Preisgekröntes Bild: Mensch wird Maschine

Völklingen/Saarbrücken. Beinahe im Herzen der Finsternis, rund 1700 Meter unter der Erde, tief im Bauch des Saarlandes, im Nordschacht des Bergwerkes Ensdorf, gelang dem SZ-Fotografen Winfried Becker am 7. Dezember 2007 ein Bild, für das er jetzt einen Preis bekam

Völklingen/Saarbrücken. Beinahe im Herzen der Finsternis, rund 1700 Meter unter der Erde, tief im Bauch des Saarlandes, im Nordschacht des Bergwerkes Ensdorf, gelang dem SZ-Fotografen Winfried Becker am 7. Dezember 2007 ein Bild, für das er jetzt einen Preis bekam. Die Fachjury im bundesweiten Fotowettbewerb "Arbeitswelten 2010" der Arbeitskammer des Saarlandes wählte Beckers Bild auf Platz drei - aus etwa 600 Einsendungen.

Das Foto war nicht geplant. Becker machte es spontan am Rande einer Reportage über Bergwerkstechnik. Er ist nämlich auch der offizielle Bergbaufotograf der RAG, Deutsche Steinkohle AG. Unter Tage benutzt er die einzige fürs Bergwerk zugelassene Spezial-Kamera des Saarlandes.

Das ist eine normale Digital-Kamera, die Becker für den Einsatz unter Tage in ein Gehäuse montiert. Dieses Gehäuse wird vor jeder Grubenfahrt voll Stickstoff gepumpt. Der verdrängt den Sauerstoff aus der Kamera. Und erst wenn der weg ist, aktiviert die Kamera ihren Akku. So wird verhindert, dass die Kamera mit dem Sauerstoff womöglich einen Funken produziert und so eine Explosion unter Tage auslöst.

Am 7. Dezember 2007 war Becker mit seiner Spezialkamera in einem Stollen unterwegs zu einer Vortriebsmaschine. Da entdeckte er im Halbdunkel den Bergmann, der im riesigen Rad einer Schrämmaschine arbeitete - und war sofort fasziniert von diesem Motiv.

Becker: "Der Mann schwitzte. Der Kohlenstaub, der durch den Stollen wehte, blieb am Schweiß des Mannes kleben und färbte den Mann so schwarz wie den staubbedeckten Stahl, an dem er arbeitete. Und weil das schwache Licht nicht überall hinreichte, entstand der Eindruck, als wären Mann und Maschine - dort, wo alles im Dunkel versank - miteinander verwachsen." Also brachte Becker seine Kamera in Stellung und hielt dieses Motiv fest. Sein Foto verknüpft die Bildsprache, die der expressionistische Filmregisseur Fritz Lang in seinem Mammutwerk "Metropolis" verwendete, mit dem so genannten Sfumato-Effekt, wie ihn beispielsweise Maler der Renaissance einsetzten - dabei verschwimmen die Umrisse von Gegenständen oder Menschen im Dunkel.

Der frühere Chef des Bergwerks Saar, Gerhard Bronder, war von diesem Foto so begeistert, dass er sofort einen Abzug in der Größe 1,5 Meter auf 1,5 Meter machen ließ - und der hängt seit Anfang 2008 im Foyer der Bergwerksverwaltung. Auch Winfried Becker hält dieses Bild für eines seiner besten: "Als waschechter Saarländer fühle ich mich natürlich dem Bergbau eng verbunden, und deshalb freut es mich enorm, dass die Jury ausgerechnet dieses Motiv prämiert hat." Ende des Jahres wird Beckers Meisterfoto mit den 30 besten Bildern des Wettbewerbs "Arbeitswelten 2010" in der Arbeitskammer, Fritz-Dobisch-Straße, Saarbrücken, ausgestellt.

Info: (06 81) 95 80 00.

Zur Person

Winfried Becker ist Jahrgang 1957. Er kam in Saarbrücken zur Welt - wie auch schon seine Eltern. 1972 bekam er seinen ersten Fotoapparat, 1986 wurde er Fotografenmeister. 1991 gründete er mit Frank Bredel die Presseagentur Becker&Bredel. Die hat inzwischen neun Angestellte und arbeitet außer für die SZ und die RAG für Medien in der ganzen Bundesrepublik. Für die SZ ist Becker auch sehr oft in Völklingen, im Warndt und im Köllertal unterwegs. fitz/red