Preziöse Scheinwelt und gigantische Realität

Zum 25-jährigen Bestehen des Museums Haus Ludwig gibt es eine Jubiläumsausstellung, die „Ludwigs Papiersoldaten“ in Beziehung zu großformatigen Fotos der Vaubanschen Festungswerke im Saar-Lor-Lux-Raum setzt – eine Hommage an Peter und Irene Ludwig. Die Ausstellung ist seit dem Wochenende zu sehen.

Beim Flanieren durch Manhattan (New York) im Jahr 1957 fällt das Augenmerk auf das Schaufenster eines Antiquariats, in dem sich Tausende Soldaten aus Pappe in der Formation von deutschen und französischen Truppen zur Zeit Napoleons III. gegenüberstehen. Im Gespräch mit dem Geschäftsinhaber, dem Österreicher H.P. Kraus, erfahren Peter und Irene Ludwig: Diese Kostbarkeiten stammen aus der Manufaktur von Henri-Rudolphe-Gustave Silbermann in Straßburg. Jetzt - 57 Jahre danach - werden die filigranen, kolorierten Figuren in den Schlacht- und Marschordnungen der französischen Truppengattungen im Museum Haus Ludwig gezeigt. Das Sammlerehepaar hat damals wohl nach dem Preis gefragt, die Sammlung jedoch nicht gekauft. Viel später, als die "Silbermännle" längst vergessen sind, schickt Kraus die 3500 Soldaten als Geschenk nach Aachen. "Ein Schatz", der erst nach dem Tod der Witwe Irene Ludwig vor zwei Jahren in ihrem Haus gefunden wurde, erzählt Claudia Wiotte-Franz.

Der Druck von Papiersoldaten - auch "les petits soldats de papier" - hat eine lange Tradition. Ausschneidebögen aus Papier sind im 18. und 19. Jahrhundert eine in ganz Europa verbreitete populäre Kunstform, die ihre Hochburgen in Lothringen und im Elsass hat. Theater, Puppenstuben, Tierparks, Landschaften und Figuren gehören in dieser Zeit zum beliebtesten Spielzeug der Kinder. Insbesondere die "Strasbourger Papiersoldätle" von Silbermann gelten als ein kunsthandhandwerkliches Meisterwerk - bis heute. Sie entstehen zwischen 1830 und 1870 nach ersten unkolorierten Umrisszeichnungen in Chromolithographie. Sie erstmals in Saarlouis zu präsentieren, macht Sinn. Die von Sébastian le Prestre de Vauban (1633-1707) erbaute Stadt ist eine der bedeutendsten europäischen Festungsstädte. Die Festungen in Longwy und Neuf-Brisach gehören inzwischen zum Weltkulturerbe der Unesco. Im Rahmen der Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer steht, werden die Soldatenfiguren (in Vitrinen) zusammen mit monumentalen Festungsanlagen Vaubans gezeigt, die Fotograf Thomas Wolf großformatig ins Bild gesetzt hat.

Bis 12. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei. Museumspädagogisches Programm unter Tel. (0 68 31) 443-412/413.