Protokollchef verlässt das Rathaus

Als Protokollchef im Rathaus ist Werner Theis vielen Promis begegnet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und der frühere Bond-Darsteller Roger Moore. Theis hat souverän alle Situationen gemeistert. Seine Erlebnisse will er in einem Buch festhalten.

Als Werner Theis mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler , Kanzlerin Angela Merkel, Minister Wolfgang Schäuble und anderen Bundespolitikern plötzlich allein im Raum war, wo er doch nur die Amtskette der Oberbürgermeisterin und das Goldene Buch verwahren sollte, half nur noch ein Trick. Oberbürgermeisterin Britz war gerade dabei, weitere Gäste des Tags der Deutschen Einheit zu begrüßen. Das dauerte.

Also löste Theis das Problem saarländisch und eröffnete kurzerhand das Büfett. Die Politiker stärkten sich, Britz kam später, und das Protokoll war auf den Kopf gestellt. Improvisation ist alles.

Theis, der Protokollchef im Rathaus, geht nun in wenigen Tagen in den Ruhestand . 31 Jahre hat er Empfänge organisiert, Gäste empfangen, große Ereignisse verantwortet. Als Teilnehmer an einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme hatte der ausgebildete Gymnasiallehrer angefangen, schrieb für die Stadt ein Buch über die Partnerstadt Nantes. Es folgten Werke über den Widerstandskämpfer Willi Graf oder die von ihm verfasste Broschüre über das Rathaus.

Der geborene Quierschieder managte die Unicef-Gala in Saarbrücken , erzählt von einem Stadtbummel mit James-Bond Darsteller Roger Moore , von Blacky Fuchsberger oder von Franz-Josef Strauß , der sich am Rande einer Ministerpräsidentenkonferenz vom Bierwagen einer Hochzeitsgesellschaft am Rathaus zum Umtrunk habe einladen lassen. Kurzerhand seien alle Ministerpräsidenten zum Biertrinken vors Rathaus gegangen. Der Champagner des Oberbürgermeisters blieb damals stehen. Das alles ist Jahre her.

Die Erinnerungen wird Theis in einem Buch verarbeiten. "Das wird aber ein positives Werk. Es war nicht immer nur lustig im Rathaus, aber es war ein toller Job", sagt er. Im Ruhestand will er weiter Musik machen und als stellvertretender Landesvorsitzender des Reservistenverbandes engagiert bleiben. Auch Kriegsgräber-Workcamps mit Jugendlichen wird er weiter organisieren. Denn "Organisieren" war immer sein Job.