| 20:37 Uhr

Radioaktiver Müll kommt jetzt nach Rheinland-Pfalz

Die dicken Mauern des Westwall-Bunkers in Schwalbach-Elm schirmten die radioaktive Strahlung ab. 2012 wurden die Landessammelstelle geleert. Foto: Rolf Ruppenthal
Die dicken Mauern des Westwall-Bunkers in Schwalbach-Elm schirmten die radioaktive Strahlung ab. 2012 wurden die Landessammelstelle geleert. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Saarbrücken/Mainz. Künftig soll radioaktiver Abfall aus dem Saarland in ein Zwischenlager im Kreis Birkenfeld gebracht werden. Auch der Nuklear-Müll aus der Sammelstelle im Westwall-Bunker in Schwalbach-Elm soll umziehen. Ute Kirch

Das Saarland kann radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung künftig in Rheinland-Pfalz entsorgen. Wie das saarländische Umweltministerium auf SZ-Anfrage mitteilte, hat der Ministerrat in Mainz am 5. April einem entsprechenden Verwaltungsabkommen zugestimmt. Jetzt ist die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) am Zug, das Abkommen auf Verwaltungsebene abzuschließen. Auch im Saarland muss noch der Ministerrat zustimmen. Doch sei angestrebt, dass die Vereinbarung so schnell wie möglich greife, hieß es.

Bereits im Jahr 2012 sei die einzige saarländische Landessammelstelle für radioaktive Abfälle, der ehemalige Westwall-Bunker in Schwalbach-Elm, komplett geleert worden, teilte das saarländische Umweltministerium nun auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das Zwischenlager sei seit 1964 in Betrieb. Seitdem seien im Saarland rund 1,5 Kubikmeter radioaktive Abfälle angefallen. Diese schwach- und mittelradioaktiven Abfälle seien zu einem externen Anbieter gebracht worden. Dieser bereite den strahlenden Müll, sofern er nicht recycelbar ist, so auf, dass er in einem Endlager untergebracht werden kann, sagte das Ministerium weiter. Dieser Prozess, der vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt werden müsse, sei sehr aufwendig und dauere mehrere Jahre, hieß es. Dafür würden die Rohabfälle - falls erforderlich - dekontaminiert, mechanisch volumenkomprimiert, verdampft oder verbrannt und in geprüfte Behälter verpackt. Diese Gebinde, voraussichtlich zehn Fässer mit einem Volumen von jeweils 200 Litern, eigneten sich nicht für die weitere Zwischenlagerung in Schwalbach-Elm. Sie seien für die dortigen Räumlichkeiten schlicht zu groß. Die Fässer sollen daher nach der Aufbereitung in das rheinland-pfälzische Sammelstelle in der Gemeinde Hoppstädten-Weiersbach (Landkreis Birkenfeld) transportiert werden. Dieses Zwischenlager biete nämlich ausreichend Platz und zusätzlich eine bessere technische und personelle Infrastruktur. Das rheinland-pfälzische Zwischenlager gibt es seit 1972, es wurde - den Angaben der offiziellen Webseite zufolge - 1982 und 1988 erweitert und 2007 teilerneuert. Das Umweltministerium weist ausdrücklich daraufhin, dass es bezüglich des Westwall-Bunkers keine Sicherheitsbedenken gab, die eine Leerung der Sammelstelle in Elm notwendig gemacht hätten.

Vorgesehen ist weiter, dass auch alle neu im Saarland anfallenden radioaktiven Abfälle ohne Umwege nach Rheinland-Pfalz kommen. Geplant ist, dass die Rheinland-Pfälzer den radioaktiven Müll direkt bei den Erzeugern im Saarland abholen und zwischenlagergerecht aufbereiten. Das bedeutet, dass die Abfälle sortiert, nach Stoffen gelistet erfasst und in geeignete Behälter verpackt werden.

Vor allem in der Medizin werden für spezielle Untersuchungen, etwa zur Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen, bei der Tumortherapie oder bei Laboranalysen radioaktive Präparate eingesetzt. Aber auch in der Industrie wird die Radioaktivität von Stoffen genutzt, etwa bei der Altersbestimmung von Objekten, Materialprüfungen und Füllstandsmessungen. Auch in Prüfstrahlern zur Eichung von Messgeräten finden sich radioaktive Stoffe. Radioaktive Abfälle dieser Kategorien werden in Hoppstädten-Weiersbach zwischengelagert. Abfälle aus Kernkraftwerken, hochradioaktive Abfälle oder kontaminierte Materialien aus dem Betrieb oder Rückbau von Akw werden dort nicht untergebracht, schreibt das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt auf der Homepage der Landessammelstelle.

Es werden für die neue Vereinbarung keine weiteren als die bisher existierenden Kosten anfallen, heißt es aus dem saarländischen Umweltministerium weiter. Aktuell beliefen sich die jährlichen Betriebskosten für die Landessammelstelle in Schwalbach-Elm auf zirka 10 000 Euro. Der Westwall-Bunker soll als Zwischenlager erhalten bleiben, künftig aber nur noch in "möglichst geringem Umfang" genutzt werden. Das Atomgesetz schreibe jedem Bundesland vor, eine solche Landessammelstelle vorzuhalten.

Aber auch in Rheinland-Pfalz sollen die radioaktiven Abfälle nicht ewig bleiben. Auf lange Sicht sollen die Abfälle im Schacht Konrad im niedersächsischen Salzgitter endgelagert werden. Der für die Errichtung des Endlagers vorgesehene Zeitplan werde jedoch nicht eingehalten. Die geplante Inbetriebnahme des Endlagers im Jahr 2019 sei nicht mehr realistisch, so das Umweltministerium abschließend.