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Polizeischüler müssen auf die Straße

Saarbrücken. Mit Sondereinsätzen bei Fastnachtsveranstaltungen reagiert die Polizei auf Vorfälle in anderen Städten, bei denen Frauen belästigt und bestohlen wurden. Auch Polizeischüler sollen auf den Straßen Präsenz zeigen. Michael Jungmann

Die saarländische Polizei rüstet für Fastnacht personell kräftig auf. Anlass sind Übergriffe von Männern mit Migrationshintergrund auf Frauen, wie es sie etwa in der Silvesternacht in verschiedenen Städten gab. Viele Tatverdächtige stammen aus Marokko, Algerien oder Tunesien. Sie traten in Gruppen auf, belästigten ihre Opfer sexuell und raubten sie teilweise aus.

Für die Großveranstaltungen wie Bälle und Umzüge an Fastnacht im Saarland wurde deshalb ein besonderes Sicherheitskonzept entwickelt. Landespolizeipräsident Norbert Rupp bestätigte gegenüber unserer Zeitung am Rande des Neujahrsempfangs der Gewerkschaft der Polizei (GdP) am Freitagabend, dass in diese Großaktion auch junge Polizeischüler eingebunden werden. "Die Polizei wird an diesen Tagen sehr stark Präsenz zeigen", sagte Rupp. Etwa 140 junge Kommissaranwärter, die 2014 und 2015 eingestellt wurden und ein dreijähriges Studium an der Fachhochschule in Göttelborn absolvieren, werden für die vorlesungsfreie Fastnachtswoche zu Sondereinsätzen abgeordnet. Rupp betonte, es gebe keine Urlaubssperre.

Die unbewaffneten, aber uniformierten Nachwuchskräfte sollen ihre Kollegen von den Inspektionen bei Absperrungen an Umzügen und beim Schutz von Veranstaltungen unterstützen. Denkbar sei auch, dass sie Wache an Unterkünften schieben, damit andere Beamte für die Einsätze frei werden. Mit Blick auf die Großaktion werden zudem etwa 90 junge Polizeianwärter, die in diesen Tagen ihre mündliche Abschlussprüfung machen, vorzeitig Anfang Februar zum Kommissar ernannt. Als "voll einsatzfähige Polizisten", so Rupp, stehen sie dann wenige Tage später für die Sondereinsätze zur Verfügung.

Die Abordnung der Polizeischüler in die Fastnachts-Sondereinsätze ist polizeiintern umstritten. Zu den Kritikern zählt Ralf Porzel, Landesvorsitzender der GdP. Er sagte der SZ: "Ich finde es eigentlich einen Skandal, unbewaffnete Auszubildende, die Beamte auf Widerruf sind, in den Einsatz und unter Umständen in Gefahrensituationen zu schicken." Für Porzel ist mit dem Einsatz der Studierenden belegt, dass die Polizei im Saarland "nicht mehr in der Lage ist, aus der Alltagsorganisation heraus auf besondere Ereignisse zu reagieren". Nach offiziellen Angaben zählt die Polizei , die bis 2020 rund 300 Stellen streichen muss, aktuell noch 2642 aktive Beamte und 258 Kommissaranwärter.

Unterdessen hat die GdP Saar prominente Unterstützung gefunden. Bei ihrem Neujahrsempfang wurde Schauspielerin Elisabeth Brück, die im SR-"Tatort" die Kommissarin Lisa Marx spielt, zum Ehrenmitglied ernannt.



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