Prozess um Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge

Ein Radfahrer wird in Saarbrücken von einem Lkw erfasst und stirbt. Nun steht der Fahrer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Ganz in Schwarz gekleidet mit Sweatshirt und Jogginghose, den Blick gesenkt, sitzt der 26-Jährige regungslos auf der Anklagebank im Saarbrücker Amtsgericht. Neben ihm übersetzt die Dolmetscherin die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die ihn der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Der rumänische Lkw-Fahrer soll im vergangenen September bei einer Trunkenheitsfahrt durch Saarbrücken einen Fahrradfahrer überfahren haben, der an seinen schweren Verletzungen starb. Statt beim Zusammenstoß an der Kreuzung zwischen Mainzer Straße und Hellwigstraße sofort anzuhalten, fuhr Ionel H. weiter. "Der Körper des Geschädigten wurde von dem Lkw noch circa 350 Meter mitgeschleift", heißt es in der Anklageschrift. Bei diesen Worten des Staatsanwaltes kann die Mutter des 28-jährigen Opfers ihre Tränen nicht zurückhalten.

Doch nicht nur sie erinnert sich an diese Todesfahrt durch Saarbrücken an einem leicht regnerischen Samstagabend. Am ersten Prozesstag schildern insgesamt 21 Zeugen, was sie in dieser Nacht erlebten. Während der Fahrradfahrer noch an der Unfallstelle seinen massiven Schädel-Hirn-Verletzungen erlag, fuhr Ionel H. weiter und zwar auf der Saarbahntrasse. Bauarbeiter, die dabei waren, auf dem gegenüberliegenden Gleis Schleifarbeiten durchzuführen, kamen mit dem Schrecken davon. So auch der 32-jährige Saarbahn-Fahrer, der ein paar hundert Meter weiter am Landwehrplatz gerade anhielt und sah, wie ihm der Lkw entgegenkam. "Es ging alles so schnell, plötzlich war der Lkw da und fuhr auf mich zu. Ich wollte meine Kabine verlassen, hatte aber keine Zeit mehr. Alles ging so schnell. Gott sei Dank ist er kurz vor knapp noch ausgewichen", berichtet er. Nur dadurch seien noch mehr Tote an diesem Abend verhindert worden. Doch Ionel H., der seit einem Jahr für ein norddeutsches Speditionsunternehmen arbeitet und an dem Abend frei hatte, ließ sich nicht aufhalten. Erst am Hauptbahnhof stoppte ein Betonpfeiler die wahnsinnige Fahrt.

Zu der Tat selbst will sich der Beschuldigte nicht äußern. Über seinen Anwalt Clemens Schug lässt er mitteilen, dass er die volle Verantwortung für das Unglück übernehme und bedauere, dass ein Mensch dabei ums Leben kam.

Dass Ionel H. bei der Tat betrunken war, steht fest, ergab eine Blutprobe doch eine Alkoholkonzentration von 2,45 Promille. Ob und inwiefern dieser Zustand seine Schuldfähigkeit mindert, will das Gericht im weiteren Verlauf der Verhandlung durch Aussagen verschiedener Gutachter herausfinden. Diese sollen außerdem Auskunft darüber geben, ob das Opfer selbst unter Einfluss von Drogen stand.