Protest gegen Projekt Im Wittum

Für die Nachbarn ist das Grundstück „Im Wittum“ ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Für die Gruppe „Gemeinsam wohnen Im Wittum“ ist es einfach nur ein verwildertes Gelände, wo ein neues, vielseitiges Wohngebäude entstehen soll.

Es ist kurz vor 11 Uhr am Samstagvormittag. Drinnen im Café Schniss in Alt-Saarbrücken will Roswitha Fischer, Sprecherin des Bauprojekts "Gemeinsam wohnen Im Wittum", die neuesten Pläne für die Wohnanlage in Alt-Saarbrücken vorstellen. Draußen steht Hans-Peter Becker mit Mitgliedern einer Bürgerinitiative, die gegen das Bauprojekt ist. Sie sind aufgeregt und verteilen Handzettel.

Doch es ist zu spät, sagt Fischers Ehemann, Klaus Wackernagel. Er erklärt der kleinen Gruppe, dass der Bebauungsplan bereits rechtskräftig ist. "Wir wollen uns als Anwohner gegen das Projekt wehren", ruft Becker trotzdem. Er fühlt sich ignoriert.

Die Initiative gegen das Bauprojekt hätte 200 Unterschriften für den Erhalt der Grünanlage "Im Wittum" gesammelt und nichts wäre passiert. "Das ist nicht wahr", berichtet Fischer: "Es gab Anhörungen, in denen die Anwohner ihre Bedenken äußern konnten, danach Diskussionen. Auch deshalb wird es in dem Baugebiet keine Durchfahrtsstraßen geben. Wir werden außerdem für die Nachbarschaft einen Quartiersplatz mit Grillplatz bauen."

Die Stadt wäre den Wünschen der Anwohner entgegengekommen. Statt der von der Bürgerinitiative gewünschten zweistöckigen Bebauung entstehe aber ein viergeschossiges Gebäude. "Das ist trotzdem niedriger als die fünfgeschossige Randbebauung", sagt Fischer. Ende Oktober oder November rechnet sie mit der Baugenehmigung. Dann kann der Bau beginnen.

Für die Bürgerinitiative handelt es sich bei dem Baugebiet um einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Für die Initiatoren des Bauprojekts ist es ein unbegehbares, verwildertes und dreckiges Grundstück. Mit Problemen wie Hitzestau und zunehmendem Verkehrslärm rechnen sie später nicht. Da lediglich Zufahrtsstraßen gebaut werden, gäbe es auch keinen erhöhten Verkehr, sagt Fischer. Die Bauphase wäre nach jetzigen Plänen im Frühjahr 2016 abgeschlossen. Außerdem nimmt das Bauprojekt mit seinen 18 Wohnungen, in die Fischer und ihr Mann auch selbst einziehen, lediglich ein Fünftel des Baugrundstücks ein, berichtet sie. "Und genau so wie es immer Leute gibt, die gegen etwas sind, haben wir auch Befürworter", ergänzt Wackernagel.

Interessenten für die Wohnungen sind vorhanden. In dem Gebäude entstehen Wohneinheiten in verschiedenen Größen. Es wird eine Tiefgarage geben, die mit einem Autoaufzug erreichbar sein wird. Die Wohnanlage soll dazu einen Gemeinschaftraum bekommen, in dem sich die Bewohner treffen können. Gerade ältere Menschen sollen so Anschluss und Hilfe bekommen. Aber auch Familien sind willkommen. Interessenten können die Wohnungen kaufen oder mieten.

Der Kaufpreis reicht von 2500 Euro pro Quadratmeter im Erdgeschoss bis zu 2800 Euro im Dachgeschoss. Der Mietpreis liegt zwischen acht und neun Euro pro Quadratmeter, die geschätzten Nebenkosten bei zirka 2,50 Euro pro Quadratmeter. Weitere Informationsveranstaltungen sind im April und Mai. Endgültige Pläne und Preise gibt es nach Angaben Fischers in sechs bis acht Wochen.