Quartett sorgt für großes Hörvergnügen

Der Syrer Adel Naser hat sich in eine Geige verliebt, aber ihm fehlte das Geld für das teure Musikinstrument. Also trat er mit zwei Landsleuten und dem deutschen Jazzmusiker Rudi Schaaf im Raum für Musik auf. Das Publikum war begeistert und spendete fleißig.

Es war Liebe auf den ersten Ton, erzählt Petra Pabst von der Musikschule Sulzbach-Fischbachtal. Sie machte den syrischen Geiger Adel Naser mit dem Geigensammler und Geigenbauer Julius Kirsch aus Heiligenwald bekannt. Beim Stöbern in Kirschs Sammlung habe Adel Naser immer wieder jenes nach seinem Gusto besonders wohlklingende Exemplar angespielt: Laut dem durch die F-Löcher zu erspähenden Geigenzettel handelt es sich um eine italienische Violine von 1837.

Adel Naser durfte das Instrument zwar bereits spielen, für einen endgültigen Kauf machte Julius Kirsch freilich ein Freundschaftsangebot von 900 Euro. Da der 29-jährige Syrer - er kam vor einem Jahr und acht Monaten aus Aleppo nach Deutschland und will hauptberuflich in der Apotheken- und Chemiebranche arbeiten - soviel nicht aufbringen konnte, wurde emsig gesammelt. So auch nun am Freitag beim "Benefizkonzert für eine Geige " im Raum für Musik in der Mainzer Straße 52. Hier war der Andrang so groß, dass zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschleppt werden mussten.

Im Quartett um Adel Naser (Geige ) war neben dessen Landsleuten Yossef Alajati (Geige ) und Jamal Schamieh (Trommeln) auch Rudi Schaaf am Kontrabass zu hören. Schaaf ist ein bekannter Jazzmusiker (Trio Ohr) und Dozent an der Musikschule Sulzbach-Fischbachtal, er bringt bereits Erfahrungen im Unterrichten von immigrierten Musikern mit: Schaaf arbeitete mit Adel Naser bereits beim Projekt "Ankommen" zusammen. Den neuen Vierer taufte Schaaf in Anspielung auf Nasers in unseren Ohren markanten Vornamen augenzwinkernd "Adel verpflichtet". Zu hören gab's nun arabische Kunst- und Volksmusik.

Und obwohl kurzfristig einstudiert, bereiteten die aus der Türkei, dem Libanon bis Syrien stammenden Noten in den "Adel verpflichtet"-Händen Hörvergnügen. Unwiderstehlich schlangenbeschwörerisch orientalisch war das Parfüm, das die meist in gemeinsamen Bögen ihre Bahnen ziehenden Melodielinien der beiden Violinen verströmten.

Im rhythmischen Verein mit dem sensibel trommelnden Perkussionisten hatte Kontrabassist Rudi Schaaf allerhand synkopische Betonungen und ungewohnte Rhythmuswechsel zu meistern. Wie in unseren Breiten auch kündete die Musik nicht selten von Liebe und Sommer; sie animierte zum Mitwippen und ging unter die Haut. Das begeisterte Auditorium zeigte sich spendabel, und Adel Naser darf nun das geliebte Instrument sein Eigen nennen.