Piratin Freigang zu klein für Polizeiuniform?

Aus Sicht des Innenministeriums fehlt der Abgeordneten Jasmin Freigang die Größe für die Polizei. Die Piratin hat sich als Kommissaranwärterin beworben, erreichte beim Arzt die geforderte Mindestgröße nicht. Erst nach einer Klage wurde sie zu weiteren Tests geladen.

Mit 27 Jahren ist Jasmin Freigang die jüngste Abgeordnete des saarländischen Landtags. Als Jasmin Maurer wurde die junge Piratin aus Riegelsberg 2012 in das Parlament gewählt.

Bevor der Wähler möglicherweise ihre politische Karriere bei der Wahl im März beendet und den Piraten die rote Karte zeigt, hat die Vizefraktionschefin und Schatzmeisterin der deutschen Hamstervereinigung selbst neue Zukunftspläne geschmiedet. Freigang will die Farben wechseln, vom einst orangenen Dress der Piraten in die blaue Uniform der saarländischen Polizei . Sie hat sich als Kommissaranwärterin beworben, wurde aber schon beim Polizeiarzt ausgemustert. Dessen Diagnose: Zu klein. Immerhin war für Frauen eine Mindestgröße von 1,62 m gefordert. Demnach wäre die Piratin schon nicht mehr zum schriftlichen Aufnahmetest zugelassen worden. Freigang selbst beteuert, bei eigener Messung und der eines anderen Arztes seien Ergebnisse von 161,5 Zentimetern (abends) und 163 Zentimetern morgens erreicht worden.

Die Jung-Politikerin mit Schwerpunkt Bildungspolitik, in deren Lebenslauf zwei nicht abgeschlossene Studiengänge (Jura und Mittelstandsökonomie) und eine unterbrochene Ausbildung zur IT-Systemkauffrau notiert sind, gab wegen der fehlenden Zentimeter den neuen Berufswunsch nicht auf. Sie klagte gegen das Innenministerium, beantragte über eine Saarbrücker Anwaltskanzlei beim Verwaltungsgericht in Saarlouis eine einstweilige Anordnung, wonach sie zu den weiteren Prüfungsterminen zuzulassen sei. Erst in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG, Aktenzeichen 1B 385/16) setzte die kleine Piratin, die in Riegelsberg auch die Uniform einer freiwilligen Feuerwehrfrau tragen will, sich durch. Sie durfte "vorläufig" an den Tests, die im Dezember stattfanden, teilnehmen. Der erste OVG-Senat hat in seinem unanfechtbaren Beschluss verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet, dass das Unterschreiten einer per Verfügung eines Abteilungsleiters festgelegten Mindestgröße ausreichende Grundlage für die Ablehnung sei.

Von dem vorläufigen gerichtlichen Erfolg Freigangs profitierten noch mehr als 20 weitere Frauen und Männer, die beim ärztlichen Maßtermin an der Mindestgröße (1,62 m für Frauen und 1,65 m für Männer) gescheitert waren. Sie wurden alle "unter Vorbehalt" zu den Tests geladen.

Die Piraten-Abgeordnete Jasmin Freigang will Polizistin werden. Der Polizeiarzt musterte sie als zu klein aus, Richter ordneten an, dass sie an weiteren Tests teilnehmen durfte. Foto: Becker & Bredel. Foto: Becker & Bredel

Eine Ministeriumssprecherin betont, dass "in fast allen Bundesländern" Mindestgrößen für angehende Polizisten, die in bestimmten Einsatzlagen besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt seien, gefordert werden. Freigang kontert mit dem Hinweis, auf Bundesebene habe das Bundesverfassungsgericht die Mindestgrößen bereits als verfassungswidrig eingestuft. Und sie kennt wohl die Geschichte von den "sieben Zwergen" der Polizei . Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) hat 2016 persönlich sieben junge Frauen eingestellt. Sie hatten alle Aufnahmetests bestanden, nur beim damals abschließenden Arzttermin das geforderte Maß nicht erreicht.