossier unter: www.saarbruecker-zeitung.de/grubenwasser


Bernd Tönjes, Chef des RAG-Konzerns. Foto: Becker&Bredel
Bernd Tönjes, Chef des RAG-Konzerns. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel