Primeur unterm Weihnachtsbaum

„Alle Jahre wieder kommt das Primeurfest“, könnte es in diesem Jahr heißen. Denn der junge Wein wird nächsten Donnerstag auf dem St. Johanner Markt inmitten der Christkindl-Markt-Buden ausgeschenkt.

Dicht an dicht drängen sich Massen von Menschen am dritten Donnerstag eines jeden Novembers auf dem St. Johanner Markt. Denn an diesem Tag wir traditionell der Primeur ausgeschenkt. Ein Ereignis, das sich in Saarbrücken längst zu einer Art Kult-Veranstaltung entwickelt hat. Nicht nur Weinliebhaber genießen dann, zur großen Freude der Wirte, meistens mehr als nur ein Gläschen Primeur.

Am kommenden Donnerstag, 21. November, wird das Gedränge wohl noch etwas dichter, weil bereits mit dem Aufbau des Christkindl-Marktes begonnen wurde. Zwar sind die Wirte am Markt nicht unbedingt begeistert davon, aber sie nehmen es eher gelassen hin.

"Das ist in diesem Jahr natürlich dumm gelaufen, weil der 1. November ein Freitag war und der dritte Donnerstag somit erst spät im November ist. Aber es kann ja niemand was dafür. Die Winzer werden den Primeur nicht früher ausliefern, und Weihnachten wird sicher auch nicht nach hinten verlegt. Das Primeurfest ist nämlich der umsatzstärkste Tag im sonst eher mauen November", sagt Jochen Gräser, alteingesessener Wirt des Sankt J. Und damit bringt er die Problematik auf den Punkt. Denn auch die Eröffnung des Christkindl-Marktes hat einen festen Termin. "Der beginnt einen Tag nach Totensonntag", erklärt Alexander Hauck, Geschäftsführer vom Saarbrücker Verkehrsverein. Und das ist in diesem Jahr der 25. November, also drei Tage nach dem Primeurfest.

"Wir würden auch lieber erst nach dem Primeurfest mit dem Aufbau beginnen, aber leider können wir nicht zaubern. In drei Tagen 86 Weihnachtshäuser aufzubauen, mit Strom und Wasser zu versorgen, das ist unmöglich", sagt Thomas Sonnier von der Firma TMT-Events, die den Aufbau des Marktes organisiert. "Dass die Häuser schon am Primeurfest stehen, bedeutet außerdem mehr Kosten für den Verkehrsverein, denn an diesem Tag wird der Wachschutz verdoppelt", betont Sonnier. Er könne verstehen, dass die Wirte nicht erfreut seien, aber in diesem Jahr sei es leider nicht zu ändern. Dass das Primeurfest wegen der Weihnachtsbuden leiden könnte, glaubt er nicht. "Zwischen den Häusern und davor ist noch genügend Platz für die Leute."

Auch Thomas Caldwell, Inhaber von Klim Bim und Bruch No. 1, geht davon aus, dass nicht weniger Leute den Primeur kosten wollen als in den Jahren zuvor. "Wir warten einfach mal ab. Es ist, wie es ist. Und im nächsten Jahr fällt der dritte Donnerstag ja wieder anders", sagt er.

Dennis Kaymakci vom Old Murphy's ist nicht ganz so optimistisch wie sein Kollege. Er befürchtet, dass der Fokus in diesem Jahr eher auf dem Christkindl-Markt liegen könnte als auf dem Primeurfest. Und das sei wenig förderlich für den Primeur-Absatz. "Es lässt sich nun mal nicht ändern, aber für uns ist das natürlich dumm gelaufen", findet Kaymakci.