Poliertes Messing erinnert an Nazi-Opfer

Stolpersteine am Saarbrücker Rathaus St. Johann ehren drei von den Nazis ermordete Stadtratsmitglieder. Diesen Ort der Erinnerung reinigten gestern zwei Warner vor alten und neuen Rechtsradikalen.

Mit Spezialreiniger, Wasser und Papiertüchern rückten gestern Horst Bernard und Bernhard Fox dem Schmutz zu Leibe, der sich in den vergangenen anderthalb Jahren auf den drei Stolpersteinen vor der Saarbrücker Rathaustreppe angesammelt hat.

Bernard ist Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten. Er war mit dem Ergebnis der Reinigung nicht ganz zufrieden. Doch war die Aktion ja auch in erster Linie symbolisch zu sehen. "Wir tun das in Erinnerung an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren. Unser kleiner Beitrag sollte sein, dass wir einige Stolpersteine, die an die Verfolgten der Nazi-Barbarei erinnern, auf Hochglanz polieren." Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat diese Steine entworfen. Er befestigt auf pflastersteingroßen Betonklötzen Messingplatten, auf die er die Namen der Nazi-Opfer graviert. Rund 40 000 Stolpersteine sind an 750 Orten in zehn Ländern Europas angebracht. Fox geht davon aus, dass mindestens 35 davon in Saarbrücken verlegt sind. Die Stolpersteine vor der Rathaustreppe erinnern an von den Nazis ermordete Stadtverordnete: die beiden Kommunisten Wendel Schorr und Peter Roth sowie den Sozialdemokraten Fritz Dobisch, der als verdienstvoller Gewerkschafter den Hass der Nazis auf sich gezogen hatte. In den kleinen Blumensträußen, die Bernard und Fox nach der Reinigung an den Steinen niederlegten, war auch je eine weiße Rose zu finden. "Die Rose steht nicht direkt für die gleichnamige Widerstandsorganisation, sondern für den Widerstand der Saarbrücker gegen das Naziregime."

Etwa ein Dutzend der knapp 100 Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten hatten sich für die Aktion angemeldet. Erschienen sind aber nur Bernard und Fox.

Dieser vermutet, dass viele wegen des gestrigen Dauerstaus in der City nicht hatten kommen können. Bernard und Fox schafften es denn auch nicht mehr auf die andere Straßenseite, wo sie ursprünglich noch die Stolpersteine vor der Sparkasse reinigen wollten. "Deshalb werden wir unsere Reinigungsaktion demnächst wiederholen", kündigte Bernard an.