Quartier zeigt viele Gesichter

Seit acht Jahren entwickelt die städtische Gesellschaft GIU das Gelände zwischen Hauptbahnhof und Rodenhof. Es war frei, seit die Bahn auf Gleise und Bahnsteige verzichtet hatte.

 So soll die neue Tanzschule aussehen. Grafik: ARMIGRU
So soll die neue Tanzschule aussehen. Grafik: ARMIGRU

"Wir waren noch nie hier, das liegt ja nicht so auf unserem Weg", erzählt die ältere Dame und genießt vor dem Kulturzentrum am Eurobahnhof die warmen Sonnenstrahlen bei Kaffee und Kuchen. Per Bus ist sie mit ihrem Mann aus Dudweiler gekommen, um endlich einmal das neue Stadtviertel hinter dem Hauptbahnhof kennenzulernen. So wie dem Paar erging es etlichen Menschen, die sich am Samstag zum Tag der offenen Tür ins Quartier Eurobahnhof aufmachten.

Das zehn Hektar große Gelände zwischen Bahnhof und Rodenhof, das die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) seit 2007 zu einem Büro- und Kulturviertel entwickelt, war für sie Neuland. "Wir waren überrascht, wie viele Leute gekommen sind", sagt Karoline Bommersbach von der Stiftung Demokratie Saarland (SDS). Die SDS ist die jüngste "Bewohnerin" des Quartiers. Das Tagungs- und Seminargebäude, das sie sich gleich neben dem Bahnhof am Gleis gebaut hat, wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet.

Nicht alle der über 30 Unternehmen und Institutionen im Quartier hatten ihre Türen geöffnet. Beim B&B Hotel, ein paar Meter weiter an der Europaallee, führte Geschäftsführer Museg Tarasjan die Neugierigen sogar in die Hotelzimmer. "Die Entscheidung, mit dem Hotel hier an den Bahnhof zu gehen, war goldrichtig", sagt er. Im "QBus 1" schräg gegenüber nahm Henning Völksen von symnTec die Besucher mit in den Keller, um ihnen die hocheffiziente Heiztechnik des ersten Passiv-Bürogebäudes im Saarland zu zeigen.

Besonders viele Rodenhofer, aber auch die saarländische Umweltstaatssekretärin gingen mit ihm treppab. Geradezu Trubel herrschte an der ehemaligen Buswerkstatt, in der gleich sechs Unternehmen ein neues Zuhause gefunden haben. Neben der "Trattoria Vino di Salento", bei der man sich italienisch stärken konnte, erklärten Christian Gessner und seine Mitstreiter von Ligatura an diesem Tag rund 50 Besuchern, was ein "Co-Working-Space" ist, während Kinder vergnügt den Asphalt bemalten.

Neben den Landschaftsarchitekten Dutt&Kist, der Wissenswerkstatt und der Galerie Zimmerling konnte sich vor allem das neue Fitnesscenter Campus vor Interessenten kaum retten. "Es wird ja immer nur gemeckert", sagt der Rentner aus Scheidt, der hier gerade mit seiner Frau aus der Tür tritt und den Blick noch einmal übers ganze Quartier schweifen lässt. "Aber man muss das doch auch mal loben", findet er. "Ich bin ganz begeistert, was hier gemacht worden ist."Unter dem Motto "2016 - Es kommt etwas ganz Großes" kündigte die Saarbrücker Tanzschule Bootz-Ohlmann gestern den über 1000 Quadratmeter umfassenden Neubau ihres Stammhauses in der Landeshauptstadt an. Auf dem noch leeren Baugrundstück im Quartier Eurobahnhof dürfe schon in einem Jahr getanzt werden, so Geschäftsführer Ramon Gechnizdjani. Hierfür stünden den etwa 2000 Kunden dann fünf klimatisierte Säle mit insgesamt 400 Quadratmetern Tanzfläche zur Verfügung.

"Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich in Punkto Angebot und Unterrichts-Gestaltung sehr viel verändert", sagt der Tanzlehrer. Die bisherigen Räumlichkeiten des 106 Jahre alten Unternehmens in der Brauerstraße seien deshalb nicht mehr zeitgemäß. Der neue Standort soll mit moderner Licht-, Ton- und Medientechnik ausgestattet werden sowie einen Bistro- und Barbereich, 40 Parkplätze und eine Terrasse umfassen. Diese und die Säle sollen auch für hauseigene Veranstaltungen und Feste wie Hochzeiten genutzt werden. Die Investitionshöhe wollte Gechnizdjani dagegen noch nicht nennen.